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3 (1842)
Entstehung
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reichlich ausfällt, ist nicht zu verwundern, denn Leitmeritz isteine sehr betriebsame und wohlhabende Stadt. BürgerlicheGewerbe vielerlei Art, Feldbau, Viehzucht, Fischfang, Obst- undWeinbau, bilden nebst Handel und etwas Schifffahrt die ver-schiedenen Nahrungszweigc der Einwohner und die Stadtge-meinde besitzt überdies das benachbarte, aus 15 zerstreutenDörfern zu beiden Seiten der Elbe bestehende, landtäflicheGut Keblitz. Auf dem sowohl zunächst an der Elbe alsauch weiter rückwärts und höher am Gebirge sehr fruchtbarenBoden gedeihen alle Gctraidearten und andere Feldfrüchte.Namentlich aber ist derselbe in Verbindung mit der nach Sü-den ganz offenen und in Norden durch die Gebirge geschütztenLage der Gründe trefflich zum Obst und Weinbau geeignet,welche beiden landwirthschaftlichen Kulturzweige daher auchrings um die Stadt, der Obstbau edler Sorten vorzüglich inGärten, mit großer Sorgfalt getrieben werden. Wenn auchder Weinbau jetzt nicht mehr so ausgebreitet ist wie vor 40oder 50 Jahre», seit welcher Zeit mehre auf einander gefolgteMißjahre und die gesteigerten Kornpreise eine Umgestaltungvieler Weiiipflanzungcn in Getraidefcldcr veranlaßt haben,so ist er doch immer noch sehr bedeutend. Am meisten wirddie weiße Sorte gezogen. Gar vieler Wein, der in Pragund Teplitz als Tschernosekin verkauft wird, ist LeitmeritzerGewächs.

Der Fischfang ist das Hauptgewerbe der davon denNamen führenden dicht am Ufer der Elbe gelegenen VorstadtFischerei; doch soll sich derselbe in neuerer Zeit minder er-giebig zeigen als vor beiläufig 60 oder 70 Jahren. Beson-ders soll seit 1777, wo zur Erleichterung der Schifffahrt eingroßer Durchschnitt der Elbwchr gemacht worden, der Lachs-fang sehr abgenommen haben. In älterer Zeit hat, der herr-schenden Sage zufolge, ein solcher Ueberfluß an Lachsen stattgefunden, daß Dienstboten beim Antritt ihres Dienstes es zurBedingung machten, wöchentlich nicht mehr als zwei Mal Lachszum Mittagsesscn zu erhalten.

Noch wichtiger als die landwirthschaftlichen Nahrungszweigeist für die Bürger der Stadt die Gewerbs-Industrie,welche mit Inbegriff der Handelsleute nahe an tausend Perso-nen beschäftigt. Fast alle städtischen Gewerbe sind hier rc-präsentirt; aber verhältnißmäßig gering ist die Zahl der eigent-lichen Fabriken an denen der Leitmeritzer Kreis übrigens soreich ist. Es giebt hier eine Streichgarn-Spinnerei mit Ma-schinen, eine Wagen-Fabrik, deren Erzeugnisse auch im Aus-lande in gutem Rufe stehen und selbst auf der LeipzigerMesse gesucht werden, eine Liqucur-Fabrik und zwei Strohut-Fabrikcn. Eine Buchhandlung sucht in Verbindung mit einerBuchdruckerei und lithographischen Anstalt geistige Bedürfnissezu befriedigen.

Als Handelsplatz ist Leitmeritz vorzüglich durch seine Ge-traide-Märkte wichtig, welche jeden Sonnabend hier Stattfinden. Aus mehr als 30 Herrschaften und Gütern des Krei-ses kommen wenigstens 500, nicht selten auch 600 bis 800Getraidewageu hieher, ungerechnet eine Menge anderer Fuhren,welche Obst, Steinkohlen, Holz, Mehl, Fische, Gemüse und an-dere Lcbensmittel herbeiführen und nebst den Erzeugnissen der

einheimischen Handwerker und Gewerbsleutc den Markt zueinen der lebhaftesten machen, den man sich in einer Provin-zialstadt denken kann. Nicht minder lebhaft sind die vier Jahr-märkte, die die Stadt zu halten berechtigt ist.

