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Acht Postmeilen in östlicher Richtung von Prag entfernt,liegt auf der wiener Poststraße am linken Ufer der Elbe diekönigliche landesunterkammerämtliche Stadt Kolin") (eigent-lich Neu-Kolin, zum Unterschiede von dem zwei Stunden öst-lich von der Stadt gelegenem Dorfe Alt-Kolin^ unter 32°52' öftl. Länge und 50° 2' nördl. Breite. Die Stadt ist um-mauert und zählt über 400 Häuser und fast 0000 Einwohner.Die Einwohner sprechen die böhmische Sprache und nähren sichvon den gewöhnlichen städtischen Gewerben und vom Landbau;der Lage in einer Hauptstraße dankt Kolin einen lebhaften Verkehr.
Das merkwürdigste Gebäude Kolins ist die auf dem bei-liegenden Stahlsticke abgebildete, dem heil. Bartholomäus ge-weihte Stadtpfarr- und Dechanteikirche, bei der das Präsenta-tionsrecht dem Koliner Magistrate zusteht. Dies prachtvolleGebäude, thcilweise dem Prager Dome ähnlich, wurde schonim vierzehnten Jahrhunderte erbaut. Unter König Johannwurde 1313 der Grundstein gelegt und 1360 unter Karl IV.das Prcsbpterium von dem berühmten wälschen BaumeisterPeter vollendet. Eine Zierde dieses Baues sind die beidensechsseitigen Thürme, welche einst nach Art der beiden Tepn-thürme zu Prag gedeckt waren. Die Kirche enthält mehrereschöne Gemälde, darunter ein Hochaltarblatt von Peter Brandt(der heil. Bartholomäus). Abgesondert von der Kirche erhebtsich der viereckige Glockcnthurm. SehcnSwerth ist das Bein-Hans mit seinen mannichfaltigen, aus Knochen und Kalvarienzusammengesetzten Figuren. Bei der Kirche werden einige alteChorbüchcr mit merkwürdigen Goldverzierungcn und schönerMiniaturmalerei aufbewahrt.
Außer der genannten besitzt Kolin an Kirchen: die Drci-einigkeitskirche bei dem Kapuzinerkloster in der kutlcnbcrgerVorstadt (3 Priester, 3 Laienbrüder), die Allerhciligenkirchc,und die Maricnkapelle bei dem (1050 gestifteten) Bürgerspitalefür 0 Pfründler.
Unter den übrigen Gebäuden sind besonders hervorzuhebendas alte gothische Rathhaus und das uralte Kameralschloß.Letzteres, sonst nur das koliner Schloß genannt, liegt in derPrciger Vorstadt nächst der Stadtmauer auf einem kleinen Fel-sen, und wurde 1814 — 1817 ganz neu überbaut, wobei zu-gleich ein botanischer und Ziergarten angelegt,wurde. In die-ser Localität befindet sich das Oberamt der Herrschaft Kolin,die einen Umfang von Ichs. Quadratmeilen und achthalbtausendBewohner hat.
Auf dem Ursprünge von Kolin liegt ein bis jetzt nochnicht aufgehelltes Dunkel. Nach der gewöhnlichen Annahmewurde eö bereits 1087 unter Wratislaw II, gegründet undzwar von deutschen Kolonisten. Wirklich erhielt sich, wie ausgleichzeitigen Dokumenten ersichtlich ist, die deutsche Sprachebis zum Anfange dcS fünfzehnten Jahrhunderts und erst nachdiesem Zeitraume wurde die böhmische herrschend.
Zur Zeit des Falles Przeznpsl Otakars auf dem March-felde (1278) war Kolin schon eine ansehnliche Stadt; hiererwartete das Heer der böhmischen Herren mit der branden-burgischen Hilfsmannschaft kampfgerüstct Rudolph von Habs-burg, der aus Mähren hercindrang, und hier (wenn nicht zuCzaslau) wurde von den Schiedsrichtern beider Parteien derFriede geschlossen, in Folge dessen Otto von Brandenburg zumVormund des böhmischen Thronerben bestellt, Mähren auf fünfJahre an Rudolph abgetreten und die Verbindung der HäuserHabsburg und Böhmen durch eine Vermälung bestimmt wurde.
