war es übrigens, als wäre ich in»den nordamerikanischen Einsam-keiten, wo man Wälder aushauet, um in drei Jahren eineStadt zu bauen. Die niedergeschlagene Fichte wird als Zulageverarbeitet; der zersplitterte Graiütfels steigt als Mauer aufund verbindet sich mit den kaum erkalteten Ziegeln; zugleicharbeiten Tünchcr, Stuccaturer und Maler von Prag und an-deren Orten im Accord gar fleißig und geschickt; sie wohnenin den Gebäuden, die sie in Accord genommen, und so gehtAlles unglaublich schnell."
Im selben Jahre 1820 starb der ehrwürdige vr. Nehrin seinem 67. Lebensjahre. Bis an sein Ende war er fürMarienbad, gleichsam seine eigene Schöpfung, begeistert; kurzvor seinem Tode hob er ein Glas Kreuzbrunn mit beiden Hän-den gen Himmel und rief im innigsten Gefühle der Pietät:„Heiliger Kreuzbrunnen, auch mir zur Erhaltung von Gottgeschenkt!" ^
Im selben Jahre wurden auf l)e. Struve's (des be-rühmten Erfinders der künstlichen Mineralwässer) Rath undDr. Heidlers Antrieb die ersten Gasbäder in Marienbad ein-gerichtet.
Von jetzt an verging kein Jahr ohne eine neue Verschö-nerung und Verbesserung für Marienbad. Durch den Bauvon Chausseen nach den nächsten Pvststraßen und durch Errich-tung einer Bricfpost sauf Verwendung S. Durchl. des FürstenMetternich im I. 1833) wurde es leicht zugänglich und mitIn- und Auslande in Verbindung gesetzt. Immer zahlreicherströmten von fern und nah die Kurgäste herbei. BerühmteChemiker untersuchten mehrmals die Quellen, namentlich denKreuzbrunn; so: Jacquin, Döberciner und Berzelius. Marien-bad ist in vielversprechender Entwickelung und aus der hoff-nungsreichen Gegenwart läßt sich eine noch erfreulichere Zu-kunft mit Sicherheit vorhersagen.
Der Kurort Maricnbad liegt auf der Herrschaft Tepl, imnordwestlichen Theile des Pilsner Kreises, 23 Postmeilen vonPrag (über Pilsen, Mies und Plan) und 5 Postmeilen vonKarlsbad (über Petschau), unter 40» 58^ ö. L. und 30» 22^n. B. Die Meereshöhe des Kreuzbrunnens ist 1012 WienerFuß; die mittlere Jahreswärme beträgt -j- 6» R. Der Ortist in einer Thaleinsenknng von beinahe dreieckiger Gestalt ge-legen, die fast nach allen Seiten von Bergen geschlossen ist:im Nordwestcn ist der Schneidrang, im Nordostcn der Stein-hau, im Osten der Mühlberg und im Süden der Hamelikaberg.Drei Bäche, nach den Bergen Schneid-, Stcinhau- und Ha-melikabach genannt, vereinige» sich zum Auschowitzcr Bach, derin meistens südlicher Richtung das Thal verläßt, welches nurnach dieser Seite in die Ebene übergeht, und eine Aussichtnach den südwestlichen Theilen des Pilsner Kreises frei läßt,die aus den günstig gelegenen Häusern bis zu dem fernenPfrauenbergc bei Hayd reicht, so wie dem ankommenden Rei-senden nur durch diese Thalöffnung Marienbad in einiger Ent-fernung sichtbar ist.
Marienbad zählt gegenwärtig 74 Häuser, 3 im Bau be-griffene ungerechnet, und gegen 400 Einwohner (welche diedeutsche Sprache sprechen); es ist noch immer in rascher Zu-nahme. Die Häuser stehen nicht in Gassen geordnet, sondernziehen sich in Reihen, zum Theile auch noch einzeln, am Fußeoder AbHange der Berge hin, um einen weiten freien Raum,der eine parkähnliche Anlage, durchschnitten von wohlerhaltenenFahr- und Fußwegen, bildet. Die schön bewaldeten Berge,hier sanft gegen das Thal abfallend, dort steiler emporsteigend,die Abwechselung des Terrains, die frischen, klaren Bäche ge-ben unserem Kurorte einen eigenen Reiz. Nach allen Rich-tungen führen schattige Promenaden zu jenen mit Ruheplätzen
versehenen Punkten der Berge, von wo sich hübsche Aussichtenauf das Thal und die dahinter gelegene Gegend öffnen. Dieseunmittelbare Nähe schöner Waldparthien ist es, die Marien-bad etwas eigenthümlich Anziehendes gibt, was durch dasfreundliche Aussehen der Ortschaft noch augenfälliger wird.Die Häuser des Kurortes sind durchaus von Stein oder Ziegelnerrichtet und in modernem Style erbaut. Manche davon sindvon beträchtlicher Größe — so hat das Stift-Tepler-Haus80 Zimmer — und gar viele würden selbst in einer Haupt-stadt nicht mit Unehren stehen.
