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3 (1842)
Entstehung
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wasserreichste, denn sie liefert in 21 Stunden 5280 KubiksußWasser, und die Gasentwickelung ist in ihr am gewaltsamsten.Es ist zum größeren Theile Kohlensäure, der etwas Schwe-felwasserstoffgas beigemengt ist; letzteres macht sich durch denGeruch bcmcrklich und verschaffte der Quelle früher den un-liebsamen Namender Stänker." Auch ist die Marienquelledie wärmste, denn ihre Temperatur beträgt 10,5° R. DasWasser schmeckt säuerlich und trübt sich nicht, wenn es selbstmehrere Tage in offenen Gefäßen steht.

Zum Behufe des Badens bestehen zwei Badhäuser, dasalte und das neue. Jenes, am südöstlichen Fuße des Mühl-bergcs gelegen, wurde 18! 0 angelegt, aber bis 182 t alljähr-lich vergrößert. So einfach sein Acußeres, so zweckmäßig istdas Innere. Es enthält -17 Qucllbäder (27 von der Marien-quclle), 16 Moorbäder, 2 Douchcn und außerdem Gas- undDampfbäder und die Armenbadestuben: im Ganzen 80 Bäder.Die zu den Schlammbädern benutzte Moorerde wird in ihrenLagern vou kohlensaurem Gase durchströmt, das in ungeheurerMenge aus ihr hervorbricht. Sie cuthält die salinischen Be-standtheile der Marienquelle und überdies etwas Schwefel. Zuden Moorbädern wird die Erde von der Stcnker-Au im Ro-jaucr Revier geholt, durchgesiebt, erwärmt und mit Wasservon der Marienquclle gemischt. Die Marienquelle selbst brichtaus einem Lager derselben Moorerde hervor, von dem jedochnur die Gasströmungcn zu Gasbäder» (in einem artigen Bret-tcrhäuschen mit 4 Stuben auf dem Hofe des alten Badhauses)benützt wird. Solcher Gasausströmungen hat die Gegend vonMarienbad zahllose; man bemerkt oft neue, die man gar nichtvermuthete, an Stellen, wo sich Ncgenwasscr ?c. ansammelt.

Das neue Badhaus liegt etwa hundert Klafter west-lich vom alten. Es wurde im Jahre 1828 vollendet, erlittjedoch seither bedeutende Umwandlungen. Der frühere kleineSalon wurde in einen großartigen, mit nicht weniger Geschmackals Pracht verzierten Conversationssaal umgebaut unddieser am 29. Juni 1811 mit einem Balle für die Armen er-öffnet. Ein neuer Anbau enthält im Erdgeschosse das am20. Mai 1812 eröffnete Lesecabinet, das mit politischen undbelletristischen Blättern reich versehen ist und auch von Damenfleißig besucht wird; eine eigene Abtheilung ist für Raucher be-stimmt. Im ersten Stocke ist die Wohnung des Badewärters.

Von bemerkenswcrthen Gebäuden ist noch zu erwähnen:das obrigkeitliche Kurspital (seit 1825), woselbst anfangs11, jetzt 21 Betten für Arme, 2 für Militärs befindlich; eswird durch milde Beiträge, durch den Ertrag von Bällen, dasVermiethen des SaaleS zu Concerten w. erhalten. Auch außer-halb des Spitales werden viele Arme unterstützt.

Die vormalige Kapelle ward zur Kirche erweitert und1835 geweiht. Nächstens soll Maricnbad seinen eigenen Seel-sorger und seine eigene Schule bekommen.

Nahe beim Kreuzbrunnen ist das Schauspielhaus eineBretterbude, wo eine wandernde Gesellschaft während der Sai-son spielt.

Am südlichen Ende des Kursaales fängt eine Reihe von21 wohlausgestattetcn, hallenähnlichen Kaufläden an. Ma-rienbad hat eine Druckerei, eine Leihbibliothek und zwei Buch-handlungen (für die Kurzeit); die Zahl der Gasthöfe beträgtgegenwärtig 8.

