Druckschrift 
3 (1842)
Entstehung
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tungsurkunde des Benediktiner-Klosters zu St. Margareth beiPrag, vom Jahre 993. Was von der Gründung und denBesitzern der angeblichen Burgen, für deren Ueberblcibsel manzwei alte Ruinen bei der Stadt hält, erzählt wird, hat keineauf Urkunden beruhende historische Gewißheit. Die älteste nochin der Urschrift vorhandene Urkunde zur Geschichte der Stadtist der Stiftungsbrief der vom Herzog Spitignen im Jahre4057 gegründeten Collcgial-Kirche und der Probstei.

Der Ort wird darin Lutomerice genannt. Im eilftenund zwölften Jahrhunderte hauste hier mit kurzer Unterbre-chung die in der altböhmischen Geschichte durch ihren Haß ge-gen die Prager Herzoge bekannte Familie der Wrscho wetze,welche zuerst, um sich gegen den Herzog Udalrich zu verthei-digen, den Ort mit Mauern und Graben einschlössen. Nachihrer gänzlichen Vertilgung durch Herzog Swatopluk, imJahre 1108, fiel Leitmeritz, wie alle ihre übrigen Besitzungen,an die böhmische Krone, und hatte sich von dieser Zeit an bis aufdie Gegenwart mannichfaltigcr Gnadenbezeigungen und wichtigenVorrechte von Seiten der Beherrscher des Landes, namentlichvon den Königen Wenzel I>, Premysl Otokar II., Wen-zel II,, Johann, Karl IV., Wenzel IV., Wladislaw I.,Wladislawll., Ferdinand I., Ferdinand III., KarlVI.und Maria Theresia zu erfreuen. Im Jahre 1233 stifteteder Präger Bischof Johann II. das Minoriten-Kloster zuSt. Jacob, und 1250-gründete K. Wenzel I. das Domi-nikaner-Kloster nebst der Kirche zum heil. Michael.Kaiser Karl IV. stiftete 1349 die Stelle eines Domdechantenund bedachte sie mit reichen Einkünften. Unter Ferdinand I.erhielt die Stadt 1546 das Gymnasium und im Jahre 1630wurde von König Ferdinand II. das Jesuiten-Colle-gium gegründet und reich dotirt. Die Errichtung des Bis-thums erfolgte, wie schon oben bemerkt, im Jahre 1655 durchK. Ferdinand III. und im folgenden Jahre entstand durchmehre frommen Stiftungen und Vermächtnisse das Kloster derKapuziner nebst der Kirche zu St. Ludmilla. UnterKarl VI. und seiner großen Tochter und Nachfolgerin aufdem Throne erhielt die Stadt eine Vermehrung der Jahr-märkte, sowie eine Erhöhung des Elb- und Brückenzolles, denihr bereits die Könige Wenzel IV. 1409 und Ladislaw 1454,verliehen hatten.

Als im fünfzehnten Jahrhunderte Hussens neue Lehresich im Königreiche zu verbreiten begann, fand sie Anfangsin Leitmeritz nur wenige Anhänger und diese Wenigen wurdenals Ketzer 1418 in die Elbe geworfen. Um dafür Rache zunehmen, rückte im Jahre 1421, Ziöka mit seinen fanatischenTaboriten vor die Stadt, wurde aber durch die tapfere Gegen-wehr der Bürger zurückgewiesen. Diese fanden jedoch bald,daß sie für sich allein auf die Dauer nicht hinlänglichen Wi-

derstand würden leisten können, und baten die gemäßigter!,Prager um Hülfe, indem sie versprachen, sich falls sie den ge-wünschten Beistand leisteten an sie anschließen zu wollen. Daden Pragern die Vortheile eines solchen Zuwachses ihrer Machtschnell einleuchteten, so säumten sie nicht, dieser Bitte zu will-fahren, und ernannten sogleich Hynko von Wald st ein zumHauptmann von Leitmeritz, welcher mit Hülfe der ihm bei-gebcnen Truppen die Stadt 1433 gegen einen neuen Anfallder Taboriten tapfer vertheidigte.

Obwohl während dieser unruhigen Zeit die Domherren desCollegialstiftes vertrieben und dessen Güter in fremde Hände ge-kommen waren, so war doch im Laufe des fünfzehnten undsechszehnten Jahrhunderts, wo der Protestantismus durch dengrößten Theil Böhmens und auch wie das oben beschriebeneeaneionalo beweift, in Leitmeritz sich verbreitet hatte, das Dom-stift selbst nicht erloschen, und der Probst Franz von Diet-richs! ein erhielt im Jahre 1594 vom Papste Clemens VIII.die Erneuerung des schon in früherer Zeit besessenen, aber seitdem Hussitenkriege in Vergessenheit gerathenen Vorrechtes, sichbei Kirchenfeierlichkeiten der Jnfel und des Hirtenstabes zu be-dienen.

Beim Ausbruche des dreißigjährigen Krieges stand Leit-meritz auf der Seite der wider den Monarchen sich auflehnen-den böhmischen Stände und theilte nach der am 8. Nov. 1620Verlornen Schlacht am Weißen Berge bei Prag das Schicksalder übrigen Besiegten. Die Stadt verlor alle Privilegien undauswärtigen Besitzungen. Dazu kamen in den folgenden Jah-ren die Drangsale des Krieges. Was im Jahre 1631 dieSachsen übrig gelassen hatten, das holten im Jahre 1639die Schweden. Minder bedeutend waren die Verluste imersten schlesischen Kriege 1741, obwohl am 25. Sept. ein gro-ßer Theil der Vorstädte von dem französischen General Brvglioeingeäschert wurde. Im zweiten schlesischen Kriege 1744, am4. Decbr. und später im siebenjährigen Kriege, 1757, am 21.Juli und am 26. Nov. brannten die Preußen die Brücke ab.Im bairischen Erbfolgekriege, 1778, wiederfuhr der Brückeabermals durch die Preußen, als sie am 19. Sept. aus Böh-men abzogen, dasselbe Schicksal. Im letzten Befreiungskriege1813, hörte Leitmeritz zwar den Kanonendonner der für Böh-men ewig denkwürdigen Schlacht von Kulm, blieb aber vonfeindlichen Durchmärschen und Einquartirungen gänzlich verschont.

In den Jahren 1680 und 1713 wurde die Stadt von derPest heimgesucht, die damals auch anderwärts in Böhmengroße Verheerungen anrichtete. Aber die Cholera, welche1831 und 1832, sowie 1836, auf ihrer Reise um die Weltauch Böhmen nicht vergaß, ging gleichwohl beide Male scho-nend an Leitmeritz vorüber.