beute mehr als 13,500 Mark Brandsilber. Dennoch wirktendie oben angegebenen ungünstigen Ursachen fort. Unter Wla-dislaw (1496) erhoben sich die Bergleute, denen die Aufseherden verdienten Lohn vorenthielten, zogen aus der Stadt undschlugen auf dem Turkank-Berge unter Fahnen ihr Lager auf.Auf einen parteiischen Bericht ließ der König 14 der ältestenBergleute, und später auf genauere Untersuchung, welche dieUnschuld derselben darthat, die ungetreuen Vorgesetzten ent-haupten. Im I. 1502 schloß sich Kuttenberg dem Bunde derböhmischen Städte zur Vertheidigung gegen den Adel an, des-sen nächster Zweck gleiche Bierbrauberechtigung war. Alle dieseUmstände trugen dazu bei, den Flor Kuttenbergs zu untergraben.
Der Habsburger Herrscherstamm, der mit Ferdinand I.dauernd den böhmischen Thron bestieg, suchte zwar den böhmi-schen Bergwerken, namentlich Kuttenberg, mit größter Sorg-falt aufzuhelfen: aber der Verfall war uuaufhaltsam. Als dieutraquistischcn Stände mit dem schmalkaldischcn Bunde gegenihren König gemeinsame Sache machten, war auch Kuttenbergunter den Schuldigen. Bei dem Strafgerichte zu Prag 1547mußten 100 Bürger von Kuttenberg erscheinen; Kuttcnbergverlor seine Privilegien und mußte all sein Kriegsgeräth aus-liefern. Die Privilegien erhielt es nur theilweise und mit Be-schränkungen zurück. 1541 wurde der letzte Landtag nach Kut-tenberg ausgeschrieben, aber in Prag gehalten. Das Jahr1582 ist insbesondere durch Unfälle bezeichnet; der Esel, diebisher ergiebigste Grube, wurde von den Wässern ersäuft, dieLerchcugrube durch Brand zerstört, und die Bergleute wander-ten schaarenweise nach den Niederlanden aus, wohin sie derStatthalter dieses Landes zur Befestigung der neu erobertenFestungen mit ansehnlichen Belohnungen lockte. Tumulte undgewaltsame Auftritte waren an der Tagesordnung: so konnte1615 ein Auflauf der Hvlzkuechte nur durch Auszahlung von4000 fl. beschwichtigt werden. Als letztes Auohilssmittcl for-derte König Mathias 1614 die Stände auf, das Bergwerk zuübernehmen. Sie brachten zu diesem Zwecke 41,500 fl. aufund befreiten Kuttenbcrg von allen Auflagen: — Alles ver-geblich. Was noch an Resten von Wohlstand aus einer glück-licheren Zeit übrig war, verzehrte der dreißigjährige Krieg.Kuttenberg hatte an dem protestantischen Aufstande Theil genom-men; an dem Prager Nichttage (21. Juni, 1021) wurde auchder Primator von K., Johann Schult is, enthauptet. Wäh-rend der folgenden Reaction wanderten viele protestantischeBergleute aus; gleich darauf erhielt die Stadt eine starke Ein-quartierung von Militär, welche 80,000 Schock meißnisch anContribution erpreßte. Als 1631 die Sachsen, als GustavAdolfs Bundesgenossen, die Stadt einnahmen, hatten nur 5vom böhmischen Herren- und 37 vom Ritterstande Häuser da-selbst. In den Jahren 1039 und 44 wurde Kuttcnberg vonden Schweden geplündert und abgebrannt, 1016 zum drittenMale geplündert und gebrandschatzt.