Zum Beweise, wie rasch Marienbad sich zu seinem gegen-wärtigen Glänze aufgeschwungen hat, mögen einige Zahlendienen. 1815, als das erste Verzeichniß der Kurgäste gedrucktwurde, besuchten Marienbad 187 Gäste, meistens Arme ausder Gegend; drei Jahre darauf schon 757 Parteien und über-

> dies 81 Arme; im Jahre 1811: 1505 Parteien und 1018Arme; im ganzen Zeiträume von 1815 11: 22867 Par-teien. Versendet wurden 1818: 75000 Krüge; 1811: 177189Krüge, im ganzen Zeitraume 6 Millionen 333577 Krüge Mi-neralwasser.

Das Leben in Marienbad ist während der Saison sehrangenehm. Unter so zahlreicher Brunnengesellschaft, die sichjeden Morgen auf der Krcuzbrunnpromenade vereinigt, hatman Gelegenheit, die angenehmsten Bekanntschaften zu machen.Dreimal in der Woche ist Theater, bei schlechtem Wetter auchtäglich (um 1 Uhr). Meist sind Wiener Localposscu auf demRepertoire. Zweimal in der Woche ist gewöhnlich Rcunionim Conversationssaale, wobei auch getanzt wird; sie darf abernicht länger als bis 10 Uhr dauern. In der Regel findenwährend der Saison nur zwei Bälle statt (im großen Kursaale),deren Erträgniß den Armen zu gute kommt. Fremde Künstlergeben bisweilen Concerte, doch machen sie selten gute Geschäfte.Göthe sagt von seinem Maricnbadcr Aufenthalte:HerrlichesQuartier, freundliche Wirthe, gute Gesellschaft, hübsche Mäd-chen, musikalische Liebhaber, angenehme Abenduuterhaltung,köstliches Essen, neue bedeutende Bekanntschaften, alte wieder-gefundene, leichte Atmosphäre u. s. w., alles trug bei, dasdrei Wochen dauernde, schöne Wetter vollkommen zu benützen,zu genießen und das folgende unfreundlich wechselnde zu über-tragen."So viel also, daß ich die kurz vergangene Zeitin Marienbad ohne Unbilden, ja heiter und wie ins Lebenzurückkehrend zugebracht habe."

Besonders anziehend sind in Marienbad die Spaziergängeund Landpartien. Kaum entfernt man sich von den letztenHäusern, so ist man mitten im frischen Walde. Nach allenRichtungen führen bequeme Fußpfade durch die Einsamkeit derdunklen Nadelwälder zu jenen Stellen und Höhenpunkten, welcheangenehme Ruheplätze darbieten und mannichfaltige Aussichtengewähren. Zu weiteren Ausflügen sind geeignet die StädtchenKuttcuplan und Eiusiedcl, vor allem aber das Kloster Teplund Königöwarth. *) In Tepl sind die prachtvolle Kirche,die sehr reiche Bibliothek, die an Inkunabeln allein über 1200zählen soll, die interessante Naturalien- und Kupferstichsamm-luug, das physikalische Kabinet, die Prälatur und mehre Ge-mälde sehcnSwerth. In Königswarth lohnt der herrliche Park,und im Schlosse das neu angelegte Münz- Kunst- und Natu-ralienkabinet, die schöne Kapelle mit ihrem kostbaren Marmor-altare, einem Geschenke Sr. päpstlichen Heiligkeit :c. den Be-such reichlich.

Die beiliegende Gcsammtansicht Marienbads ist von demKreuze auf dem Hamclikaberge aufgenommen (das zur Erin-nerung an das Jahr 1832 errichtet ward, wo Maricnbad (sowie auch 1836) von der in viele» Gegenden des Pilsner Krei-ses wüthenden Cholera verschont blieb) und ziemlich gegenNorden gerichtet. Das ansehnliche Gebäude quer im Vorder-grunde ist das neue Badhaus; rechts davon sieht man diei schlanke, tempelartige Bedachung des Ambrosiusbrunnens;! jenseits dehnt sich der weite Platz ans, den die Häuser Ma-rienbads umschließen; auf demselben, zunächst diesscit der Baum-gruppcn, zeigt sich die kleine Kuppel des Carolincnbrunnens;hinter den Bäumen der Anlage sieht man etwas rechts das. Thürmchen der Kirche, links die Kuppel des Krcuzbrunnensmit ihrem Kreuze hervorragen. In der Mitte des Hintcrgrun-I des erhebt sich der Stcinhauberg.

*) Sr. Durchlaucht, dem Staatskanzlcr, Fürsten von Metternichgehörig.