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3 (1842)
Entstehung
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Andere fanden es unschicksam, daß ein Mönch ohne Kutteheimkehre, und ließen ihn blos die Kapuze (böhmisch: kapie)ablegen, wovon die Stadt ihren zweiten böhmischen Namen,Kapj Hora erhalten haben soll.*)

Die Grundlosigkeit dieser Erzählung geht schon ans derJahreszahl hervor. Wie Graf Sternberg in seinerGeschichteder böhmischen Bergwerke" einleuchtend darthut, reicht KuttenbergsUrsprung weit über das Jahr 1237 hinauf, mindestens in dieZeit PrzempSl's l. (reg. 1102 1230); denn dessen Sohn,König Wenzel I, baute daselbst eine prächtige Stadt (uebemmaj-iülieam, sagt PrzempSl's II. Urkunde) zum heiligen G.(Georg oder Gallus; wahrscheinlich das erstere, weil unter den178K aufgehobenen Kirchen sich eine zum heil. Georg befindet).Das Bergwerk muß daher damals schon bestanden und reichenErtrag geliefert haben. Unter König Przcmpsl Otakar II.muß das Bergwerk schon in hohem Flor gewesen sein, dennKorzinek spricht von 100 Schächten auf dem Berge Kuklik.Die ersten Ansiedler mögen Deutsche gewesen sei», wofür vieleursprünglich deutsche Localbenennungen sprechen, welche sich dieSlawen nur mundgerecht gemacht haben, z. B. Kuttenbcrgselbst (wenn wir die Ableitung vonkutten" zulassen), Kank(Gang), Turkank «Durchgang), Knklik (Gutglück» :c.

König Przempsl Otakar II. konnte von dem Bergwerkeschon viele Menschen und 500 Treibpferde in seinen zweitenFeldzug gegen Kaiser Nudolph von Habsburg mitnehmen, wel-cher mit Przcmpsl's Fall in der Schlacht auf dein Marchfelde(2K. Aug. 1278» endete. Diese Katastrophe brachte die jungeStadt dein Untergange nahe, denn das siegende Heer dranghis Kuttenberg vor; in dem nahen Scdletz wurde der Friedeunterhandelt und in Czaslan abgeschlossen.

So sehr auch Kuttenbcrg durch jene Aushebung und diePlünderung durch den Feind gelitten halte: unter König Wen-zel des zweiten Regierung (1283 1305» blühte es dermaßenglanzvoll auf, daß es durch das ganze Land berühmt wurde,daher auch viele Geschichtschreiber die Entstehung der Stadtfälschlich erst in diese Zeit setzen. In der Constitution, die dergenannte König dem Knttenbergcr Bergwerke (!300) ertheilte,sehen wir dasselbe bereits vollständig ausgerüstet. Es beginntfür die Stadt eine dreihundertjährige Periode der Macht unddes Reichthums, die dazu beitrug, den Ruhin des böhmischenBcrgsrgens durch ganz Europa widerhallen zu machen. Sospricht Boccaccio in seinem >mläle «l'gümeln von Böhmen alsvom Lande des Goldes und der Edelsteine, dem Peru des Mit-telaltcrs.

Bald hatte sich die Stadt so erweitert, daß sie in dieReihe der königlichen aufgenommen wurde; die Zeit ist unbe-stimmt, aber in einer Urkunde vom I. 1276, die ehemals imSeblctzer Klosterarchive aufbewahrt wurde, war ein Zeuge,Namens Gottfried, schon als Bürger von Kuttenbcrg unter-schrieben. Alle ansässigen Bürger waren zugleich Gewerken,denn ohne diese Eigenschaft wurde nicinanden das Bürgerrechtertheilt. Wie zwei Jahrhunderte später nach Amerika, eiltenGlücksritter aus allen Landen nach dem damaligen Eldorado,nach Böhmen. Aber eben weil sich die Hefe aller Länder hiersammelte, gesellte sich bald zum Reichthume Hochmuth und über-müthige Verschwendung. Schnell, wie sie erworben worden,wurden die schätze wieder verpraßt. Die Chronik des könig-salcr Abtes spricht von Knttenberg wie von einem zweiten So-dom. Es war nicht allein der Gewinn im Bergbaue, der dieBergstädte so schnell emporhob: es waren vorzüglich die Frei-heiten für Handel, Wandel und Gewerbe, die besonderen vonden Königen sowohl der Knappschaft, als den Bürgern ertheil-

*) Neck andere etymologische Ableitungen sind von dem böhmischenZeitworte kutiti (graben, wühlen) und von dem deutschen ver-alteten kutten (schürfen).

ten Privilegien, welche sowohl Kauf- und Handelsleute, alsAdelige anlockten, sich in den Bergstädten niederzulaßen undAntheil an den Gewerkschaften zu nehmen. Wenn hierdurchdie Wichtigkeit der Bergstädte, namentlich Kuttenbergs, unge-mcin wuchs, so wurde es doch auch gerade hierdurch in dieoft wechselnden politischen Verhältnisse des Zeitgeistes, in denWiderstreit der Meinungen mit eingeflochten, die ihnen in spä-terer Zeit die Vortheile und den Wohlstand, den sie rasch er-worben hatten, eben so schnell wieder entzogen.

