Druckschrift 
3 (1842)
Entstehung
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heftigen Streit über die Gerichtsbarkeit über Geistliche. Erflüchtete nach Kuttenberg, wo ihn die Bergleute freudig em-pfingen und ihm die Oberaufsicht über die Kirchen der Stadtübertrugen. Aber auch hier war ihm das Leben bald verleidet.Er setzte sich heimlich mit zwei Kaufmannsdicncrn zu Roß, umnach Italien zu flüchten. Sobald seine Entfernung bekanntwurde, sandten die Bergleute eilends Verfolger auf alle Straßennach ihm aus. In der Stadt Svbieslau wurde er eingeholtund gezwungen, nach Kuttenberg zurückzukehren, wo mau biszu seinem.Tode (er starb schon 1507, wahrscheinlich aus Kum-mer) ein wachsames Auge auf ihn hielt. Seine Residenz wareben das steinerne Haus.

Wohlthätige Stiftungen in Kuttenberg sind:

1) Die Bürgerspitalstiftung. Sie wurde im Jahre1324 gegründet. Von dem Ertrage des Stiftungsfondes er-halten 12 männliche und 12 weibliche verarmte Bürgersleute,nebst freier Wohnung und Heizung im Spitalgebäude, 1l1 kr.E. M. täglich und die nöthigen Kleidungsstücke, auch im Er-krankungssallc ärztliche Behandlung und Arzneien. Das Ver-mögen dieser Stiftung bestand Ende October 1840 in 15,388 fl.C. M. mid 35,270 fl. W. W., wozu der ermittelte Werth desneuen Spitalgcbäudes, der zeitweilig verpachteten Aecker undWiesen bei Kuttenberg und Welletau, des Waldes und Jägerhau-ses letzterer Ortschaft*) zu rechnen kömmt, so daß das Gesammt-vermögen 24,820 fl. C. M. und 141,704 fl. W. W. beträgt.

2) Das Armcninstitut stammt von dem Emphyteuti-sirungs-Ertrage eines Maierhvses her, den der Bürger KasparFiesek 1583 dem Armenfonde letztwillig vermachte. Das Ver-mögen des Institutes besteht in 1555 fl. C. M. und 3725 fl.W. W., zu deren Zinsen der Zins von emphptcutischen Grund-stücken, spätere Fundationcn, milde Beiträge und einige außer-ordentliche Einkünfte kommen.

3) Die Lchrlingsstiftung (vom kuttenbergcr Erzde-chante, Hrn. Jvh. Herzan gestiftet) mit einem Kapital von3K4 fl. C.M., von deren Interessen jährlich 4 arme Lehrlinge jedermit 5 fl. C. M. betheilt werden. Derselbe Wohlthäter gründete

4) Die Zeichnungsprämien stiftn ng. Die Zinseneines Fondkapitals von 1000 fl. C. M. werden als Prämienvon 25, 15 und 10 fl. jährlich unter die drei besten Zeichen-schüler der Kuttenbergcr Hauptschule vertheilt.

5) Die Mädchenerziehungsstiftung. Im Ursuli-nerinenkloster bestehen vier Stiftungsplätze für Mädchen adeli-ger und einer für Mädchen bürgerlicher Herkunft. Die Stift-linge erhalten im Kloster für die Zeit ihrer Erziehung unent-geltlich Kost, Wohnung und Unterricht.

An Unterrichts an stalten hat Kuttenberg: eine k. k.Hauptschule, eine Elementarschule, die Mädchen-schule der Ursulinerinen und eine durch freiwillige Beiträgegegründete und erhaltene Kleinkinderbewahranstalt.

Kuttenberg liegt am Vcreinigungspuukte dreier Chausccn:eine führt nach Malin auf die Wiener Hauptstraße, eine überSchwarz-Kosteletz nach Prag und eine über Natscheradctz nachTabor. Die Stadt steht auf einem durch die Bergwerke gänz-lich unterhölten Boden in einer wasserarmen Gegend. Um sowichtiger ist die große Wasserleitung, welche eine Quellevon dem Dorfe Bilan aus einer Entfernung von drei Stundenherbeileitct. Die St. Adalbertsquelle strömt in einer ausge-wölbten Bergschlucht empor und wird außerdem aus den Berg-werkstollen oberhalb Miskowitz und Wisoka gespeist. Zwei ne-ben einander liegende hölzerne Röhrenzüge leiten in mehrendem Niveau entsprechenden Krümmungen das Wasser 740Klafter weit bis zu einem Thale zwischen zwei Bergrücken,über welches hinweg es eine steinerne Brücke (25 Klafter lang)mit vier Gewölbebogen führt. Nun fließt das Wasser 430°

*) Wclletau liegt hinter Alt-Kvlin jenseits der Elbe.

weit bis in die Gabelrvhre, die es in einer Länge von 310Klafter in das Hauptrcservoir, ein niedliches Gebäude vor demKaurzimcr Thore, bringt. Von hier wird es mittelst gußeiser-ner Röhren in die städtischen Nöhrbrunnen und in das Ge-mcindebrauhaus, den sogenannten Loretz, so wie in die Pri-vathäuser (gegen einen in die Stadtrenten zu erlegenden Zins)vertheilt. Die Wasserleitung besteht aus 3125 hölzernen Röh-ren und ihre Erhaltung fordert einen beträchtlichen Kostenaufwand.

