anzuführen. Ein Mönch predigte nämlich zur gewöhnlichenZeit vor Ostern, anführend, wie der Sohn Gottes unschuldigerWeise von den treulosen Juden gemartert und getödtet wordensei. Alsbald ergriff ein Kriegsmann, dadurch zur fanatischenWuth aufgespornt, ein Crucifir und rief mit lauter Stimmedie Gemeinde auf, ste sollte vereint mit ihm die Schmachdes Heilandes rächen, er wolle ihr treuer Hauptmann sein.Alsbald stürzte sich die ganze Versammlung, die ohnehin denJuden mancherlei Bedrückungen wegen gram war, mit furcht-barer Wuth in alle Häuser der Juden, erschlugen ihrer zuTausenden und eigneten sich ihre Güter zu. Obschon dieserUnfug indessen ohne Wissen und Willen des Rathes geschehenwar, mußte die Stadt doch mehre tausend Gulden an denKönig für gebrochenen Burgfrieden zahlen. —
Unter den merkwürdigen Gebäuden, welche noch gegen-wärtig in Egcr zu sehen sind, zeichnen sich besonders folgendetheils durch ihren Bau, theils durch historisches Interesse ans:die Trümmer des alten Schlosses oder die Burg der Mark-grafen von Vohburg mit einem schwarzen antiken Thurme, inrustiken Quadern, wie der Römerlhurm in Lindau, von Lavenaus dem Kammcrbühl erbaut. Die Ruinen der kaiserlichenBurg mit herrlichen Säulen, Bogen und Zierrathen aus demBeginn der gothisch-deutschen Baukunst, welche dem eilften oderzwölften Jahrhundert anzugehören scheinen. Früher wohntehier ein königlicher Pfleger oder Burggraf von Eger und ineinem der Säle dieses Gebäudes wurde von dem OberstenButtler das Banket veranstaltet, bei welchem die Wallenstein'-schcn Feldherren zur Strafe ihres Verrathes an dem KaiserFerdinand II. fallen sollten. In sorgloser Sicherheit erschienenhier die drei Feldobersten Jllo, Terzky und Wilhelm Kinskyund mit ihnen Rittmeister Neumann, ein Offizier voller Fä-higkeit, dessen sich Terzky bei jedem verwickelten Geschäfte, dasGeist erforderte, zu bedienen pflegte. Man hatte vor ihrerAnkunft die zuverlässigsten Soldaten aus der Besatzung, welchemit in das Eomplot gezogen waren, in das Schloß eingenom-men, alle Ausgänge aus demselben wohlbesetzt und in einerKammer neben dem Speisesaal sechs Buttlcr'sche Dragoner ver-borgen, die auf ein verabredetes Signal hervorbrechen unddie Verräther niederstoßen sollten. Ohne Ahnung der Gefahr,die über ihren Häuptern schwebte, überließen sich die sorglosenGäste den Vergnügungen der Mahlzeit. Wallensteins, nichtniehr des kaiserlichen Feldherrn, sondern des sonverainen Für-sten, Gesundheit wurde aus vollen Bechern getrunken. DerWein öffnete bald die Herzen und Jllo entdeckte mit vielemUebermuth, daß in drei Tagen eine Armee dastehen werde, der-gleichen Wallenstein noch niemals angeführt habe. — Ja, „fielNeumann ein" und dann hoffe er seine Hände in österreichi-
schem Blute zu waschen. Unter diesen Reden wurde das Des-sert aufgetragen und nun gibt der Oberst Leslie das verab-redete Zeichen, die Aufzugbrücke zu sperren und nimmt selbstalle Thorschlüssel zu sich. Auf einmal füllt sich der Speise-saal mit Bewaffneten an, die sich mit dem unerwarteten Gruße:Vivat Ferdinandus! hinter die Stühle der bezeichneten Gästepflanzen. Bestürzt und mit übler Ahnung erfüllt, springen allevier von der Tafel auf. Kinsky und Terzky wurden sogleichniedergestochen, ehe sie sich zur Wehre setzen konnten. Neumannfand zwar Gelegenheit, während der Verwirrung in den Hofzu entwischen, wo er jedoch von den Wachen erkannt und so-gleich niedergemacht wurde. Jllo allein hatte Gegenwart desGeistes genug, sich zu vertheidigen. Er stellte sich an ein Fen-ster und erst nach der tapfersten Gegenwehr, nachdem er zweiseiner Feinde todt daln'ngestreckt, sank er, überwältigt von derZahl und von zehn Stichen durchbohrt, zu Boden. Kurz dar-auf fiel auch der gewaltige Wallenstein wehrlos in der noch,heute bestehenden Bürgermeisterswohnung und Heer und Reichwar für Ferdinand wieder gewonnen.
So allbekannt diese Ereignisse auch durch die Geschichtesind, so ist es doch bei einer Monographie der Stadt Egcr, inwelcher diese so wichtige und folgenreiche Begebenheit vorfiel,unerläßlich, ihrer kurz zu gedenken, da alle Gebäude, ja derName der Stadt allein, sie uns zu lebhaft in's Gedächtnißrufen. Merkwürdig ist noch das alterthümliche trefflich-gebauteRathhaus mit sechs herrlichen Sälen und ebenfalls vielen hi-storischen Erinnerungen, da hier vor Zeiten ein großer undangesehener Rath mit vier Bürgermeistern bestand, der nachlange hergebrachten Rechten und Gebräuchen Rath sprach undvon welchem nur an den König allein zu appeliren war, aucheine eigene Münzgerechtigkeit besaß. Auch befindet sich hiernoch eine bedeutende Sammlung alter Bücher und einige histo-rische Gemälde, welche Wallensteins und seiner Anhänger Todvorstellen und in der Folge von Matthäus Merian in Kupfergestochen wurden. Unter mehren Kirchen ist die alte Kirchezu Unsern Frauen, die vor Zeiten eine Synagoge gewesen seinsoll, dann die Pfarrkirche zu St. Niklas und endlich die alter-thümliche St. Martins- und Erhards-Kapelle höchst merkwürdig.Das sehr feste Gebäude der Letzteren hat jedoch durch dieNässe schon sehr gelitten und hätte zu Grunde gehen müssen,wenn sie nicht durch ein Dach geschützt worden wäre. Esist ein längliches Viereck, aus Kalkschiefer erbaut, welcherfast wie versteinertes Holz aussieht; Erker, Thürmchen und Ge-simse sind von festem Granit, das runde Gewölbe stützt sichauf vier massiven Säulen und eine Wendeltreppe führt znmobern Stockwerk mit einer spitzen Wölbung, auf schlankenSäulen von weißem Marmor ruhend. Die Verzierungen und