Druckschrift 
3 (1842)
Entstehung
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kriege, nachdem Friedrich II. Prag erobert (1744), drangen diePreußen längs der Moldau bis Krumau aufwärts und erober-ten auf diesem Zuge Ende September Tabor. Doch wenigeWochen später rückte Prinz Karl von Lothringen mit einemstarken Heere in Böhmen ein und nachdem Frauenberg undBudweis gefallen, wurde auch Tabor (wo WO Mann Preußendas Gewehr strecken mußten) von den Oesterreichern erobert.

Die königliche Kreisstadt Tabor ") liegt 12 Postmeilen,in fast südlicher Richtung, von Prag entfernt, am rechten Uferdes FlusscS Luschnitz in einer hochgelegenen hügeligen Gegend,die von dem tiefen, felsigen Thäte des genannten Flusses un-terbrochen wird, unter 40» 2-U 23" n. B. und 32° 18^ 10"v. L. Die Stadt nimmt den Rücken eines felsigen Bergesein, der gegen Süden steil in das Luschnitzthal abfällt, gegenNorden an den Teich Jordan ^) stößt, aus welchem st? mit-telst einer künstlichen Wasserleitung mit Wasser versehen wird.Vor Zeiten war diese Lage sehr fest, und selbst bei unserervervollkommneten Kriegskunst wäre sie stark, wenn ihr nicht dasWasser abgeschnitten werden könnte. Aus jener Zeit, wo Ta-bor eine wichtige Feste war, stammen noch ihre Doppelmauernher, die jedoch allmälig freundlichen Gartenanlagen Platz machen.

Tabor besteht aus der Stadt (327 Häuser, 3435 Einw.)und der Vorstadt (117 Häuser, 803 Einw.), die sich vordem Prager Thore ausdehnt; beide zusammen haben 444 Häu-ser mit 4298 Einw. Drei Thore (das Präger-, Bechiucr- undMarienthor) und zwei Gehpforten führen in die Stadt. Bisin die neuere Zeit war Tabor dem Aussehen nach keine sehrstattliche Stadt; erst seit einem Deccnnium gewinnt sie durchviele Neubauten, durch das Abtragen der alten Mauern undhübsche Anlagen ein freundlicheres Aussehen. Auf der nörd-lichen und westlichen Seite der Stadt ziehen sich anmuthigeSpaziergänge die Berglehne hinab zu einer breiten und schönenAllee. Jedes Plätzchen ist benützt, theils mit Ziersträuchernund Obstbäumcn besetzt, theils mit Ruheplätzen, Pavillons zc.verschen. Der südliche Abhang des Berges gegen die Luschnitzzu ist ganz mit Gärten und niedlichen Landhäusern bedeckt.

Die Stadt hat zwei öffentliche Plätze: Den grossenPlatz oder Uing, von welchem beiliegende Abbildung eineAnsicht gibt, und den Klosterplatz. Der Hauptgegcnstandder Abbildung ist das ansehnlichste unter den öffentlichen Ge-bäuden Tabors, die vrchantcikircssezur VerklärungChristi"^). Dies alterthümliche Gebäude, aus Quadern er-baut, ist wahrscheinlich so alt, als die Stadt selbst, wurdeIK93 vollständig renovirt und 1720 zur Dechanteikirche erho-ben. Das Patronat steht dem Kaiser und dem Magistrate zu,dergestalt, daß S. Maj. aus dreien vom Magistrate vorge-schlagenen Priestern einen wählt. Das ganze herrliche Ge-bäu ruhet auf vier festen Säulen und hat nebst dem Hochaltarevier Seitcnaltäre. An Merkwürdigkeiten enthält die Kirche dieReliquien der h. Märtyrer Geminianus, Felicissimus und Noma-

*) Böhmisch: Hory Tabor oder Hradisstie; lat. c->5tr»m mantis.

**) Dieser Teich hat eine Fläche von nahe an neunzig Joch, und eineTiefe bis zu Klaftern. Vordem ging von ihm die Sage, daßdie ganze Altstadt Prag, wenn sein Damm bräche, unter Wassergesetzt werden würde.

