Druckschrift 
3 (1842)
Entstehung
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Ml A r i e 1! b A v.

Runter den großen Kurorten Böhmens ist Marienbad derjüngste; selbst sein Name schreibt sich aus neuerer Zeit her, dennfrüher waren seine Heilbrunnen nur unter dem Namen der Tep-ler oder Anschowitzer Quellen bekannt. Als gegen das Endedes zwölften Jahrhunderts der böhmische Edle Hroznata inFolge eines Gelübdes, das er bei Rettung aus einer Lebens-gefahr gethan, das Stift Tepl gründete, befand sich unter denLändereien, mit denen der fromme Ritter es ausstattete, auchdas Dorf Auschowitz, i» dessen Waldwildnissen unbekannt dieQuellen hervorsprudelten, um welche sich jetzt Marienbad er-hebt. Die älteste Nachricht, welche wir von diesen Quellenhaben, reicht nur bis zum Anfange des 16. Jahrhunderts hin-auf. Damals wurden die zahlreichen Mineralquellen der Stifts-herrschaft von den Laudlenten größtentheilö als gewöhnlichesGetränk bcnützt, und nur eine einzige war ihres chemischenInhaltes wegen bekannt, aber nicht als Gesundbrunnen, son-dern als Salzquelle. Es ist der jetzige Ferdinandsbrunnen,welcher damals einen kleinen Teich bildete, der wegen derweit umhcrrcichenden Versumpfung unzugänglich war. ImJahre 15S8 sandte König Ferdinand I. einen (noch im Stifts-archive ausbewahrten) Brief an den damaligen Abt Anton, woriner diesem aufträgt, den Ueberbringer zu dem Salzbrunnenzu führen, und aus demselben einige Flaschen Wasser zur Un-tersuchung nach Prag zu schicken. Wahrscheinlich fiel die Un-tersuchung derart aus, daß wirklich eine Siederei angelegtwurde; denn als man im Jahre 1819 den Ferdinandsbrunncnfaßte und für den Kurgebrauch einrichtete, fand man beim Auf-graben des Bodens eine alte, aus starken kiefcrnen Pfosten be-stehende weitläufige Einfassung, und unter derselben im tiefstenPunkte eine mit Brettern zugedeckte, aus Baumstämmen ge-zimmerte kleinere Abtheilung mit Ueberresten von Pumpen undeiner breiten Rinne.

Diese Salzsiederei wurde bald wieder eingestellt. DieBergbcamten in Schlackenwald fürchteten, daß ihr Zinnberg-werk durch Holzmangel beeinträchtigt werden könnte; überdieshatte man sich wohl bald überzeugt, daß das gewonnene Salzkein Kochsalz, sondern Glaubersalz sei.

Bald darauf brach der Türkenkricg (1530 34) aus undin seiner Geldnoth verpfändete König Ferdinand das Gebietvon Einsiedcl mit zwanzig Ortschaften, worunter auch Auscho-witz, an die Besitzer von Pctschau und Schlaggenwald, dieHerren von Pflug. Im Jahre 1549 fielen diese Ortschaftenwieder an das Stift Tepl zurück und gehörten zu dessen Be-sitzungen ununterbrochen bis auf den heutigen Tag.

Ein zweiter Versuch zur Gewinnung von Salz soll unterKönig Ferdinand II. gemacht worden sein und ein neuer imJahre 1665; das gewonnene Salz wird als sehr rein, scharfund schneeweiß beschrieben. Doch muß wohl der Bericht andie Hofkammcr ungünstig gewesen sein, denn man liest nichtsvon dem weiteren Betriebe eines Sudwcrkes. Noch ein ebenso erfolgloser Versuch wurde gegen Ende des vorigen Jahr-'Hunderts gemacht. Diese immer erneuerten Versuche dürfenniemand Wunder nehmen. In Böhmen wird gar kein Salzgewonnen und der ganze Bedarf aus dem oberöstcrrcichischenSalzkammergute bezogen.

