Druckschrift 
3 (1842)
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

acht steinernen Säulen ruhend, die auf der Abbildung sichtlichekuppclförmige Bedachung, auf deren höchster ein vergoldetesKreuz weithin erglänzt. Um zwei Drittel des Brunnenum-fangcs her läuft eine gedeckte Rotunde, mit jenen Flügeln derKolonnade zusammenhängend. Alle diese Wandelgänge sindinsgesammt durch hohe Glasthüren und Glaswände gegen Windund Regen geschützt. Dieses Brunnengcbäude umfaßt auchdenBrechsäuerling."

Rechts im Vordergründe des Bildes sieht man zwischenBäumen das eine Ende des Kursaales hcrausschimmcrn; die-ser wurde durch den späteren Anbau eines schmäleren Ganges(der auf dem Bilde der ganzen Länge nach sichtlich ist) mitder Kreuzbrunnkolonnade in ununterbrochene Verbindung ge-setzt (1826 1827). Der Kursaal, eine heitere Räumlich-keit von 260 Fuß Länge, 32 Fuß Breite und 16 Fuß Höhe,ist sehr geschmackvoll verziert und mit 12 hohen Fenstern, 0Glasthüren, 5 großen Spiegeln, Bänken, Stühlen und Tischenausgestattet. Er kaun mittelst mcißnerischer Luftheizung ge-wärmt werden. Durch diese sehr zweckmäßige Einrichtung tön-neu die Kurgäste selbst bei der rauhesten Witterung, ohne immindesten eine Erkältung besorgen zu müssen, in einem tageS-hellen, freundlichen Raume sich die nöthige Bewegung machen.

(Der Röhrbrunnen mit Trinkwasscr, auf un>ercm Bildelinks vor der Krcuzbrunnenkolounade sichtlich, wurde 1827 er-richtet.)

Eine Allee mit mehreren Baumreihen, die Kreuzbrunn-promcnade, gegen 150 Klafter lang, führt zum Carolinen-brunn. Ehemals hieß diese Quelle der Neubrunn; als1818 die Kuppel auf acht korinthischen Säulen darüber erbautwurde, erhielt sie den Namen I. Maj. der Kaiserin Mutter,Gemalin des höchstscligen Kaisers Franz 1. Die Carolinen-quelle entspringt aus Moorgrund mitten in einem anmuthigcnBoskett; unzählige Gasperlen steigen schnurförmig im Wasserauf. Der Earolineubrunn ist unter den Marienbadcr Heil-quellen am reichsten an Eisen; Prof. Steinmann behauptet,er enthalte dessen mehr, als die berühmten Stahlbrunnen Spaaund Schwalbach. Der Geschmack ist anfangs säuerlich undstechend, dann zusammenziehend, tintcnähnlich; dann folgt einschwacher Nachgeschmack von Schwefelwasserstoffgas, das manauch am Geruch erkennt. Die Temperatur der Quelle ist 7° Zt.;sie liefert in 21 Stunden 105 Kubiksuß Wasser. Das Wasserdieses Brunnens, wie deS folgenden, wird nicht nur getrunken,sondern auch zu Bädern verwendet. Ein paar Klafter vomBrunnen hat die Quelle einen Abfluß für die Bewohner desOrtes, die ihn zum gewöhnlichen Getränke verwenden. Nochetwas weiterhin befindet sich ein offener Behälter von etwa700 Kubiksuß Rauminhalt, in welchem sich der größte Theildes abfließenden Wassers sammelt.

Ungefähr 130 Schritte vom Carolincnbrunncn in östlicherRichtung liegt der Ambrosiusbrunnen, welcher ebenfalls ausMoorgrund entspringt, 1823 neu gefaßt und 1826 mit einemzierlichen gothischen Tempel überbaut wurde. Die Temperaturdieses schwachen Stahlwassers ist 7° N. und die Wasscrmengein 24 Stunden 75 Kubiksuß. Das Wasser ist sehr angenehmund erfrischend.

Eine halbe Viertelstunde von Marienbad, nordwestlich vomKreuzbrunnen, am rechten Ufer des Schneidcrbaches, in einemwaldigen Thale zwischen dem Steinhau und Schncidrang, liegtdie Wald quelle. Früher hieß sie beim Landvolke wegeneiner eigenthümlichen Wirkung auf den Unterleib derWind-brunn." Im Jahre 1811 wurde sie mittelst eines geschmack-vollen Tempels auf sechzehn doppelt gcreihctcn Säulen neuüberdeckt. Ihre Temperatur beträgt 5 6» R., ihre täglicheWassermenge nur 37 Kubiksuß. In Rücksicht auf ihre Be-standtheile ist sie besonders durch das verhältnißmäßige Vor-walten des kohlensauren Natrons ausgezeichnet.

