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«^^it Stadt üuttcnl'crg (oder wie ihr Titel voll-ständig lautet: die k. k. und privilegirte Silbcrberg- und Münz-stadt) liegt iin czaslaner Kreise zwischen Kolin und Czaslau amAbhänge dcS hlanschker und ptaker Gebirges und ist acht Land-meilen von Prag (wohin eine Chaussee über Zasmuk undSchwarz-Kostcletz führt), etwa eine halbe Stunde von der Wie-ner Poststraßc und eben so weit von der Gränze des kaurzi-mer Kreises entfernt. Die geographische Lage ist (nach I. G.Megerle v. Mühlfcld) 22° 57^ L. und 10° 57^ nördl. Br.Das Weichbild der Stadt ist umgeben: gegen Osten von derHerrschaft Scdletz, gegen Süden von der Herrschaft Krzesetitz,gegen Westen von der Herrschaft Malcschau und gegen Nor-den von der Bcrgstadt Gang und einigen zur Herrschaft Sed-lctz gehörigen Grundstücken.
Kuttcnberg besteht aus der eigentlichen, vordem mit einerRingmauer umgebenen Stadt und aus den sich anreihendenvier Vorstädten Hlausska, Czech, Bach und Kohl-markt. Nahe an der Stadt — und zwar in der VorstadtBach — fließen zwei Bäche, von denen der eine Pach (auchMalessow ka), der andere Bilanka heißt. Nach ihrer Ver-einigung führen sie den Namen Kuttenberger Bach, nachSchaller vordem auch, der vielen Ueberschwcmmungen wegen,toller Bach.
Die Lage von Kuttenberg ist sehr anmuthig und freundlich.Von der Wiener Straße aus gesehen, steigt die Stadt hinterder großartigen Tabaksfabrik Sedletz (einer ehemaligen Cister-zienser-Abtei) breit und viclthürmig den amphitheatralischenBergzng hinan und krönt dessen Scheitel mit ihrer prachtvol-len, gothischen Hauptkirche. Noch entzückender aber ist dieAussicht von den oberen Stadttheilen auf die Fläche hinab, diesich gegen Osten nach dem Laufe der Elbe hin ausdehnt. Ausden gesegneten, fruchtbaren Fluren sind unzählige Dvrfschaftenzerstreut, dazwischen Städte, Schlösser, Haine, Alleen :c. Indieser Fülle erstreckt sich die Landschaft ununterbrochen hin, bissie in der Ferne verdämmert. Die anziehendsten Punkte jedochsind die Kreisstadt Czaslan im Mittelpunkte des reichen Bil-des, die alte Kirche und Abtei Sedletz und das herrliche SchloßHnsa. Von den nördlich von Knttenberg gelegenen drei Berg-spitzen Kuklik (verdorben aus Gut glück) Sukow undSpitzberg öffnet sich eine noch umfassendere Aussicht nach derentgegengesetzten Seite, die westlich bis in die Ebene der Prä-ger Gegend, nordöstlich bis zu dem Gränzwalle des Riesenge-birges reicht.
Der Bcvölkerungsanzahl nach, ist Kuttenberg die dritteStadt in Böhmen. Sie zählte im Jahr 1810 10,620 Ein-wohner und 7-10 Häuser.
Sechs Thore (wovon eines erst 1821 erbaut) und sechsPforten für Fußgänger führen in die Stadt; die fünf älterenThore hatten sonst Thürme, die aber wegen ihrer Baufällig-keit nach einander abgetragen werden mußten. Wie die meistenBcrgstädte, ist Kuttenberg unregelmäßig gebaut, obgleich nachden letzten bedeutenden Bränden vieles rcgulirt worden, so wiestatt der früheren ganz- oder halbhölzernen Häuschen steinerneHäuser entstanden und Ziegeldächer häufig geworden sind.Drei Stadtviertel bilden die obere, das vierte die untereStadt. Der Plätze sind zwar viele (zwanzig), aber die meistenklein; selbst der Marktplatz, ein unregelmäßiges Vieleck, schreibtsich erst seit dem vorletzten Brande her. Der Gassen zähltman sechzig, darunter nur zwanzig größere und auch diesenicht von bedeutender Länge. Von öffentlichen Denkmalen siehtman die Mariensäule auf dem Grünmarkte, und die Barbara-
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sänke auf dem Jesuitenplatze. Die meisten Plätze haben Röhr-brunncn. — Die Vorstädte sind sehr weitläufig gebaut.
