Druckschrift 
3 (1842)
Entstehung
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Das Innere der Kirche entspricht in seiner einfachen Er-habenheit dem Aeußeren. Sieben und siebzig Pfeiler tragendie Gewölbe und scheiden das Schiff von den Abseiten unddiese von den Nebengängen oder Seitenkirchen. Die Längedes Inneren beträgt 188, die Breite im Lichten 134, dieHöhe des Schiffes >04 Prager Fuß (die StephanSkirche inWien ist länger, aber nur 84 Fuß hoch und 123 Fuß breit).An den Gewölben ist besonders die kunstreiche Bindung durchunzählige, stark hervorragende und auf die mannichfachste Artverschlungene Steinbogen merkwürdig. Durch 55 herrliche,mit Blumen und Schnörkeln reich mannichfaltig verzierte Fen-ster wird das Innere hell erleuchtet.

Von den Grabmälern in der St. Barbarakirchc verdienenzwei eine besondere Erwähnung, nämlich das des utraquistischenBischofs, Philipp (welches merkwürdigen Mannes weiter un-ten gedacht werden wird) und jenes des bekannten MalersPeter Brandl. Dieser bei seinen Lebzeiten verkannte undvernachlässigte Künstler starb I70i) zu Kuttenberg in der drückend-sten Armuth und sein Tod war wie es der ironische Welt-lauf häusig mit sich bringt die Losung zu den größten Eh-renbezeigungen. Der Magistrat und die gesammte Klerisei vonKuttenberg und dreihundert Bergleute mit brennenden Gru-benlichteru geleiteten den Verstorbenen zu seiner Ruhestätte.

An der Sacristey der Barbarakirche sieht man bcachtens-werthe Gemälde aus der altdeutschen Schule. Sehenswcrthsind die altcrthümliche Kanzel und die prachtvolle Orgel. Ansdem Hochaltarblatt ist als Landschaft eine alte Ansicht derStadt Kuttcnberg, welche noch das alte mit dem Baustple derBarbarakirche harmonisircnde Dachgcthürm zeigt, das im Jahre1732 durch ein neueres ersetzt wurde.

Die St. Ja-kobskirche ist die eigentliche Pfarrkirche derStadt, erbaut im I. 1358. Sie ist groß und licht, im In-neren reich, aber ohne Ueberladung ausgeschmückt. Dem ur-sprünglichen Plane nach sollten sich zu den Seiten des Haupt-cinganges zwei gleiche Thürme erheben; von diesen ist jedochnur einer ausgebaut. Er ist einer der höchsten im Lande, denner mißt bis zum Kreuze über zwei und vierzig Klafter. DieKirche ist mit einem Schindeldach von unverhältnißmäßigcrHöhe gedeckt. Der schöne Hochaltar hat ein großes Altarblattvon Balco und eine heil. Dreifaltigkeit von Brandt. Außer-dem hat die Kirche viele für die Kunstgeschichte wcrthvolle alt-deutsche und altböhmische Gemälde, welche der letzte Prälatvon Sedletz, als er nach der Aufhebung des Klosters Sedletz zumKuttcnberger Erzdechante ernannt wurde, mit herüber brachte.

Die St. Johanne skirche in der Kaurzimer Straßeist ein modernes Gebäude (erst l753 erbaut), im Inneren nn-gcmein heiter und freundlich. Säulen und Pilaster von rothemKunstmarmor tragen das mit schönen Fresken von Balco undmit Stucco-Arabesken geschmückte Gewölbe. Das Hochaltar-blatt ist von demselben Meister.

Die Allerhciligenkirche in der Vorstadt Hlausska istdie älteste Kirche in Kuttcnberg und soll mit der Stadt zugleicherrichtet worden sein. Die beiden übrigen Kirchen sind: diealtcrthümliche Mariä - Himmelfahrtskirche und die Dre i-faltigkeitskirche (1400 erbaut).

Die Kapellen Kuttcnbergs sind: die Frohnleichnams-ka pelle bei der Barbarakirche und die Kapellen im wälschenHofe (St. Wenzel), im Ursulincrineukloster (Sta. Ursula), imBürgerspitalc (zum heil. Kreuz) und im Kriminalgerichtshause.

Die Patronatsrcchtc verwaltet und die Vermögensrech-nungen besorgt bei der Barbarakirche das k. k. Bergamt, beiallen andern Kirchen der kuttcnberger Magistrat.

