aufgestellt hat; zu diesem Schlosse gehören schöne, 1782 imenglischen Geschmack angelegte, von einem Arm der Tauberdurchströmte Gartenanlagen. Noch weiter bemerkenswerth sind:das auf dem geräumigen Marktplatze, den es in zwei Theiletheilt, stehende Nathhaus, das schön eingerichtete Archiv, das13-10 gestiftete, reichbegüterte Spital, die Gebäude der zweisetzt aufgehobenen Klöster, des 1250 gestifteten Dominikaner-klosters und des 1628 erbauten Kapuzinerklosters, das Gym-nasium, die Bibliothek, der ehemalige Johanniter-Hof, der Hofdes Klosters Schönthal, eine Industrie-Anstalt und zwei Ar-menhäuser. Die Zahl der Einwohner beträgt 2612, daruntersind 409 Evangelische und 99 Juden, welch letzteren eine eigeneSynagoge haben. Sie nähren sich namentlich vom Feld- undWeinbau, die übrigen Gewerbe sind unbedeutend.
Im Herbst 1826 bemerkte ein Schäfer, der seine Heerdeauf dem rechten Ufer der Tauber weidete, daß die Thiere sich be-gierig zu einer Stelle drängten, wo ein bittersalzig schmecken-des Wasser durch den Boden hervorschwitzte. Er machte hier-von eine Anzeige und die städtischen Behörden ließen nun derQuelle nachgraben, welche glücklich gefunden, aber in dem dar-auf folgenden Jahre durch das Austreten der Tauber wiederverschüttet wurde. Im Jahr 1828 wurde von Neuem nachge-graben und die Quelle gefaßt, da aber ihr Besitz wegen derallzugroßen Nähe des Flußes als zu unsicher erschien, so un-ternahm man in einer Entfernung von ungefähr 300 Schrittenam Fuß des Löffelstelzer Berges einen Bvhrversuch. Kaumwar man in eine Tiefe von etliche und sechszig Fuß gekom-men, so drängte sich das Mineralwasser plötzlich mit großer
Gewalt hervor und da es nach der, damit vorgenommenen,chemischen Analyse kräftige Wirkungen versprach, so ließ dieStadt dabei ein geräumiges Badhaus einrichten, in welchemgleich im ersten Jahre 3000 Bäder abgegeben wurden. AlleUmstände ließen der neuen Anstalt eine glückliche Zukunft pro-phezeien, dem glücklichen Anfang entsprach sedoch der Fortgangkeineswegs und die Stadt verkaufte deßwegen 1834 die Quellesammt den dazu gehörigen Einrichtungen und Grundstücken einemPrivatmanne. Dieser verbesserte ein wesentliches Gebrechen,den Mangel nemlich an Wohnungen für die Kurgäste, welchebis dahin in der eine Viertelstunde entfernten Stadt Quartierhatten nehmen müssen, und das Bad hob sich nun von Neuem,1839 erreichte die Zahl der abgegebenen Bäder wieder die desJahrs 1828. Ein anderer Uebelstand, die Ungleichförmigkeitdes Wassers, die sich selbst durch den einmal kräftigeren, ein-mal schwächeren Geschmack desselben bemerklich machte, hat inden neuesten Zeiten ebenfalls ziemlich aufgehört und daher auchdie anfänglich nicht unbedeutende nachher aber immer geringergewordene Versendung des Wassers wieder zugenommen. Sonstbietet Mergenthcim bei seiner freundlichen Lage und bei derMilde seines Klimas den Badegästen mancherlei Annehmlich-keiten. Die Trink- und Badequelle liefert täglich ungefähr 543württembergische Eimer Wasser und behält eine ziemlich gleicheTemperatur von ungefähr 9° Reaumur. An gasförmigen Be-standtheilen enthält sie namentlich kohlensaures Gas, von Stick-gas und Schwefelwasserstoffgas kaum eine Spur, ihre festen Be-standtheile sind vornämlich Chlornatrium, schwefelsaures Natrium,schwefelsaurer und kohlensaurer Kalk und schwefelsaure Bittererde.