Was diesen Verkehr wesentlich fördert, sind die trefflichenChausseen und Poststraßen, die in Verbindung mit derElbschifffahrt und der über den Strom führenden ansehnlichenBrücke die Stadt von allen Seiten leicht zugänglich machen.Nordostwärts geht von Leitmeritz eine Chaussee und Poststraße überLiebeschitz und Auscha nach Böhmisch-Leipa, eine andereChaussee über Pvkratitz nach Aüßig ebenso führen zwei Poststraßensüdlich vom linken Ufer der Elbe, eine östlich über Theresien-stadt nach Prag, die andere westlich über Lobositz nach Teplitz.

Auf allen diesen Straßen ist nicht nur durch die Eil-wagen, sondern auch in neuester Zeit durch die zahlreichenGesellschafts- oder sogenannten Stellwagen, deren zweitäglich zwischen Leitmeritz und Prag hin und her fahren, hin-länglich für das Fortkommen der Reisenden gesorgt.

Die Elbbrücke, durch welche das linke Ufer des Stro-mes mit der Stadt in Verbindung tritt, hat eine Länge von1740 Wiener Fuß. Sie ist seit 1814 ganz neu und zwarnach dem Spstem des k. bair. Geheimeraths Wiebeking ge-baut, und besteht eigentlich aus drei Theilen, nämlich dem stei-nernen AuffahrtSdammc am linken Ufer, mit 6 gewölbtenOeffnungen, der hölzernen, über das eigentliche Strombett füh-renden Brücke von 5 Bogen, die auf 2 Sand- und 4 steinernenPfeilern ruhen, und der steinernen Anhangsbrücke, welche diehölzerne Brücke mit dem rechten Ufer oder der Stadt in Zu-sammenhang bringt, und 0 gewölbte Oeffnungen hat. DieBreite ist mit Inbegriff der Fußpfade 28, und die Höhe überdem mittleren Wasserstande 20 Fuß. Gegen Beschädigungenbeim Eisgange ist die Brücke durch 6 Eisböcke und 2 Eiörei-hen, sämmtlich von Eichenholz, geschützt.

Die Schifffahrt ist mehr in den Händen fremder Schiff-lcute, als der Leitmeritzer selbst. Für den Obst- und Getraide-handel, der auf der Elbe abwärts nach Sachsen Statt findet,ist das anderthalb Stunde von hier entfernte Lobositz der eigent-liche Stapelplatz. Aus den östlichen Theilen Böhmens erhältLeitmeritz, so wie die unterhalb der Stadt gelegenen Dör-fer, nebst der nahen Festung Theresienstadt, mittelst der Elbefast den ganzen Bedarf an Bau- und Brennholz. Seit demSommer 1841 hat Leitmeritz auch durch die von Melnik bisDresden ins Leben getretene Dampfschifffahrt bedeutendgewonnen, indem nicht nur den Einheimischen Gelegenheit dar-geboten ist, auf der Bohemia.binnen wenigen Stunden nachdemteutsche Florenz" zu gelangen, sondern auch viele Fremde,namentlich Tcplitzer Kurgäste, zu einem Ausfluge nach Leitme-ritz verlockt werden.

Ein großer Brand, der im Jahre 1297 die Stadt verheerte,hat auch die meisten Urkunden vernichtet, die über ihre früherenSchicksale Auskunft geben konnten. Daß Leitmeritz, wenn auchnicht als Stadt, doch gewiß als ansehnliche Burg schon im zehn-ten Jahrhunderte vorhanden war, beweist die Erwähnung einerProvinz Leitmeritz" (?rvvineia Uiutomericensis) in der Stif-