Tuttlingen.
^ u > tlingcn liegt auf dem Siidufer der Donau, die hierein schöner aber noch kleiner Fluß ist, 2010 Fuß über demMeer. Spuren des Aufenthalts der Römer finden sich in derUmgegend mehrere und die große römische Heerstraße vonVindonissa her lief in der Nähe vorbei. Erwähnt wird derOrt (luttilimnKg) zuerst 797 bei einer dem Kloster St. Gal-len hier gemachten Schenkung. Vornemlich das Kloster Rci-chenau aber bekam hier viele Güter und Einkünfte, die uralteSt. Martins-Kirche und die zu Ende des zehnten Jahrhundertsgebaute Peter- und Pauls-Kapelle nebst dem Kirchensatz. Inder zuletztgenanntcn Kapelle wurde 1120 der Abt Ludwig vonReichenan in seinem priesterlichen Ornate vor dem Altar vonden Dienftleutcn des Klosters erschlagen. Später trugen dieGrafen von Wartcmberg die Reichenauischen Güter in Tutt-lingen zu Lehen und Graf Oswald verpfändete es 1359 seinerGemahlin Anna von Landau für die Hcimsteucr; von ihr kamwenigstens ein Theil des Orts, der kurz nachher ummauertwurde, an ihre Verwandten, die Grafen von Württemberg,weßwegen auch die Reichsstädte im Kriege mit diesen die Stadt1377 belagerten, und da ihr Graf Eberhard der Grciner nichtzeitig genug zu Hülfe kommen konnte, eroberten und verbrann-ten. Zu Anfang des fünfzehnten Jahrhunderts kam Tuttlingenvollends ganz unter Württcmbergische Herrschaft und blieb seit-dem im Besitze dieses Fürstenhauses.
In den Jahren 1349, 1407 und 1482 wurde Tuttlingenschwer von der Pest heimgesucht, 1514 nahmen die Bewohnerder Stadt und des Amtes an dem, unter dem Namen desArmen Konrads bekannten, Aufruhr wider den Herzog Ulrichvon Württemberg Theil, 1519 aber versuchten die Nothwcilervergebens sich der Stadt zu bemächtigen, deren Festungswerkewährend der Dauer der Ocfterreichischen Negierung in Würt-temberg (1520 — 1534) beträchtlich vermehrt wurden. Denndie Stadt galt als Hauptgränzplatz gegen die Schweiz hin, von
woher man damals beständig Einfälle des vertriebenen Her-zogs Ulrich fürchtete, der in der nahegelegenen BergfesteHohentweil starke Rüstungen vornahm. Sie hatte starke Mauernmit stattlichen Thürmen und tiefen Gräben, auch ein eigenesSchloß, die Häuser aber waren nach alter Art dicht aneinandergebaut, die Straßen eng und krumm, und nur zwei Thore,das eine von Norden, das andere von Süden, führten in dieStadt. Die Reformation wurde hier 1535 eingeführt, faßteaber nur langsam festen Fuß, weil in den meisten Orten derUmgegend der alte Glauben herrschend blieb. Schweres Un-glück brachte der dreißigjährige Krieg über die Stadt; Quartiereund Truppendurchzüge begannen schon 1619 und wurden immerdrückender; im Jahr 1633 wurde die Stadt dreimal von denOesierreichern besetzt, welche die Bewohner schrecklich mißhan-delten, mehrmals kam es in der Nähe derselben zu blutigenGefechten und schon jetzt begannen Seuchen und Hunger inTuttlingen und in der Umgegend furchtbar zu wüthen, undda der Kaiser 1634 Stadt und Amt dem Grasen von Schlickschenkte, wurden diese nun auch von den Schweden feindlichbehandelt. Bald kamen sie, bald die Oesterreicher und Baiernund jeder solcher Besuch kostete Tuttlingen neue schwere Opfer.Im November 1643 wurde das französische Heer, welches inder Stadt und um dieselbe gelagert war, von dem baierischenGenerale Johann von der Werth unversehens überfallen,6 Generale, viele Offiziere und 7000 Gemeine gefangen ge-nommen und 3000 getödtet, auch die Kriegskasse, die Artillerie,die Munition und das Gepäcke erobert. Später jedoch besetztendie Franzosen sie aufs Neue und erst 1648 kam sie an ihrenLandesherrn zurück und konnte sich nun während langer Frie-densjahre wieder erhohlen. Aber die französischen Kriege zuEnde des siebzehnten Jahrhunderts brachten neue Noth undim spanischen Erbfolgckriege litt sie ebenfalls viel durch Durch-züge und Quartiere, namentlich in den Jahren 1703 und