Von den öffentlichen Gebäuden wollen wir zuerst die Kir-chen betrachten. Ehe Joseph 1b die Zahl der Kirchen undKlöster beschränkte, hatte Kuttcnberg 15 Kirchen und 3 Kapel-len ; gegenwärtig zählt cS nur noch 6 Kirchen und 5 Kapellen.Die großartigste ist:
Die Barbarakirche, von welcher eine Ansicht beilicgt.Wie so viele gothische Bauten des Mittclalters ist sie unvol-lendet, aber auch im gegenwärtigen Znstande kann sie mit derPrager Metropolitankirche in die Schranken treten, mit welchersie nicht nur im Aeußercn, sondern auch in ihren Schicksalenviele Achnlichkeit hat. An Beider Stelle standen ehemals un-ansehnliche kirchliche Bauten; Beide wurden in ihrer gegen-wärtigen Gestalt großartig angelegt, Beide mit denselben Mit-teln — mit kuttenberger Silber — erbant und Beide bliebenunvollendet! Wie an jener Stelle, wo jetzt die Prager Metro-politankirche steht, früher eine kleine, unansehnliche St. Vcits-kirche gestanden, so stand auf der Stelle der jetzigen St. Bar-barakirche eine hölzerne der heil. Barbara geweihte Kapelle,welche die Bergknappen erbauten und einen Kirchhof dabei an-legten, weil ihnen die Ktostcrgeistlichen von Sedletz i zu welchemSprengel sie damals gehörten) eine Grabstätte bei ihrer Kircheverweigert hatten. Da sich nach Erbauung dieser Kapelle unterden Bergleuten der Glaube verbreitete, daß keiner der Ver-ehrer der heil. Barbara aus der Welt scheiden könne, ohnedie heil. Sterbsacramente empfangen zu haben; so besuchtendiese Männer, welche Tag für Tag von der Gefahr einesplötzlichen TodeS bedroht waren, diefe Kapelle sehr eifrig undtrugen nach Kräften zu ihrer Vergrößerung bei.
Mit dem Bau der gegenwärtigen Kirche wurde um dasJahr 1300 begonnen und biö 1110 fortgefahren; der Ausdruck)der husitischen Unruhen unterbrach ihn bis 1183. Nach dieserZeit führten den Bau die auch durch Baudenkmale in Pragbekannten Architekten, der Präger Baccalaurens und Rektorder Tepnschulc, Mathias Repsek, und der Meister Beness vonLaun. Im Jahre 1518 mußte jedoch der Weitcrbau gänzlicheingestellt werben, weil das Wasser in die Tiefsten am Esel(dein reichsten Gange des Kuttenberger Bergwerkes) einge-drungen war, dieselben gänzlich ersäuft und somit die Mittelzur Vollendung der Kirche vernichtet hatte.
Die Barbarakirchc, durchaus von Quadern erbaut, erhebtsich auf der Südseite der Stadt frei auf einer Anhöhe, dieChorseite der offenen Landschaft zugewendet. Der gothischeStpl zeigt sich an ihrem Acusscrcn in seiner ganzen erhabenenHerrlichkeit. Zweiundzwanzig himmelanstrebeude Säulen wöl-ben sich zn kolossalen Spitzböge» zusammen, welche die Fensterdes Chores und Schiffes bilden. Um das Hauptgebäude hererheben sich mit ihren eigenen Dächern die Scitengänge zudessen halber Höhe. Aus der Aussenseite dieser Nebengängestreben obeliskenartige Steinsäulen von wunderbarer Form inden künstlichsten zackigen Spitzen empor und von ihnen schwingensich doppelte Stcinbogen, die in der Lust zu schweben scheinen,zu den Pfeilern des Hauptgebäudes hinüber, Eine verdeckteund zwei freie Wendeltreppen führen ans die beiden Galerien.Welch' ein phantastisches Schauspiel gewähren hier oben dieemporstarrenden Säulenspitzen, die kühnen, gekehlten und durch-brochenen Steinlauben, die unzähligen Verzierungen von Bild-säulen, abenteuerlichen Thiergestalten, Blumen und zierlichenSchnörkel! Zugleich hat man von diesem hohen Standpunkteeine entzückend schöne Aussicht.