Der Ferdinandsbrunnen, eine der wichtigsten unterden Quellen Maricnbads, entspringt eine Viertelstunde vondiesem Orte, unfern des Auschowitzcr Baches, wo dieser in diefreiere Ebene tritt, in einem anmuthigen Wicsenthale. DieChausee dorthin ist eine der angenehmsten Promenaden. Diebeiliegende Abbildung zeigt seinen schönen Ucbcrbau. In derMitte erhebt sich auf 10 Säulen die zierliche Kuppel (1810erbaut) von mehr als 20 Fuß Höhe; auf jeder Seite schließtsich eine 158 Fuß lange Gallerie an, gegen Süden offen, gegenNorden durch Glaswände mit Glasthüren und Fenster gegendas Wetter geschützt. Von dieser Kolonnade hat man gegenSüden eine wunderschöne Aussicht weit über den Pilsner Kreishin, bis zu den fernen Gebirgen an der bairischen Gränze,unter denen man den hohen Pfrauenbcrg deutlich unterscheidet.An beiden Enden dieses Säulengangcs sind zwei höhere, ganzsymmetrische Anbaue; der westliche, auf dem Bilde der linke,enthält einen schönen, einfach und nett möblirten Saal für dieKurgäste; der östliche die Wohnung des Grunnenwärters, undeine Kammer zur Aufbewahrung der Krügc und Füllapparate.Die ganze Umgebung ist in schöne Anlagen umgewandelt, undnach dem Kurorte führen außer der erwähnten Chaussee mehreanmuthige Fußpfade.

Diese Quelle, früher die Salzquelle genannt, ist dieselbe,bei welcher die oben erwähnten Versuche des Salzsiedcns ge-macht wurden. Sie ist unter allen Marienbadcr Quellen diereichste an Kohlensäure; dies Gas entwickelt sich so heftig, daßdie Quelle in unaufhörlicher wallender Bewegung ist und kochen-dem Wasser ähnlich sieht. In ein Glas geschöpft, ist das Was-ser lebhaft perlend und klar, trübt sich aber nach wenigenStunden. Der Geschmack ist angenehm prickelnd, anfangslieblich säuerlich und etwas stechend, hält man eS länger imMunde, etwas gesalzen, zuletzt ein wenig zusammenziehend.Ueber dem Spiegel der Quelle sammelt sich (wie bei allenMarienbader Brunnen, hier aber und bei der Marienquellebesonders ausgezeichnet) die Kohlensäure zu einer Luftschichtan, in welcher eine brennende Kerze verlöscht. Die Tempera-tur der Quelle beträgt 7,5» R., die tägliche Wassermcnge2892 Kubiksuß; das Wasser wird versendet.

Noch ein paar hundert Schritte hinter dem Ferdinandsbrun-nen auf derselben Wiese liegt der Wiesensäuerling. Erist nicht gefaßt und ohne Bedachung, und fließt langsam ausebenem Boden, daher sich um ihn her ein kleiner Sumpf ge-bildet hat. Zum Kurgcbrauche wird er nicht verwendet.

Dies sind die Marienbadcr Quellen, welche getrunkenwerden. Eine Erörterung ihrer arzneilichen Wirkung wärehier nicht am Orte; die Krankheiten, in welchen sie sich beson-ders wirksam zeigen, sind vornehmlich Gicht, Hypochondrie,Hysterie, Bleichsucht, Rheumatismus, und eine Menge chro-nischer Uebel, die größtentheils aus einer unregelmäßigen undüberreizten Lebensweise entspringen und unter dem Namen derUntcrleibskrankheiten begriffen werden.

Die Hauptquelle von Marienbad, der Kreuzbrunn, wirdgewöhnlich kalt (für die, welche ihn nur gewärmt vertragen,besteht hierzu ein Dampfapparat im Kursaale) und in denFrühstunden getrunken, zu welcher Tageszeit seit dem Jahre1821 auf der Krcuzbrunnpromenade ein kleines Musikcorpssich hören läßt. Gewöhnlich erregt der Kreuzbrunn, wenn erden Organismus durchdrungen hat, eine mehr oder wenigerheftige Reaction, die unter dem NamenKrcuzbrunnfieber"bekannt ist.

Zum Baden wird außer dem bereits erwähnten Caro-linen- und dem Ambrosiusbrunnen hauptsächlich die Marienquelleverwendet. Diese Quelle, welche dem ganzen Kurorte denNamen gab, entspringt auf dem Hofraume des alten Bad-hauses in einem aus Pfosten gezimmerten Bassin von 10'/.Klafter Länge und über 3 Klafter Breite; sie ist von allen die