Druckschrift 
3 (1842)
Entstehung
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verdient das den heil. Johann den Täufer darstellende Altar-blatt, von Skreta nicht übersehen zu werden. Von den unter Kai-ser Joseph II. aufgehobenen Kirchen zu St. Laurenz, St.Georg, St. Michael u. St. Wenzelist Letztere die süngste allerLeitmcritzer Kirchen, indem sie erst im Jahre 1714, während derdamals in Böhmen herrschenden Pest, gebaut worden ist. DieSt. Michaels-Kirche ist in den letzten Jahren abgetragen, undein Theil zur Erweiterung des Kreisamts-Gebäudes verwen-det, der übrige Raum aber zu einer schönen Gartenanlage !umgeschaffen worden.

Lcitmcritz ist der Sitz eines wie schon oben bemerkt,vom Kaiser Ferdinand III. im Jahre 1655 gegründeten Bis-thums, dessen Diöces sich über den Leitmcritzer, Bunzlauerund Saazer-Kreis erstreckt, so wie eines Domstiftes undeines bischöflichen Consistoriums. Der bischöfliche Pa-last (die sogenannte Residenz) ist nicht nur in Hinsicht desschönen und großartigen Baustpls, sondern auch in Betreffseiner Lage eine Hauptzicrde der Stadt. Vom Bischof Jaros-laus Franz, Grafen von Sternberg in den Jahren 1694bis 1761 östlich von der Domkirche auf der Anhöhe am Uferder Elbe errichtet, bildet die Vorderseite des drei Stock hohenGebäudes einen der schönsten Züge in dem herrlichen Gemälde,welches Lcitmcritz den von Süden, Osten und Westen, ausdem flachen Egerthale, von Lobositz und von Theresienstadt herkommenden Wanderer schon in weiter Ferne darbietet, währendman aus den Fenstern des Palastes selbst eine weite undprachtvolle Aussicht auf den ganzen Lauf der Elbe, von Raud-nitz bis Lobositz, und die weit über das linke Ufer des Stro-mes hinaus sich erstreckenden Fluren zwischen dem Mittelge-birge und der Eger genießt.

Das kais. kön. Kreisamt hat seinen Sitz im westli-Theile der Stadt, unweit des Marktplatzes, in dem ehemaligenConventsgebäude der Dominikaner, welche im Jahre 1788 dasaufgehobene Minoriten-Kloster bezogen, worauf das Gebäudeseiner gegenwärtigen Bestimmung gemäß eingerichtet wurde.

Der Magistrat der Stadt ist zugleich ein kais. königl.Criminalgcricht und hielt sonst seine Sitzungen in demansehnlichen Rath Hanse an der östlichen Seite des Markt-platzes, welches an der Stelle des im Jahre 1297 abgebrann-ten älteren Gebäudes im Jahre 1337 aufgeführt worden ist.Es besitzt ein reichhaltiges Archiv, namentlich viele merkwür-dige Urkunden und andere alte Handschriften, worunter auchein schenswerthcs großes Chorgcsangbnch aus dem sehszchntenJahrhunderte, welches nicht weniger als 116 Pfund schwer,mit dem Einbande eine böhmische Elle und 5 Zoll lang, 19Zoll breit und 7 Zoll dick ist. Die Pergament-Blätter, 465an der Zahl, sind mit Gcsangnotcn und untergelegtem lateini-schen Tert, theils in Gold theils in verschiedenen Farben, imGeschmack der damaligen Zeit, äußerst kunstreich beschriebenund an den Rändern zu beiden Seiten mit verschiedenen Ara-besken und andern Malereien verziert, welche auf die Begeben-heiten jener Periode, wo Lcitmcritz der hussitischen Lehre zu-gethan war, Beziehung haben. Ans der Hussitenzeit stammtwahrscheinlich auch das sogenannte Provianthaus, an dersüdlichen Seite des Marktplatzes, welches sich durch seinen in

Form eines Kelchs gebauten Thurm auszeichnet. In diesesGebäude sind seit einigen Jahren die Bureaur des Magistratsverlegt worden, weil das Rathhaus wegen Baufälligkeit großerReperaturen bedarf. Ocstlich von diesem Gebäude steht dasstädtische Gemeindhaus, welches ein kleines Theaterenthält.