Wie hoch das Erträgniß des Kuttenberger Bergwerkeszur Zeit Königs Wenzel II. geschätzt wurde, erhellt daraus,daß Kaiser Albrecht unter dem Vorwande rückständiger Zehntenan das deutsche Reich nebst anderen übertriebenen Forderungendie Summe von 80,000 Mark Silbers, oder die Abtretungvon Kuttenberg auf sechs Jahre verlangte. Kuttenbergs Erträgniß wurde daher auf mehr als 18,000 Mark jährlich ge-schätzt. Natürlich verweigerte König Wenzel seinem Schwagerein so unbilliges Begehren und es kam zum Kriege. Zwei starkeHeere drangen in die böhmischen Länder ein; von der unternDonau Herzog Rudolf von Oesterreich und Karl Robert vonUngarn mit fünfzigtauscnd Mann (worunter viele Tausendevon Kumanen, deren viehische Grausamkeit selbst das befreun-dete Oesterreich schwer empfinden mußte), und von der obernDona» über Regcnsburg und Budweis der Kaiser selbst mitdeutscher, zumeist schwäbischer Ritterschaft. Beide Heere ver-einigten sich und drangen, da die Jahreszeit schon vorgerücktwar, geraden Weges auf Kuttenberg los. -König Wenzel hattedie Stadt eilig mit Graben und Mauer umgeben lassen. Am25. Sept. lagerten die Feinde an dein Bache, der von Kutten-bcrg ins ebene Land hinabströmt; doch vergeblich bestürmten siedie Stadt, die von den Bergknappen und der Bürgerschaftaus das tapferste vertheidigt wurde. Eine pestartige Seuchebrach im Heere der Belagerer aus und raffte Tausende vonMenschen und Thieren dahin; angeblich haben die Bergleuteden hinabfließenden Bach durch Hüttenrauch (Arsenik) vergiftet.Mittlerweile zog die böhmische Heeresmacht, verstärkt von bran-venburgischcr Hilfsmannschaft, heran. Kaiser Albrecht wagtedie bevorstehende Schlacht nicht mehr anzunehmen; in der Nachtbrach er sein Lager ab, und führte sein Heer unter großen Verlu-sten in solcher Eile zurück, daß er in einer Woche eine größereEntfernung zurücklegte, als beiin Heranznge in fünf Wochen.

Während der Vorbereitungen zu einem neuen Feldzugestarb König Wenzel II. Seine Regierung war für das Landsegensreich durch Regelung des Münzwcscns, für Kuttenberginsbesondere durch Verleihung von Privilegien, und durch dieEinrichtung seines Palastes, deswälschen Hofes," zu einerMünzstätte. Wenzel des zweiten Sohn, Wenzel III., fiel inder Blüthe seiner Jahre unter dem Dolche eines Meuchelmör-ders (1306) und mit ihm erlosch der altböhmischc Herrscher-stamm der Przempsliden. Kaiser Albrecht erklärte Böhmenfür ein hcimgefallenes Reichslehn, mit dein er seinen SohnRudolf belehnte. Rudolf wurde auch von den böhmischen Stän-den zum Könige gewählt, starb aber zu frühe für das Wohldes Landes. In den Wirren des nun folgenden Zwischeureichesdrang Kaiser Albrecht, um die Ansprüche seines zweiten SohnesFriedrich durchzusetzen, 1307 abermals mit gewaffneter Macht(mehr als 10,000 schwere Rosse) über Eger ein, währendFriedrich von der Donau hereinbrach. Die Deutschen ver-wüsteten das Land auf fürchterliche Weise; endlich berannte dieHauptmacht die Stadt Kolin, und als die heftigsten Stürmevergeblich waren, Knttenberg. Hier sollte abermals, wie vor3 Jahren, Kaiser Albrechts Kriegsglück scheitern. Unter denAngriffsmitteln wird auch einer Kriegsmaschine gedacht, worausman große, mit brennenden: Stoffe gefüllte Kugeln in die Stadtwarf, deren wildes Feuer sowohl Gemäuer, als Holz ausdem Grunde zerstörte. Die Maschine ist so ungenau beschrieben,