***) Zum Pfarrsprcngel derselben gehören nach Wanisch's Statistik derScelsorgerbczirke (4836) 6362 Seelen.

nus im Hochaltare, und einen uralten, leider beschädigten zinner-nen Taufbrunncn, der aus der Kirche der ehemaligen Stadt Austjherrühren und der Zerstörung durch die Husiten entgangen seinsoll.

Vor der Kirche erhebt sich (auf unserem Stahlstiche sicht-lich) eine alte Rolandssäule, die das Volk für eine Bildsäuledes Taboritenführers Cziczka hält, wie überhaupt die Sage dieWirksamkeit dieses populären Helden in der Gegend von Tabor,dem Schauplatze mancher seiner Thaten, an viele Gegenständeknüpft. Rechts außerhalb des Bildes stehen drei steinerneTische in der Nähe des Röhrbrunnens, wahrscheinlich zur Be-quemlichkeit der Wassertragenden errichtet, die der Volksglaubefür dreijener steinernen Tische ausgibt, an denen (wie oben er-zählt worden) die ersten Taboriten das Abendmahl feierten.

Außer der Dechanteikirche hat Tabor an Kirchen: DieBegräbnißkirche zu St. Jakob, auf dem Kirchhofe in der Vorstadt,und die ehemalige Augustinerkirche zu Mariä Geburt, mit ei-ner merkwürdigen Gruft unter der Kirche.

Sonst sind von öffentlichen Gebäuden noch zu erwähnen:das Nathhaus und das Schauspielhaus. Jenes zeichnet sichdurch seinen altcrthümlichen Baustyl aus und hat eine großeHall». Es werden hier mehre alte Taboritcnwaffeu, unterandern ein Panzerhemd, welches angeblich Cziczka getragen hat,aufbewahrt. Das Schauspielhaus wurde gegen Ende1840 eröffnet. Von Zeit zu Zeit gibt hier eine Dilettanten-gesellschaft Vorstellungen zu wohlthätigen Zwecken, wie dies inden meisten böhmischen Städten der Fall ist.

Tabor ist der Sitz eines k. k. Kreisamtcs; der Magistratübt über einen großen Theil des Kreises die Kriminalgerichts-barkcit in erster Instanz. Ferner hat die Stadt eine k. k.deutsche Hauptschule und von wohlthätigen Anstalten ein Armen-Krankenhaus (12 Betten) und ein Bürgerspital (12 Pfründler.)

Die herrschende Sprache in Tabor ist die böhmische. DieErwerbsquellen der Bewohner sind bürgerliche Gewerbe, Gar-ten- und Ackerbau. Die Hauptstraße von Wien nach Linz,welche Tabor berührt, bewirkt einen regen Verkehr. Von denalten, reichen Goldwäschen in der Luschnitz besteht außer eini-gen Halden keine Spur mehr; auch das Bergwerk ist verlas-sen, das am Fuße des südlichen Bcrghangcs, am östlichenEingange des Waldes Pintowka, eröffnet wurde, an gediegenemSilber und Nothgülden sehr ergiebig war, und in der zweitenHälfte des vorigen Jahrhunderts abermals in Angriff genom-men wurde. Aus einem alten Stollen dieses Bergwerkes ent-springt eine schon seit dem 13. Jahrhunderte bekannte eisenhal-tige Mineralquelle mit einer Temperatur von Z- 7° R. DaSBadhaus hat im obern Stockwerke einen Saal und vier großeZimmer, im Erdgeschoß 2 Zimmer, 4 Badekammern und dieKüche. Das Wasser kann auch gewärmt werden; jährlich wer-den an 3000 Bäder genommen.

Die beiliegende Gesammtansicht von Tabor zeigt deutlichhervortretend das alterthümliche Bauwerk, welches noch heuti-gen Tages Kotnow (auch Kozy Hrad d. i. Ziegenburg) heißtund von der erwähnten alten Burg herrühren soll, mit demBechiner Thore und dem bürgerlichen Brauhaus. Die Dcka-nalkirche ist über der Häusermasse ersichtlich. Das große Ge-bäude links gegen das Ende der Stadt ist das neu erbaute,noch nicht gänzlich vollendete Kriminalgebäude.