Druckschrift 
3 (1842)
Entstehung
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Bergleute ergriffen diese und stürzten sie in einen Schacht.Dies war die Losung zu einer fürchterlichen Reihe von Ge-waltthaten. Im folgenden Jahre (1426, 9. Januar) über-fielen die Bergleute, meistens Deutsche, die utraquistischenBürger und stürzten sie sammt dem Pfarrer von Kaurzim undseinen drei Kapläncn in die tiefsten Schachten. Trotz der An-sprüche Kaiser Sigmunds, Wenzels Bruder, auf den böhmi-schen Thron, wurde auf dem Landtage zu Kuttenbcrg (1421)Witold von Lithauen zum Könige gewählt. Im ganzen Landeentbrannte der wüthendste Fanatismus; die Blätter dieser Ge-schichtsperiode scheinen mit Blut geschrieben. Die kuttcnbergerBergknappen kauften gefangene Utraquisten, einen Laien um1 Schock böhmischer Groschen, einen Priester um 5 Schock,und stürzten sie in einen Schacht, den sie zum Spotte Tabornannten. Auf diese Weise sollen 5666 Menschen gemordetworden sein. Außerdem verbanden sie sich mit Peter Kono-pisstskp von Sternberg, der gegen die Husiten Streifzügemachte. Peter überfiel Ustj und nahm die Bewohner gefangen;sie wurden sämmtlich in die Schachte gestürzt. Niclas vonLukow, von Sigmund zum Münzmeister von Kuttenbcrg er-nannt, rechtfertigte seinen BeinamenDiwokp" (der Wilde)durch fanatischen Grimm. In Sigmunds Unternehmungenauf Prag war Kuttenbcrg der Sammel- und Stützpunkt sei-nes Heeres; viele kuttcnberger Knappen fielen in dem Treffenbei Wpsschrad, Im Frühjahre 1421 überfielen die Bergleuteeine Abtheilung Taboriten bei Przelaucz; 120 von diesen, dienicht unter der Schärfe des Schwertes fielen, wurden mit nachKuttenberg geschleppt; wer nicht fort konnte, niedergestoßen.Ein ähnliches Loo's betraf die armen Bewohner von Choticborz.Tausende wurden niedergemetzelt, der husitische Anführer Hro-madka und zwei Priester in Chrudim lebendig verbrannt.

So viele Gräuelthaten gedachten die Utraquisten den Kut-tenbcrgern reichlich zu vergelten. 1421 zog Cziczka mit denPragern vor Kuttenberg, das er scherzweise nurden Geld-beutel des Antrichrists" nannte. Die Bürger fühlten, daß er-folgreicher Widerstand unmöglich sei; in feierlichem Zuge unterVortragung des Allerheiligsten in der Monstranz flehten sie umGnade, die ihnen auch theilweise zugestanden ward; die Berg-leute erhielten freien Abzug, die Stadt wurde geplündert. Indiese Zeit versetzt die Sage die Prägung der falschen husitischenMünze (mit der Umschrift:Groschen des böhmischen für Gottstreitenden Volkes"), die nirgend zum Vorschein gekommen ist.

Cziezka hielt jedoch die Stadt nicht besetzt, sondern schlugsein Lager mit der Wagenburg auf dem Berge Kank auf.Hier umringte ihn 1422 Sigmund mit einem starken Heere;der kriegsgeübte Böhmenführer brachte sein Heer und seineganze Wagenburg durch eine Kriegslist in der Nacht mittendurch das feindliche Heer. Kaiser Sigmund verbrannte Kut-tenberg, um es dem Gegner nicht zu überlassen, da er selbstzu schwach war, es zu besetzen.

Durch den Abzug der Bergleute hatten die' Utraquistenin Kuttenberg das Uebergewicht erhalten; sie bildeten aber mitden pragcr Bürgern eine Mittclpartei, im Gegensatze zu derertrcmen taboritischcn unter Cziczka. Bald kam es zum Bruche;die Pragcr und Kuttcnberger brachten Eziczka bei Kosteletz ander Elbe eine Schlappe bei, der dagegen bald darauf beiMal-leschau die Städter gänzlich besiegte und auf Kuttenberg los-rückte. Die Einwohner wurden alle niedergemacht und wasbei der sigmundischen Verheerung noch stehen geblieben war,vollends niedergebrannt.

Die Brandstätte wurde jedoch nie völlig verlassen undbald hatte sich Kuttenberg aus seiner Asche wieder erhoben.