Im siebzehnten Jahrhundertc fingen die Anschowitzer Quel-len an, ihrer Heilkraft wegen einigen Ruhm zu erlangen.Ilr. Prudcntius, der Leibarzt K. Rudolphs II, von der Gichtam ganzen Körper contract, gebrauchte die Anschowitzer Quel-len mit solchem Erfolge, daß er, der früher immer darniederlag, nun gehen und stehen konnte. Er trank jedoch nicht dieQuellen, sondern gebrauchte warme Schlammbäder. Ebenso ver-dankten der Freiherr Joachim Licbstcinskp von Kolowrat undder Teplcr Abt Raimund Wilfert I. dem Krcuzbrunnen ihreGenesung. Trotz dieser glänzenden Fälle kamen die Anscho-witzer Quellen gegen Ende des siebzehnten Jahrhunderts wie-der in Vergessenheit, wahrscheinlich verdunkelt durch denGlanz des in der Nähe aufblühenden Karlsbads.

Gegen Anfang des vorigen Jahrhunderts ließ ein andererAbt Wilfert die Quellen reinigen und erweitern, auch dasSchlößchen Hammerhof (1710) in der Nähe der Quellen theilszum Maiferienaufenthalte der Geistlichen, theils zur Aufnahmevon Kranken erbauen. Bald darauf fing man an, die Wässerzu versenden; dies geschah besonders in regelmäßigen Sendun-gen an die Klöster Kladrau bei Mies und Plaß bei Pilsen.Später dampfte Damian Schulz, Apotheker und Mitglied desChorherrenstiftes Tepl, das Wasser desgesalzenen Brunnens"ab und verkaufte das gewonnene Salz, welches als wirksameLaranz berühmt wurde und noch heutigen Tages unter demNamenTeplcr Salz" bekannt ist. Zu Schalters Zeiten kosteteein Pfund dieses Salzes zwei Gulden. Deßwegen ließ auchderselbe Schulz die Quelle deö gesalzenen Säuerlings gegen denZufluß der wilden Wässer durch Dämme sichern, sie mit Qua-dern fassen und durch ciu Dach schützen; daneben ließ er einhohes Kreuz aus Baumstämmen errichten. Von diesem Zeichenerhielt der gesalzene Säuerling seit dem Jahre 1749 den nochjetzt üblichen Namender Kreuzbrunn". Damals lag dieseHeilquelle, die jetzt von reizenden Gartenanlagcn umgeben ist,in der ödesten Wildniß.

Noch waren jedoch die Anschowitzer Quellen dem ärztlichenPublikum wenig bekannt; erst im sechsten Dezennium des vori-gen Jahrhunderts wurden sie in eigenen Schriften durch zweiMänner vom Fache besprochen, von den Aerzten Scrinci undZauschncr. Letzterer wählte sie zum Gegenstände seiner In-auguraldissertation, worin er freilich nach dem damaligenStande der Chemie sehr mangelhaft drei Quellen analysirteund benannte, den Kreuzbrunn, die Ambrosiusquclle(dem damaligen Abte Hicronvmus Xaver Ambros zu Ehrenso benannt) und die Marienquelle, die ihren Namen voneinem Marienbilde an einem Baumstamme erhielt, das derSage nach ein invalider Soldat, welcher der Quelle seine Ge-nesung verdankte, als Votivtafcl hier aufhängte. Beide dieseSchriften waren wcrthlos und blieben auch ohne Einfluß aufdie medizinische Welt; desto mehr Vertrauen erwarben sich dieQuellen in der Umgegend unter dem Landvolke. Der einzigeGewinn, den sie zu jener Zeit der Grundobrigkcit trugen, be-stand darin, daß die Stiftsapotheke mit Glaubersalz versehenwurde, dessen man mehre Ccntncr durch Abdampfung erhielt.

Bis hierher reicht gleichsam die Vorgeschichte Marienbads.Der Ort hatte noch gar keinen eigenen Namen; die Landleute