Die Stadt hat zahlreiche Bildungs- und Wohlthä-tigkeits-Anstalten. Für höhere Bildung der Geistlichkeit be-steht eine bischöfliche theologische Lehranstalt, anwelcher von sieben Professoren Kirchengeschichte und Kirchen-recht, Dogmatik, Pastoral, Theologie, allgemeine Pädagogik,Katechetik :c. zc. vorgetragen werden, und auch ein eigenerProfessor der Landwirthschaft angestellt ist; eine Vorbercitungs-anstalt dazu ist das bischöfliche Seminar. Das kais.kön. Gymnasium, dessen sieben Professoren, mit Ausnahmedes Neligionölehrers, weltlichen Standes sind, besteht aus 4Gramatikal- und 2 Humanitäts-Klassen. Außerdem ist einekais. kön. Hauptschule von vier Klassen vorhanden, mit welchereine eigene Mädchen- und weibliche Industrie-Schulein Verbindung steht. Der k. k. Staats- und Conferenz - RathHr. Jüstel hat dieser Hauptschule ein für 8666 fl. angekauftesGebäude geschenkt.

Die christliche Liebe der Vorzeit hat sich in zwei wohlthä-tigen Stiftungen ausgesprochen, die durch den nicht minderfrommen Sinn der Gegenwart erweitert und mit einer neuenAnstalt vermehrt worden sind. Das von der Stadtgemeindeim Jahre 1756 gegründete Spital zum heiligen Kreuzversorgt zehn bis vierzehn arme und gebrechliche Einwohnervon den Zinsen des ursprünglichen Stiftungs-Kapitals und mitLebensmitteln, die von den Besitzungen der Stadt geliefertwerden. Ein zweites Spital, zur heil. Anna genannt,welches eine hiesige Bürgerswittwe im Jahre 1763 gestiftethat, ist im Jahr 1836 zu einem Krankenhause eingerichtetworden, worin, durch jährlich gesammelte milde Beiträge un-terstützt, 12 Kranke verpflegt werden können. Beide Anstaltenhaben, außer dem Werthe der Gebäude, ein Kapital-Vermögenvon 16666 Gulden. Hiczu kömmt das seit dem Jahre 1796zur Unterstützung der Hausarmen organisirte Almosen In-stitut, eine Anstalt, deren allgemeine Verbreitung durch dasganze Königreich, wie so vieles andere Gute und Schöne, demseit 1826 die politische Verwaltung Böhmens leitenden Obcrst-burggrafen und Gubernial-Präsidenten Karl Grafen vonCho-tek zu verdanken ist. Nach den von ihm getroffenen Anord-nungen werden die aus dem Stammvermögen der Anstalt,welches hier beinahe 46666 fl. beträgt , fließenden Einkünftedurch verschiedene andere beträchtliche Zuflüsse, namentlichStrafgelder, gewiße Abgaben von öffentlichen Feilbietungen,Taren, Sammlungen von vierteljährigen Beiträgen, dann durchden Ertrag der Entschuldignngs-Karten zur Zeit des Neujahrs-festes so bedeutend vermehrt, daß an 166 mehr oder wenigerarbeitsunfähige Hausarme jährlich mit verhältnißmäßigen Al-mosen betheilt, und die übrig bleibenden Beiträge zur Vergrö-ßerung des Kapital-Vermögens selbst verwendet werden können.

Daß die Zahl der Armen im Verhältniß zur Bevölkerunggering ist, und der Betrag der jährlichen Sammlungen sehr