Es liegt außer dem Zwecke dieser Blätter, alle BewegungenBöhmens in jener merkwürdigen Epoche zu verfolgen. DasLand entwickelte eine Energie, die bis dahin in der Geschichteohne Gleichen war und seither nur von Frankreich in der neue-

ren Zeit übertroffen wurde. Während es in seinen eigenenEingeweiden wühlte, hatte es Kraft genug, die Angriffe allerNachbarn zurückzuweisen, ja sie durch siegreiche Ausfälle, gleichvulkanischen Erplosionen, zu erschüttern. Ohne Erfolg bliebendie Unterhandlungen von 1428 und 1436. Erst als alle Kräftedurch (Überreizung ermüdet waren, als die im Concilium zuBasel versammelten Väter eine weise Nachgiebigkeit zeigten,gewann die vereinigte Mittelpartei der Städter nnd des Adelsdas Uebergewicht, die eraltirte Partei der taboritischcn Frak-tionen unterlag und Sigmund wurde 1436 als König vonBöhmen anerkannt. Im folgenden Jahre bestätigte er allePrivilegien Kuttenbcrgs. Im I. 1441 versammelte sich zuKuttenbcrg eine Spnode der utraquistischen Geistlichkeit, welchedurch Beschwörung von 22 Glaubensartikeln die dogmatischenFragen ordnete und dem utraquistischen Erzbischofe Rokicanahuldigte; auf einer zweiten, 1443 ebenfalls zu Kuttenbcrg ge-haltenen Spnode wurden die ertremen Bestrebungen unter denUtraquisten von der gemäßigten Mehrzahl in Schranken gewiesen.

Die husitischen Unruhen waren von den traurigsten Wir-kungen für das kuttcnberger Bergwerk, dessen Blüthenzeit un-wiederbringlich dahin war. Die Wasser gingen auf, die Tief-sten konnten nicht mehr gewältigt werden, und wurden zumgrößten Theile verlassen; man versuchte zwar das unverritzteFeld und fand neue Mittel, aber fehlte das nöthige Gelv-capital und die nöthige Ruhe, um einen vernünftigten Bergbaueinzuleiten und da Niemand wußte, wie lange er den Bau be-treiben würde, so trieb jeder nur Raubbau, wodurch eine ge-regelte Ausbeute auf lange unmöglich gemacht wurde. Soviele Gesetze auch erlassen wurden, so vermochte doch keinesdem Unfuge zu steuern, weil keines befolgt wurde. Die Gc-werken lebten in immer währendem Hader mit ihren Beamtenund ob auch Commission auf Commission beordert wurde, dieVerhältnisse zu ordnen: sie halfen nichts, und was die Wassernicht ersäuft, was die Unruhen des 15.Jahrhunderts nicht zerstörthatten, das gericth durch Nachlässigkeit, Unkenntnis; und Straflo-sigkeit im 16. und 17. Jahrhunderte nach und nach in Verfall.

Wir wollen das traurige Gemälde des allmäligen Ver-falles nicht im Einzelnen ausführen, sondern diesen Theil derGeschichte Kuttcnbergö nur in größeren Zügen andeuten.

Der weise Georg von Pvdiebrad (1444 auf dem Land-tage zu Kuttenberg zum Gubernalor von Böhmen erwählt)suchte auch als König der Stadt durch Erthcilung von Vor-rechten z. B. das Recht des Vorkaufs durch vier Tage beiAltkolin auf alles vom Niesengcbirge herabgeflößte Holz, soweit es zum eigenen Gebrauche bestimmt sei der Stadt auf-zuhelfen. Eben so gewogen zeigte sich der Stadt König Wla-dislaw (ebenfalls auf einem kuttcnberger Landtag 1471zum Könige gewählt); er wohnte öfter in Kuttenbcrg und speistemit den Bürgern. Noch einmal schien Kuttenbergs alter Glanzaufblühen zu wollen. Noch in der ersten Hälfte des sechzehntenJahrhundertes hatte Kuttenbcrg blos zum Bergban gehörigerBewohner 16,606; man kann daher die Gesammtbcvölkerungauf das Dreifache anschlagen. Viele aus dem böhmischen Her-ren- und Nitterstande wählten die üppige, lebenslustige Stadtzu ihrem Aufenthalt. Der Reichthum äußerte sich in pracht-voller Ausstattung der Kirchen und in wohlthätigen Stiftungen.Schon im I. 1486 wurde hier ein böhmischer Aesop, 1489 dieböhmische Bibel gedruckt.*) Durch 26 Jahre, 1485 1511,sandte die kuttcnberger Münze wöchentlich 26 Schock PragerGroschen zum Prager Schloßbau; 1523 noch war die Auö-

°>°) Der Chronist Korzinek hat, durch die Namensähnlichkeit veran-laßt, die Behauptung aufgestellt, Guttenberg, der Erfinder derBuchdruckcrkunst, sei ein Kuttcnberger, der der husitischen Un-ruhen wegen auswanderte; eine Behauptung, welche einige böh-mische Schriftsteller in neuester Zeit wieder geltend zu machensuchten.