Die herrschende Sprache ist die böhmische; doch wurdeauch die deutsche durch die Normalschule und das Militär ziem-lich verbreitet. Die Erwerbsquellen der Bewohner sind diegewöhnlichen Stadtgewcrbe, der Acker- und Gartenbau, welchebeide bei der Milde des Klimas und der fruchtbaren Lage rechtergiebig sind. Es werden Tuche, Leder und gewirkte Arbeiten,auch viel Stärke (die in das Gränzgebirge für die dortigeLinnenfabrikation verkauft wird) erzeugt.

Von industriellen Etablissements hat Kuttenberg:

1) Die Baumwollgarn-Spinnfabrik von I. E.Breucr und Söhne, die theils mit Wasser, theils einer Hochdruck-Dampfmaschine von 7 Pferdekraft betrieben wird. Ihre Maschinenwurden 1837 nach dem neuesten Principe von Edward Thomasin Karolinenthal bei Prag gebaut und sind: ein konischer Wel-low, ein liulleiir et 4'aillenr et bchluelienr, 7 Reißkrämpelnmit einer Bandführung und Dublirmaschiue, 8 Feinkrämpclnmit dito, eine Doppclstrecke mit 6, 2 einfache Strecken mit3 Reihen Cylinder (jede Strecke mit einer Bandführung undeiner Dublirmaschiue), eine Grobspuhlmaschinc von 30 Späh-ten, die mit Räderwerk betrieben werden, 2 Vorspinnmaschinenzu 1K8 Spindeln, 0 Feinspinnmaschinen (2052 Spindeln) und10 Stück Weifen. Die Spinnerei kann nach der gegenwär-tigen Einthcilung 500 Ctr. Baumwolle pr. K Wollgarnverbrauchen und beschäftigt 75 Personen.

2) Die Kattun-Druck fabrik von I. C. Brcuer undSöhne (seit 1787 bestehend) arbeitet jetzt mit 80 Drucktischenund 10 Formstcchcrn, hat eine Walke (mit Wasserkraft), eineMangel mit 2 papiernen und einem eisernen Cylinder und eiser-nem Gestelle, 0 Farbkcssel, 2 Blechapparate, eine Winter- undeine Sommcrhänge. Jährlich werden 30,000 Dutzend Tüchcl,

bis ">/4 breit, erzeugt; die Fabrik beschäftigt 230 Personen.

Viele Kuttenbergcr finden auch in der nahen k. k. Tabaks-fabrik im ehemaligen Klostergebäude Sedletz (der einzigen inBöhmen) Beschäftigung.

Kuttenberg hat einen regulirten Magistrat zweiter Klasseund Privilegien auf 4 Jahrmärkte.

Die Zeit der Erbauung von Kuttenberg ist unbekannt.Als noch etymologische Spielereien in der Geschichtschreibungeine große Rolle spielten, half man sich unbedenklich mit einemMärchen, zu welchem der Name ,,Kuttenberg" Anlaß gab.Der älteste Chronist von Kuttenberg, der Jesuit Korzinek,bringt in seinenDenkwürdigkeiten der Stadt Kuttenberg" (inböhmischer Sprache) folgende Erzählung:

Im Jahre nach der Geburt des Sohnes Gottes 1237ging der Mönch und Priester des Sedletzer Klosters Antonspazieren und hatte sein Brevier nebst einem Psalmenbuche beisich. Nachdem er in eine waldige Gegend gekommen war,suchte er sich einen Platz aus, um von der Sonnenhitze aus-zuruhen. Er ließ sich nieder, las in den Psalmen und verfielin einen Schlummer. Als er erwachte und in das Kloster zu-rückkehren wollte, erblickte er zu seinem Erstaunen drei ausdem Moose eines Felsens hervorgewachsene Silberruthen. Erfiel sogleich auf die Knie, dankte Gott und nachdem er einGebet verrichtet hatte, nahm er seine Kutte ab, deckte siezur Bezeichnung des Ortes über die Silberruthen, kehrte indas Kloster zurück und meldete dem Abte, was er entdeckt hatte."