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3 (1842)
Entstehung
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daß sich nicht muthmaßen läßt, ob nicht schon Schießpulverdabei verwendet war. Die große Kälte nöthigte den Kaiserendlich, nachdem er vor beiden Städten die schwersten Verlusteerlitten, sich in die Winterquartiere zurückzuziehen, als welcheihm die verwitwete Königin ihre Leibgcdingstädte Königgrätz,Mauth, Chrudim und Policzka einräumte. Im folgenden Jahrewollte er mit frischen Truppen den Krieg erneuern, aber mit-ten unter den Rüstungen ereilte ihn der Tod von der Handseines Neffen Johann, dem die Blutthat den Beinamen Par-ricida gab.

Zu bewundern ist es, welchen kleinen Raum zu jener Zeitdas so reiche kuttenbcrger Bergwerk einnahm. Blos der süd-liche Theil der Stadt selbst und des gegenseitigen südlichenBergrückens war in Betrieb; das nordöstliche Ganggebirgewurde erst später eröffnet. So lange das Pulver nicht in Ge-brauch war, daher keine Sprengarbeiten gemacht werden konn-ten, war bei hartem Gestein das Fcuersetzcn allgemein. Wasserund Erze wurden aus tiefen Schachten mit eisernen Kettenheraufgezogen und die Arbeit durch Pferde verrichtet. Dertiefste Schacht wird mit vierhundert Ellen angegeben.

Die Unruhen, welche Böhmen zu den Zeiten des un-mächtigen Königs des Zwischenreichcs, Heinrich deS Kärnth-ners, gränzenlos zerrütteten, trafen auch Kuttenbcrg zum reich-lichen Theile. Der willenlose König ließ es geschehen, daßdas Land durch übermäßige Abgaben ausgesaugt, von meißni-schen und kärnthner Söldnern gcbrandschatzt, die Kirchen ihrerKleinodien beraubt, die Bergwerke geplündert und alle die er-preßten Schätze außer Landes geschleppt wurden. In diesemgesetzlosen Zustande hatte Kuttenberg dennoch solche Macht er-langt, daß öfter hicher Landtage ausgeschrieben wurden, vondenen viele von höchster Wichtigkeit für die Landcsgeschichte.Im Ganzen wurden in Kuttenbcrg sechzehn Landtage gehal-ten, der erste im I. 1308 unter Heinrich dem Kärnthner, dessenPartei die Kuttenbcrger nahmen. Mit Vorwissen des Königs(den man überredet hatte, daß die böhmischen Herren sichnamentlich durch die unterschlagene Ausbeute des kuttenbergcrBergwerkes bereicherten) traten einige der reichsten Bürgervon Prag und Kuttenberg insgeheim zusammen und beschlossen,sich der Personen der höchsten Staatsbeamten und vornehmstenBarone durch einen Handstreich zu bemächtigen. NächtlicherWeile überfiel ein Haufe kuttenberger Pöbels das Kloster Sed-letz, worin gerade der Oberstlandmarschall Heinrich von Lipaund zwei andere Herren übernachteten und gefangen wurden.Unter den Bedingungen zur Freilassung dieser und der amselben Tage von den Pragern ergriffenen Edlen ist die bedeut-samste, daß in Zukunft nichts Wichtiges in den allgemeinenAngelegenheiten des Landes ohne Nach und Beistand des Bür-gerstandcs unternommen und beschlossen werden solle. ZurBefestigung der Freundschaft hatte man eine zweijährige Toch-ter Heinrichs von Lipa einem Enkel des Bürgers Nuthard inKuttenberg verlobt und alsogleich überantwortet.

Inzwischen waren die Wirren im Lande so unerträglichgeworden, daß die Stände dem Sohne Kaiser Heinrichs, Jo-hann von Luxemburg, die Krone anboten. Dieser Gegenkönigzog zuerst vor Kuttenberg und Kolin, die wie Prag schnelleine Besatzung meißnerischer HilfStruppen erhalten hatten. Am19. Nov. 13t«; fing Johann an, Kuttenberg zu stürmen, wurdeaber mannhast zurückgeschlagen. Kolin ergab sich gleichfallsnicht, sondern erklärte, dem Beispiele Prags folgen zu wollen;die Kälte »ahm überHand, so daß Johann nach sechs Tagendie Belagerung Kuttcnbergs unverrichteter Dinge wieder auf-hob und vor Prag zog. Hier öffneten ihm Bürger ein Stadt«-thor, und als er einmal im Besitze von Prag war, fiel ihmKuttenbcrg, wie die übrigen Städte, von selbst zu.

