Druckschrift 
3 (1842)
Entstehung
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Felsen weniger steil, aber durch Kunst befestigt und erst in neue-ren Zeiten ist der beschwerliche Weg zum Schlosse in eine mehrgangbare bedeckte Strasse verwandelt worden, an deren unteremEnde sich die Schloßwache befindet. Die Aussicht vom Schlossegegen die Donau hin ist wild, freundlicher gegen die wiesen-reichen Thäler zu beiden Seiten hin. Noch immer findet manim Schlosse manche engen, winkeligtcn Gänge, die innere Ein-richtung jedoch ist jetzt geschmackvoll und wahrhaft fürstlich. I»dem mit Marmor ausgelegten Rittcrsaale findet man die Bild-nisse der Hohenzollern'schen Fürsten in Lebensgröße von denältesten Zeiten, von Thasfilo an, dem angeblichen Stammvaterdes Geschlechtes, bis auf den jetztregiercnden Fürsten, deren äl-tere wenigstens nur Phantasiegebilde sind. Ein wohlverwahrterThurm in der Mitte enthält das fürstliche Archiv, über seinemPortale ist Graf Felir von Werdcnberg, der Mörder des Gra-fen Andreas von Sonncnberg, der ihn bei der Vermählungs-fcier des Herzogs Ulrich von Württemberg schwer beleidigthatte, (4511) in Stein ausgehauen; er kniet in seiner Rüstung,mit dem Paternoster in der Hand, vor einem Marienbilde, alswollte er seine Blutschuld abbitten. Sehcnswcrth sind auch dieSchloßkapelle mit schönen, den Tod des heiligen Mcinradsvorstellenden Glasgemäldcn, eine reiche Sammlung von Hirsch-geweihen jeder Größe und Gestalt, eine kleine Gemäldegallerie,eine Sammlung von Waffen, welche besonders durch dieVorliebe des.Erbprinzen für Alterthum und Kunst stets mehran Werth gewinnt, und von ausgebälgten Vögeln, die Biblio-thek u. s. w. Mit dem Schlosse steht durch einen bedecktenGang die schöne und geräumige Pfarrkirche in Verbindung;früher aber war Sigmaringcn in das benachbarte Laiz eingc-pfarrt. Die Stadt, früher unansehnlich, ist seit den letztenfünfundzwanzig Jahren bedeutend vergrößert und verschönertworden. Eine neue Straßen- und Häuser-Anlage, woruntersich besonders die zwei prächtigen, im byzantinischen Style er-bauten, Gebäude für die Justiz- und Regicrungs-Behördenauszeichnen, und eine schöne Linden- und Kastanien-Alleeführen nach dem Kloster Hedingen, eine halbe Viertelstundevon der Stadt. Dieses wurde in der ersten Hälfte des vier-zehnten Jahrhunderts von Eitel Fvlwin von Hcdingcn gestiftet,seine Bewohnerinnen aber, Dominikanernonnen, wurden durchihr sittenloses Leben in der ganzen Umgegend verrufen, weß-

' wegen der Graf KarlII. von Hohcnzollcrn-Sigmaringen 1580auf die Reformation des Klosters drang. Diese aber kam nachUeberwindung vieler Schwierigkeiten erst 1597 zu Stande, dieNonnen mußten ins Kloster zu Jnzigkoscn wandern und ihreGebäude und Güter wurden dem Spital zu Sigmaringenübergeben, diesem aber nahm sie Karls Sohn, Graf Johann,wieder ab und bevölkerte das Kloster 1624 mit Franziskanern,welche bis 1816 sich hier aufhielten. Nun aber wurde dasKloster aufgehoben, ein Theil seiner Gebäude 1818 zur Auf-nahme eines Gymnasiums und einer Realschule, ein andererTheil zu Dienstwohnungen fürstlicher Beamten eingerichtet.Besondere Lokale in der Stadt haben das Oberamt, Rentamtund Forstamt, auch befinden sich hier ein katholisches Dekanatund ein Postamt, eine Spar- und Leihkasse, ein Spital, einSchullehrer-Seminar u. s. w. Das Theatergebäude wird nurhier und da von durchreisenden Schauspielergcsellschaften benutzt,dagegen hält der Fürst eine vortreffliche Hofkapelle, auf welchejährlich viel Geld verwendet wird. Das erst in neuerer Zeiterrichtete Museum, ist jetzt eine für die Größe der Stadt wirk-lich ausgezeichnete Anstalt, in welcher ohne Rangunterschieddie ganze beträchtliche Honoratiorenschaft von Sigmaringen zu-sammen kommt; neben ihm besteht auch noch eine besondereBürgergcsellschaft. Im Jahre 1824 ließ der Fürst Anton eineschöne steinerne, auf drei massiven Pfeilern ruhende Brückeüber die Donau bauen und von ihr aus, hart am nördlichenDonauufer hin, eine durch Felsen gesprengte, Straße, bis zurLandstraße nach Gamertingen führen.

Die Stadt Sigmaringen enthält ungefähr 300 Gebäudeund gegen 1600 Einwohner, welche sich hauptsächlich mitstädtischen Gewerben beschäftigen; an Kunstanstalten findet maneine Buchhandlung, Buchdrucker« und eine Lithographische^ Anstalt.

Im Jahr 1832 wurden in der Gegend von Sigmaringenauf einer Anhöhe eine Viertelstunde südlich von Laiz, als maneine Waldfläche zum Ackerland ausrodete, achtzehn altdeutscheGrabhügel entdeckt, in welchen man Schaalcn von gebrannterErde, irdene Gefäße, Lanzcnspitzcn, Ringe von Erz und Bern-stein, einen Dolchgriff, Nägel, Mctallbleche, Zicrrathen vonKupfer und menschliche Knochen fand.