Druckschrift 
3 (1842)
Entstehung
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1511 verfertigten, künstlichen Uhrwerk, die Gebäude des theo- Ilogischen Stifts, einst ein 1262 gegründetes Augustiner-Kloster,und des katholischen Convikts, welches zuerst ein Franciskaner-Kloster war, das 1540 abbrannte, worauf die Herzoge Ludwigund Friedrich I.^hier das sogenannte Kollegium illustre, eineArt von Ritterakademie, gründeten (1587 ff.), das Universitäts-Haus (atula nova), das Klinikum, der Spital, die Kanzlei desGerichtshofes für den Schwarzwaldkreis, das Museum, das Ana-tomiegebäudc, die Reitschule, der trefflich eingerichtete botanischeGarten, die 1489 erbaute steinerne Neckarbrücke u. s. w.

Die Hauptmerkwürdigkeit Tübingens aber ist die Univer-sität, welche Graf Eberhard im Bart im Jahr 1477 stiftete,in guter Meinung, wie der Stiftungsbrief sagt, helfen zugraben den Brunnen des Lebens, daraus von allen Enden derWelt unersichtlich geschöpft mag werden tröstliche und heilsameWeisheit zu Erlöschung des verderblichen Feuers menschlicherUnvernunft und Blindheit." Sie war sein Lieblingswerk, demer Lebenslang die eifrigste Sorge widmete, und wo er im Um-gang mit gelehrten Männern, manchen Tag verbrachte. Daheraber kam die neue Anstalt auch schnell zu trefflichem Gedeihenund hatte von Anfang an ausgezeichnete Lehrer in jeder Fa-kultät, einen Gabriel Viel, Johann Reuchlin, die beiden Ver-genhans u. s. w. Die Reformation aber fand hier starkenWiderstand, den jedoch Herzog Ulrich glücklich überwand, wor-auf nun die Universität, den alten Ruhm der Gelehrsamkeitauch jetzt bewahrend, eine starke Schutzwehre für das reineLuthcrthum wurde, welches ihre allzeit fertigen Kämpfer zuvertheidigen stets bereit waren. Das Interim mußte zwar auchbei ihr eingeführt werden und der dreißigjährige Krieg brachtesie an den Rand des Verderbens, aber sie erhohlte sich beide-mal schnell wieder, und wurde von allen Beherrschern Würt-tembergs alsKleinod des Landes" gehegt und gepflegt. Be-sonders während der Negierung des Herzogs Karl Eugen undnoch mehr während der des jetzigen Königs geschah sehr vielfür sie; 1817 erhielt sie eine katholisch-theologische) 1818 einestaatswirthschaftliche Fakultät, ihre organischen Verhältnissewurden durch die Statute vom 18. Januar 1829 und 18. April1831 neugcregelt, ihre Hülfsanstalten und Sammlungen, dieBibliothek, das Naturalien-Kabinet, der botanische Garten,vermehrt und vergrößert, ein neues Anatomiegebäudc und eineneue Reitschule gebaut, und am 25. März 1841 der Grund-stein zu einem neuen Universitätsgebäude gelegt. Sie besitztaußer den vbengenanntcn Anstalten ein chemisches Laboratorium,ein Kabinet chirurgischer Instrumente, ein Klinikum mit Ab-theilungen für Medicin, Chirurgie und Geburtshülfe, ein

Münz- und Antiquitäten-Kabinet, ein Laboratorium für tech-nische und Agrikultur-Chemie, eine technologische Modellsamm-lung, ein ZeichnungS-Jnstitut und einen Fechtboden. Mit ihrverbunden sind das Wilhelmsstift oder sogenannte Convikt zurBildung katholischer Theologen, das evangelische Prediger-In-stitut, das philologische und Neallehrer-Seminar, und dastheologische Stift. Dieses letztere wurde 1536 von HerzogUlrich gegründet und nachdem es während der Zeit des Inte-rims wieder ganz in Verfall gekommen war, von seinemSohne, dem Herzog Christoph, neu aufgerichtet und erweitert.Aus diesem in ganz Deutschland rühmlich bekannten Institutsind seit dreihundert Jahren viele fromme und gelehrte Männerund mehrere große Geister, unsterbliche Zierden des Staats,der Kirche und der Schule hervorgegangen; auch Schellingund Hegel wurden hier gebildet. Die Universität zählt gegen-wärtig 52 Lehrer und die Zahl der Studirenden auf ihr be-trägt zwischen 7 und 809. Ausserdem besitzt die Stadt auchein Lyceum, eine höhere Realschule, ein Privatschullehrer-Se-minar und andere Bildungsanstalten.

Tübingen war früher die zweite Haupt- und ResidenzstadtWürttembergs, nach dem Entstehen Ludwigsburg ging diesesihm als Residenzstadt vor, jetzt ist es noch eine der 7 gutenStädte des Königreichs. Es ist ferner der Sitz des Gerichts-hofs für den Schwarzwaldkrcis, einer Generalsuperintendenz,eines evangelischen Dekanats, eines Oberpostamts und derCentralstellen für das gleichnamige Oberamt. Die Einwohner-zahl beträgt gegenwärtig 8660; die sich hanptsächlich von derUniversität ernähren, aber auch ansehnlichen Feld- Obst- undWeinbau treiben. Von andern Gewerben finden sich Tuch-macherei, Färberei, eine Schnellbleiche, einige Buchdruckereien,eine Pulvermühle, ein Kupferhammer, eine Kunstmühle undandere Mühlwcrke.

Die Umgegend Tübingens ist äusserst anmuthig, voll dermannigfaltigste»! Spaziergänge und Ansichten, unter welchensich gegen Süden im Steinlachthale der St. Blasienberg, unterwelchem das Blasienbad liegt, gegen Westen die auf hohemBergesgipfel thronende, Wurmlinger Kapelle, gegen Nordendas 1188 voin Pfalzgrafen Nudolph gestiftete Kloster Beben-hausen mit einer herrlichen Kirche und einein höchst kunstvollenRefektorium auszeichnen. Die Berge um Tübingen gewährensehr schöne Ansichten der Alb, und zu entfernteren Ausflügenladen das Bad Niedernau mit seinen Tannenwäldern, dieStädte Rottenburg mit ihren römischen Alterthümern, Reut-lingen mit der Achalm Herrenberg und Hechingen mit dem^ Hohenzollern ein.