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Nach dem Aussterben des Mannsstammes der Przcmpslidenhielt es Kolin mit der Partei Heinrich des Kärnthners undhatte deßhalb zwei Belagerungen auszustehen, 1307 von KaiserAlbrecht und 1310 von Johann von Luxemburg; beide warenvergeblich, so stark war die Stadt bereits. Dennoch wurdesie von König Johann und noch mehr von seinem SohneKarl IV., der unabläflig bemüht war, die böhmischen Städtezu heben, mit Privilegien reichlich ausgestattet. Ihr Gedeihenunter den drei ersten Luxemburgern traf nur ein einziger Schlag:im Jahre 1337 brannte fast die ganze Stadt ab.
Zur Zeit der traurigen husitsschen Wirren hielt es Kolinmit König Sigmund; daher rückten 1421 die Prager mit starkerHeeresmacht heran. Die Koliner öffneten der Uebermacht dieThore und erkauften durch die Annahme der Prager ArtikelSchonung für sich, — aber nicht für die Geistlichkeit.- Sobalddie Präger die Stadt besetzt hatten, zerstörten sie das Domi-nikanerkloster und verbrannten lebendig den StadtdechantcnHpnek von Ronow, einen Mann von großer Gelehrsamkeit,und sechs Dominikaner vor dem Kaurzimer Thore. An derStelle, wo diese Gräuelthat vorfiel, werden noch zwei Qua-dersteine gezeigt, auf denen zwei MannSköpfe abgebildet sind.
Sechs Jahre darauf siel Kolin wieder von den Pragernab. Diese riefen die Taboriten unter Prokop und die Waisenzu Hilfe und die vereinigten Streitkräfte umlagerten Kolin.Die Stadt vertheidigte sich mit so glänzender Tapferkeit, daßProkop, der selbst verwundet worden, schon an der Eroberungzu verzweifeln ansing. Dreizehn Wochen lang wurde die Stadtunausgesetzt beschossen und auf das heftigste bestürmt. Endlichwaren schon alle Lebcnsmittcl fast aufgezehrt, und nun erstunterhandelte die Besatzung, im Einverständnisse mit den Bür-gern, mit den Belagerern. Sie erhielt freien Abzug. Abernun entstand unter den Siegern Streit über den Besitz derStadt, bis endlich den Waisen derselbe zugestanden wurde.
Im Jahre 1134 machte die Hauptnicderlage der Taboritenbei Hrzib dein Bürgerkriege ein Ende. Die beiden Feldherrnder Geschlagenen flüchteten nach Koli», welches bald daraufvon den ständischen Truppen umzingelt und zur Ucbergabe ge-nöthigt wurde.
Nach König Georgs von Podiebrad Tode suchte MathiasCorvinuö, der König von Ungarn, sein vorgebliches Recht aufdie böhmische Krone durchzuscchten. Bei der Theilung deSPodiebradischen ErbeS unter Georgs Söhne fiel auf Viktorin,den König Mathias gefangen hielt, unter anderen Städtenauch Koltii. Gegen Abtretung dieser Städte gab Mathiasseinem Gefangenen die Freiheit und so erhielt Kolin (1472)ungarische Besatzung bis zu dem Frieden von 1470.
Koli» genoß nun der Rnhe bis zum dreißigjährigen Kriege,wo es zweimal in die Hände der Feinde, erst der Sachsen,dann der Schweden, fiel und hart mitgenommen wurde. Jenewurden 1631 von Albrecht von Waldstein, Herzog von Fried-land, letztere vom kaiserlichen Feldherrn Götz mit großemVerluste verjagt.
Nach dieser Zeit wird Kolin nur noch einmal in Böh-mens Geschichte genannt bei Gelegenheit, der zwischen dieserStadt und Kaurzim im zweiten Feldzuge des siebenjährigenKrieges stattgesundenen Schlacht, in welcher Friedrich der Gro-ße im Kampfe gegen die von dem Feldmarschall Daun geführ-ten Oestcrreichcr unterlag.
Ein einfacher Denkstein bezeichnet die Anhöhe, von wel-cher aus Friedrich II. die Schlacht lenkte, bis er sich selbst indas Gewühl derselben stürzte.