Druckschrift 
3 (1842)
Entstehung
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ntheiin.

freundlichen Tauberthal stand schon im zehnten Jahr-hundert eine Marienkapelle, zu der zahlreiche Wallfahrten ge-schahen, bei ihr erhob sich nach und nach eine Ortschaft, welchewie das Thal den Namen Merzen- (Marien-) Thal erhielt,schon 1058 aber auch unter der jetzigen Benennung Mergent-heim erscheint. Damals war Mcrgentheim der Hauptort einergleichnamigen Grafschaft, welche den südlichen Theil des Tau-bergaus umfaßte und in welcher die Herren von Hohenlohedie Grafcnwürde verwalteten; ihre Vasallen waren die Herrenvon Mergentheim, welche im zwölften und dreizehnten Jahr-hundert vorkommen. Im Jahr 1220 aber schenkten die Brü-der Andreas und Heinrich von Hohenlohe, Ritter des deutschenOrdens, ihre Besitzungen in Mergentheim und in der Umge-gend diesem Orden, welcher vier Jahre später von deren Brü-dern Gottfried und Konrad von Hohenlohe auch den Zehntendaselbst erhielt. Heinrich, welcher Hochmeister des deutschenOrdens wurde, stiftete in Mergentheim eine Kommenthureidesselben und verlieh dieselbe seinem Bruder Andreas, welcher1260 hier als erster Dcutschordens-Kommenthur starb. DurchKäufe und Schenkungen vermehrte der Orden sein Gebiet indieser Gegend ansehnlich und so entstand das Fürstenthum Mer-gentheim, seit dem Verluste Preußens 1525 die Hauptbesitzungdes Ordens, der Ort gedieh jetzt sehr, schon 1340 erhielt er Stadt-rechte; zu noch größerer Blüthe aber kam er, als 152k der Sitz derHoch- und Deutsch-Meister hierher verlegt wurde. Der erste vonihnen, welcher hier rcsidirte, war Walther von Cronberg, der1543 starb und bis 1800 sechszehn Nachfolger zählte. AmChristfest 1631 eroberte zwar der schwedische General Horn dieStadt, allein nach der Schlacht bei Nördlingen kam sie wiederin den Besitz ihrer früheren Herrn und eine zweite Besetzungderselben 1643 durch die Franzosen war ebenfalls nur vorüber-gehend. Die Regierung des Ordens war mild, seine Unter-thanen drückte er weder durch Steuern, noch durch andere La-

sten, vielmehr brachte ihnen die Gegenwart des Hofes undvieler Beamten manchen Gewinn und um so mehr bewährtensie auch eine treue Anhänglichkeit an ihre Herrn. Mit Wi-derwillen und heimlichem Grimm sah daher besonders das Land-volk im April 1809 die Beamten und Truppen des Königsvon Württemberg einziehen, welchem Napoleon aus eigenerMachtvollkommenheit das Fürstenthum geschenkt hatte, weil derdamalige Hoch- und Deutschmeister, der wegen seiner Mildeund Freundlichkeit allverehrte, Anton Viktor ein österreichischerPrinz war. Als daher, freilich nur unbestimmte, Gerüchtevom Herannahen der Oesterreicher laut wurden, so brach imJunius der Aufstand des, durch die mit Strenge vollzogene,ihm bisher unbekannte, Conscription aufs Höchste erbittertenLandvolkes in hellen Flammen aus. Er wurde aber nach ei-nigen Tagen mit blutiger Strenge unterdrückt und ein scharfesGericht erging über die Theilnchmer an demselben. Am 14.Oktober wurde hierauf Mcrgentheim dem Königreich Württem-berg definitiv einverleibt und ist jetzt der Sitz eines zum Jart-krcise gehörigen Oberamtö, eines katholischen Dekanats, einesForst- und Kammeralamts und einer Post.

Die Stadt liegt sehr angenehm im wein- und obstreichenTauberthale, am Tauberfluße, über welchen 'zwei Brücken füh-ren. Doppelte Mauern und Gräben umgeben sie und eineschöne Lindenallee zieht sich rings um die Stadt, welche auchim Innern durch breite, helle Strassen und freundliche Häusersich empfiehlt. Das merkwürdigste Gebäude in ihr ist dasgroße und schöne Schloß, mit einer prächtigen Kirche, von demHoch- und Deutschmeister Clemens August, der zugleich Kur-fürst in Cölln war, von 1732 bis 1746 erbaut. Hier wohn-ten einst die Hoch- und Deutschmeister, seit 1827 aber ist esder Sitz des, durch seine großen Reise, berühmten, HerzogsFriedrich Paul Wilhelm von Württemberg, welcher darin seinsehenowerlhes Naturalienkabinet, die Frucht seiner Reisen,