Unter den übrigen bemerkenswerthen Gebäuden gebührtder Vorrang dem ehemaligen

Münzgebäude, der Münz- oder wälsche Hof ge-nannt. König Wenzel II. hatte in der reichen Bergstadt sich

einen prächtigen Hof erbauen lassen, den er jedes Jahr mehr-mals bei seinen Besuchen in Kuttenberg zu bewohnen pflegte.Er räumte ihn jedoch bald sechs geschickte» Münzmeistern ein,die er aus Florenz hatte kommen lassen. In diesem Gebäude,das von dem gedachten Umstände den Namenwälscher Hof"(In eorte italiea) erhielt, wurden die ersten böhmischen Groschen(ssprokp grosse, nach jetziger Währung etwa ä 24 kr.E. M.) geprägt. Der wälsche Hof ist ein weitläufiges, frei-stehendes Gebäude, einer alten Burg ähnlich, theilweise vonSchanzmauern umgeben. Es enthält nebst der Wenzelskapelleeine Unzahl von Sälen und Gemächern, ist aber in sehr bau-fälligem Zustande. Im wälschen Hofe befindet sich ein Theil der ältere des Stadtarchives und das k. k. Distric-tnal-Berggericht und Bergamt, zu dessen Ressort siebenKreise von Böhmen (der czaslauer, chrudimer, bunzlauer, bid-schower, königgrätzer, taborer und budwciser^ und ganz Mährenund das österreichische Schlesien gehören, und das als Berg-amt unter dem Przibramer Bergoberamte steht.

Das gegenwärtige Rathhaus ist ein nicht sehr ansehnlichesGebäude; das alte, große Rathhaus stand auf dem Platze,den jetzt derRing" einnimmt; es brannte 1770 ab und durchdie Abtragung semer Trümmer wurde dieser Platz gewonnen.

DaS Krimin algerichtsgebäude wurde erst im I.1833 mit einem Kostenaufwande von 64,000 fl. C. M. erbaut.Der Kuttcnberger Magistrat übt die KriminalgerichtSbarkeitüber den ganzen czaslauer Kreis.

Das ehemalige Jesuitencollegium und Seminariumnächst der Barbarakirchc, mit der es mittelst eines gedecktenGanges zusammenhängt, ist ein großes, stattliches Gebäudein Gestalt eines umgekehrten I' (1<L4 zu Ehren Kaiser Fer-dinand II., der es reich dotirte, so erbaut), zwei Stockwerkehoch und in der Fronte mit drei großen Thürmen geziert. Vorder Hauptfront her läuft eine schöne, mit Standbildern ge-schmückte Brüstung von Quadern. Seit der Aufhebung desOrdens wurde das Collegium als Kaserne verwendet, undgegenwärtig liegt darin das vierte k. k. Jägerbataillon. Dasehemalige Seminarium, nicht weit vom Collegium gelegen,enthält jetzt das Locale der k. k. Hauptschule, einen Zeichnungs-und Prüsungssaal, eine Hauskapclle und einige Wohnungen.

Die Erzdechanteh an der St. Jakvbskirche ist ein ur-altes Gebäude und war vormals eine Schule. Man findethier eine merkwürdige Reihe Porträts von allen KuttcnbergerErzdechante».

DaS sogenannte steinerne Haus (s. die Abbildung)verräth schon durch seinen Namen, daß es aus einer Zeit her-stamme, wo es durch sein Material unter den hölzernen Häus-chen auffiel. Es ist ein alterthümliches, gothisches Gebäudemit einem eigenthümlich schönen Giebel und war schon der Ver-nichtung nahe, denn es wurde als Baustelle verkauft. Derjetzige, würdige Besitzer, Hr. Rath Krczan, kaufte es undließ es renoviren. Ans dem sonderbar gewölbten Giebelzim-mer hat man eine wunderherrliche Aussicht nach Scdletz, Ma-lin und Neuhof hinüber. Doch auch ein historisches Interessehat dies Haus. Der italienische Bischof i» zmrtibus (zuSidon), Philipp, ließ sich von einigen husitischen Reisendenbewegen, nach Böhmen zu kommen, wo er den Prager Ge-meinden vorstehen und als utraquistischcr Bischofs) die Weihen:c. ertheilen sollte. Im I. 1504 kam Bischof Philipp zu Pragan, wo er von den Utraquisten mit Jubel empfangen wurde,und weihte mehrere Priester und die (seither spurlos verschwun-dene) St. Paulskirchc vor dem Porziczer Thore. Jedoch schonim folgenden Jahre gerieth er mit den Prager Magistraten in

*) Den Utraquisten lag viel daran, zur Ausweihung ihrer Priestereinen Bischof zu haben. Schon früher hatten sie 14d2den italienischen Bischof Augustin Luzian bewogen, nach Böhmenzu kommen.