Nach dem dreißigjährigen Kriege glich Böhmen einer un-geheuren, ansgebranntcn Ruine. Mit Kuttcnberg war es vor-über; der Bergbau konnte sich fortan aus seinem elend hin-siechenden Zustande nicht mehr erheben, obgleich die väterlichenhabsburgischcn Regenten durch günstige Verordnungen und Pri-vilegicnbestätigungen (die letzte allgemeine ist vom I. 1778)alle möglichen Versuche dazu machten. Zu Anfang des vorigen
Jahrhunderts wanderten abermals über 100 Bergleute aus,bald folgten schwere Verluste in den schlesischen Kriegen, dasBrandunglück von 1770 (53 Häuser, darunter das Rathhaus,gegen 87,000 fl. Schaden) und das noch schrecklichere vom9. Mai 1823. Ein Sturmwind verbreitete die Feueröbrunstso schnell, daß in kurzer Zeit eine Kirche, eine Twchfärberei,fünf Maierhöfe, über 130 Wohnhäuser uud wenigstens ebenso viele Nebengebäude abgebrannt waren. Vier Menschen ver-brannten und 170 wurden lebensgefährlich verletzt. Bei die-sem großen Unfälle fehlte es nicht an herzerhebenden Beispielenvon Muth und selbftverläugncnder Aufopferung. Namentlicherwarb sich Graf Sebastian Trautmannsdvrf die größten Ver-dienste um Stadt und Bewohner. Der Schaden wurde aufeine halbe Million Gulden Wiener Währung bloß an Immo-bilien geschätzt.
Graf Sternbcrg theilt die Geschichte des KuttenbergerBergertrages vom Jahre 1236, wo sich zuerst mit einigerWahrichemlichkeit eine Schätzung der Ausbeute machen läßt,bis zum Jahre 1625, von wo an der Bergbau mit Vortheilaufhört, in fünf Perioden,«') und mittelst einer Berechnung,gegen die sich nicht das mindeste einwenden läßt, setzt er denDurchschnitlertrag eines Jahres auf 26,000 Mark. Da nundas Kuttenberger Bergwerk mindestens 380 Jahre in peren-nirendem Baue gestanden, so lieferte es (80 Jahre für dieZeiten der Störung durch die inneren Unruhen nur mit 8000Mark in Anschlag gebracht) 8,440,000 Mark, oder nach demgegenwärtigen Stlberpreise berechnet 168 Millionen, 800,000 fl.E. M. in den Cours! Die Ausbeute von 1625 bis 1800 be-rechnet Megerle von Mühlfeld auf 21 Mill. 777,195 fl.
Gegenwärtig wird, da die Wässer in den alten Schachtennicht gewältigk werden können, nur der Hoffnungsbau getriebenund zwar in folgender Ausdehnung:
Von Seiten des k. k. Montanärars.
In der Gutglückcr Hauptförderschaft, welche 60-- tief undnur 40» bis auf den Stollen fahrbar ist.
In dem Junggesellenschacht, welcher 14° tief, und imSchurfschacht, welcher 25° tief ist.
Von Seiten des k. k. Montanärars und der14 Noth Helfer-Gewerkschaft.
Die Vierzchn-Nothhclferschaft, welche 9° tief ist.
Zum Betriebe des gegenwärtigen Bergbaues werden einSteiger, ein Bergschmicd, zwei Zimmerhauer, zwölf Hauer,und drei Hundstoßer verwendet und es betragen die Besoldungen2500 fl., die Pensionen 700 fl. und die Bergkosten ca. 5000 fl.E. M. Zugleich muß bemerkt werden, das im Jahre 1819die letzte ärarische Schmelzung stattgefunden hat; seit dieserZeit wurden jährlich nur die von Privaten nach Kuttcnberggesandten Erze in der ärarischen Schmclzhütte geschmolzen.
Das Kuttenberger Bergwerk hat einen Schacht, dem anTiefe von allen bekannten nur einer voransteht. Der Hei-ligengeistschacht bei St. Johann im Unterinnthal in Tprol hat(nach Delius) eine Tiefe von 444 Klafter, der Herrenschacht(mit seinen Haspeln) bei Kuttcnberg 387 Klafter und der Esel-schacht bei Kuttenberg 333 Klafter oder 2000 Fuß. DerGrund des letzteren liegt 1340 Fuß unter der Meeresfläche.
*) Geschichte der böhmischen Bergwerke vom Grafen K. Sternberg.