Das Interessanteste jedoch in Marienbad sind seine natür-lichen Heilmittel. Keine Stelle auf Erden ist vielleicht in die-ser Beziehung so reich bedacht. In einem Umkreise von dreiStunden entspringen nach amtlicher Erhebung nicht wenigerals hundert drei und zwanzig Mineralquellen, und diesevon einer ungemcincn Mannichfaltigkeit der Heilwirkung. Außer-dem hat derselbe Bezirk unerschöpfliche Schlammlager und zahl-lose Gasausströmungeii, welche ebenfalls unschätzbare medika-mentale Eigenschaften haben. Wo fände sich anderwärts einso ungemein reicher Heilapparat!
Wir können der leichtern Uebersicht wegen diese Marien-bader Naturschätze eintheilen in
Gesundbrunnen (Kreuzbrunn, Ferdinandsquclle, Wald-quclle, Carolinenbrunn, Ambrosiusbrunn und Wiesen-quclle) und in
Heilbäder (Maricnqnelle, Gasbädcr, Schlammbäder,Douchcbädcr, Dampfbäder und Stahlbäder aus der Ca-rolincn- und der Ambrosiusquelle).
Die berühmteste Quelle Marienbads ist der sogenannteKreuzbrunn. Er quillt am Fuße des südlichen Abhangesdes Steinhaues ans porphyrartigem Granit hervor und istunten in Holz, oben in einen Kranz von Porphyr gefaßt.Das Wasser ist klar und rein und wirft eine geringe Mengekleiner Luftbläschen. An der Luft trübt es sich und zer-setzt sich leicht, besonders wenn ihm noch so kleine Stückchenorganischer Stoffe beigesetzt sind; in Glas und gut glasirtenKriigen hält es sich dagegen recht lange und ist daher zumVersenden gut geeignet. Sein Geschmack, anfangs prickelnd,dann etwas säuerlich, länger im Munde gehalten gesalzen,wird immer angenehmer, je längere Zeit man den Kreuz-brunn trinkt. Er behält das ganze Jahr hindurch unver-änderlich dieselbe Temperatur, nämlich 0,5» Röaumur, undgefriert niemals zu. In 24 Stunden gibt er 1430 Kubik-fuß Wasser.*)
Auf der beiliegenden Abbildung sieht man, wie stattlichsich das Gebäude ansnimmt, welches den Kreuzbrunn undseine Trinkgäste vor den Unbilden der Witterung schützt. Diein der Mitte des Bildes sichtliche Kolonnade von 72 jonischenSäulen (1818 errichtet) besteht aus zwei 150 Fuß langenFlügeln, die vorn durch eine Querkolonnade geschlossen sindund zu dem Brunnen führen. Ueber diesem wölbt sich, auf
*) Von dieser wichtigsten Quelle Marienbads geben wir Stcin-manns (von Berzelius vervollständigte) Analyse. In einem
Medicinalpfund (12 Unzen) Kreuzbrunn befinde» sich-
Schwefelsaures Natron 28,587 Gran.
Salzsaures Natron 1l>,I7Z „
Kohlensaures Natron 7,693 „
Kohlensaurer Kalk 2,954 „
Kohlensaure Bittererde 2,939 „
Kohlensaures Manganorydul .... 9,132 „
Kohlensaures Lithion 9,986 ,,
Kohlensaurer Strontian ....... 9,993 ,,
Phosphorsäucrliche Thonerde .... 9,992 „
Kieselerde 9,291 „
Summe der fixen Bestandtheile 51,988 Gran.
Ferner in 199 Raumtheilen Wasser 195,33 Raumtheile freierKohlensäure.