Der Wohenzollern «nd Weehtngen.
erhingen, die Residenz des Fürsten von Hohenzollcrn - Hc-chingen, von der reißenden Starzel durchschnitten, liegt freundlicham westlichen AbHange der schwäbischen Alp — die untere Stadtmit dem stillen Kloster des St. Lucius und seinem einsamenFriedhofe, mit dem schönen Badgebäude und seinem heilkräftigenSchwefelwasser, der freundlichen Synagoge und den Reihenniedlicher Häuser; wogegen die regelmäßige Bauart der Ober-stadt, die majestätische Pfarrkirche mit ihrer herrlichen Bauartund vielen Kunstdenkmalen, die Residenz des Fürsten, das neueaber unbewohnte Residenzgebäude, von dem wir dort links nocheinen Theil der hintern Seite sehen, sowie die vielen andernschönen Wohnhäuser der obern Stadt eine eigene Annehmlichkeitverleihen.
Dort rechts zwischen hohen Pappeln im Schooße einesehrwürdigen Buchenhaines sieht das fürstliche Lustschloß „Lin-dich" ganz schelmisch hervor, und winkt seinem hohen Herrnzur Ruhe nach der Jagd und zur Muße in schwülen Som-mcrtagen.
Vor Allem anziehend in Bild und Geschichte dieser Land-schaft steht aber vor uns der königliche Hohenzollcrn, vonallen Seiten freistehend, 26Z1 Pariser Fuß über der Meeres-fläche strebt er empor gegen die Wolken, welche oft sein stolzesHaupt verhüllen. Zerstört, wieder aufgebaut und durch die Stürmeder Zeit wieder in Verfall gerathen, bietet doch die alte Stamm-burg nicht den düstern Anblick einer im Schütte liegenden Ritter-burg dar, sondern erhebt sich, durch die Sorgfalt ihrer Söhne,noch gut erhalten, in ihrer alten stolzen Größe und erfüllt mitsonderbarem Schauer des Wanderers Gemüth.
Durch viele Wendungen des Pfades gelangt man zu denRuinen der ehemals riesigen Außenwerke. ES waren neun teras-scnförmig hinter einander aufgeführte Thürme, welche jeden feind-lichen Ueberfall unmöglich machten.
Hier stehen wir an der bald tausendjährigen Wiege desmächtigen Königshauses von Preußen, der Fürstenhäuser „Ho-henzollcrn!" Hier dieser kleine Raum ist die Quelle so großenNamens, diese Mauern, die Zeugen seiner Geschichte! Dort injenem langen Gebäude hausten ihre Urahnen, dort ruhten sievon ihren Fehden aus und legten ihre Rüstungen und Waffenin diesem Waffensaale nieder. Da sind sie noch verwaist undhalb verrostet—Rüstungen und Waffen für den Knaben, denJüngling,wie für den kampfgeübtenMann. Dort hinten liegt derTrümmerhaufcndes eingestürzten Flügels, der ehemals den Knappen und Knechtenzur Wohnung diente, und frei erhebt sich noch in der Mitte derVerwüstung, die uralte Kapelle, die seit dem eilften Jahrhun-dert der Zeit trotzte und von der Gewalt der Waffen geschontwurde. Das im Hosraum eingemauerte Becken sammelt das Negenwasser von den Dächern und diente als Cisterne; jene zweiMühlen versahen die Vurgbevölkerung mit Mehl. Aber allesringsum tc^t; es zittert nicht mehr der Boden vom Hufe desSchlachtrosses, der Pfeil durchschwirrt nicht mehr die zischendeLuft, und das Ohr vernimmt nicht mehr das Jammcrgestöhncder Unglücklichen in den jetzt eingestürzten Burgverließen. Nochersteigen wir die Zinne des neucrbautcn Thurmes dort, von demjene Fahne heruntcrweht. Welches Herausreißen aus der Ver-gangenheit in die Gegenwart! „Unbeschreiblich ist der Eindruck,welcher von dieser hohen Warte herab das ganz geschlossenePanorama auf das Gemüth hervorbringt! Ausgebreitet liegt zuden Füßen das große mit Dörfern besäcte Blachfeld, das sichmit schönen Gruppen von Qbsthaincn und Landhäusern gegendie steilen User dcS wilden Neckars hinzieht. Die mit Neben ge-krönten Hügel erfreuen aus der Ferne schon das Herz und voll-enden das herrliche Gemälde, während auf der andern Seitesich die mächtigen Gebirgszüge der Alp mit ihren mannigfaltigzerrissenen, und doch in der Mitte zusammenhängenden Formen,