Trotz dieses Widerstandes war König Johann, der Be-gründer der luxemburgischen Dynastie in Böhmen, der Stadt

Kuttcnberg gewogen. Er ertheilte 1329 der hiesigen Knapp,schaft das allgemeine Privilegium ckean ovaeanlla, nämlichvom eigenen Berggerichte gerichtet zu werden (bisher standsK.unter dem Berggerichte zu Jglau), und befreite sie von allenAbgaben (bernie) von ihren Gütern in der Stadt und demBurgfrieden. Kuttenberg wurde dadurch die zweite Stadt desLandes, welchen Rang es bis zu den Zeiten seines Verfallesbehielt, wo es ihn an Pilsen abtreten mußte. Die Zwistig-keiten, welche sich zwischen Kuttenberg und Prag erhoben, wur-den durch Heinrichs von Lipa Vermittelung beigelegt und beideStädte schlössen im I. 1338 einen Verbrüderungsvertrag, inwelchem sie einander gegenseitiges Bürgerrecht und freien Wein-schank zusicherten. Obgleich die höchste Blüthe des Bergwer-kes unter Przcmysl II. und Wenzel II. fällt, war Kuttenbergdoch immer noch einträglich genug. Es mußte wöchentlich500 bis 600 Mark nach Prag abliefern. Der ruhelose undabenteuerlustige König hatte aber nie Geld genug; er wiesimmer neue Summen und so bedeutende auf Kutten-berg an, daß Urburer und Münzmeister bald nicht mehr aus-langen konnten und sich mit der Bitte um das Einstellen solcherAnweisungen an den König wenden mußten.

Wie unter König Wenzels II. Regierung zu Kuttenbergdie ersten Groschen, wurden unter Johann daseist die erstenGoldmünzen in Form der Florentiner ^ixliati geprägt. Soauffallend es scheinen mag, wurde bis dahin in Böhmen, wodas Gold doch so reichlich gefunden ward, dasselbe in unge-prägtcn Massen als bloße Tauschwaare verwendet. Die neuenMünzen hießenGulden" oderGoldgulden" und galten an-fangs das Stück 12 prager Groschen, d. i. 4 si. 2 t kr. C. M.

Im I. 1348 wurde Kuttenberg durch ein fürchterlichesWetter verwüstet. Eine Menge der ansehnlichsten Gebäudestürzte ein, die meisten Schachte wurden mit Wasser gefülltund viele Bergleute kamen ums Leben.

Unter der für Böhmen so segenrcichen Regierung KönigKarls I. (als deutscher Kaiser Karl IV.) erfreute sich Kutten-berg des höchsten Wohlstandes. Der König bestätigte nichtnur der Stadt ihre alten Privilegien, sondern wies ihr auchförmlich den Rang an, den sie faktisch schon inne hatte, näm-lich unmittelbar nach den Hauptstädten Prag, BreSlau undBudissin (Bautzen), verlieh ihr zollfreie Schifffahrt auf demMain, und das Recht des freien Verkaufs ihrer Güter, sowie die freie Vererbung des Vermögens auch außerhalb derDescendenz. Ucberhaupt wetteiferten gleichsam die Könige vonBöhmen, die kuttenberger Bürger mit Freiheiten und Gerecht-samen auszustatten.

Unter König Wenzels IV. anfangs viel versprechenderRegierung dauerte der Wohlstand Kuttenbergs fort, zugleichaber erreichte auch, da bei des Königs späterer Geistesver-wirrung und sinnloser Ausschweifung das Land in Anarchieverfiel, der zügellose Uebcrmuth der Kuttenberger seinen Gip-fel, wenn schon die Haupttheilnehmer an diesem unruhigen Trei-ben die fremden Abenteurer sein mochten. Um geringer Anlässewillen setzten sie benachbarte Orte in Brand und machten dieBewohner nieder, so das unglückliche Malin, an dessen vor-malige Bedeutung nur noch seine zwei Kirche erinnern. Jaein Abgesandter des Königs, Nacek Kobyla, wurde sammt sei-nem Gefolge von den Bergleuten ermordet. Der Zorn desKönigs, der hierauf selbst nach Kuttcnberg eilte, ließ sich durchein reiches Geschenk von Silberbarren und zwei silbernen Schil-den beschwichtigen.

Unter solchen Umständen konnte cS nicht fehlen, daß Kut-tenberg sehr bald in die husitischen Unruhen verwickelt wurde.In der Stadt scheinen sich zwei Parteien gebildet zu haben:die Bürger, welche den Neuerungen zugethan, und die Bergleute,welche ihnen abhold waren. Nach Wenzels Tode schickten dieutraquiftischen Prager zwei Abgeordnete nach Kuttcnberg; die