Mail hat die ganze Straße die von Eger nach Franzcns-brunncn führt, von den hier gegrabenen Schlacken gebant,welche besonders des gebrannten Thones wegen, der alle Feuch-tigkeit schnell in sich zieht und dadurch die Straße immer trockenerhalt und nach und nach sehr consolidirt, zu diesem Zweckevorzüglich brauchbar erscheinen. Allein die leichte Zerwcichungdieses Thones und der dadurch immer schnell entstehende äußerstfeine und ganz schwarze Staub war Ursache, daß man seitmehren Jahren zu jenem Zwecke ein anderes Material ver-wendet, welches der Straße die nämliche Festigkeit und Tro-ckenheit verschafft, ohne das Unangenehme des zu häufigenschwarzen Staubes mit sich zu führen.
Das aufgeschwemmte Land findet sich bei Delitz, Obcrn-dorf zc. im Tuffstein; bei Wildstein im Lehm-, Thon-, undSaudland; das bituminöse Holz benutzt man bei Müklbachans Alaun, das Moorland zieht sich eine weite Strecke aufSchladabach hin. Diese kleine Landstrecke, von der Natur mitgesunder Luft und gutem Boden begabt, wird von einem der-ben und kräftigen Menschenstamme bewohnt, welcher in jenerwilden Zeit der Religionsstürme, die das Reich zcrrißen, plötz-lich von der katholischen zur protestantischen Religion übertrat,jedoch in der Folge fast gänzlich wieder zur ersten zurückkehrte,so daß gegenwärtig nur eine unbedeutende Zahl Einwohnerder augöburgischen Confession zugethan ist.
Die vorzüglichste Beschäftigung der Einwobuer des Egerbe-zirks ist: Pferde- und Hornviebzucht, wie auch Feldbau undman muß ihnen nachrühmen, daß sie in dieser Hinsicht Grundund Boden wohl zu benutzen verstehen. Baumzucht ist aberfast gar keine vorhanden, da der Egerer Bauer sonderbarerWeise an einer Art Vaumscheu zu laboriren scheint, weshalbes auch bis jetzt nicht möglich war, Alleen aufzubringen, ob-schon der Boden wohl dazu geeignet wäre, der allenthalbeneine treffliche Vegetation zeigt und woselbst man reiche Aus-beute an wildwachsenden, mitunter arzneikräftigen Pflanzenfindet.
Einzelne Bauernhöfe sowohl, als auch ganze Dörfer desEgerbezirks sind mit Ziegeln gedeckt und haben ein reichlichesund stattliches Ansehen. Dabei bleibt der Landmannn nochgrößteuthcils seiner alten Tracht und der schwarzen Farbe ge-treu. Die Weiber tragen sogar schwarze Strümpfe und zumvollen Anzug, schwarze, gestreifte Pclz-Evrsets. Die Bauernbedienen sich im Winter vorzugsweise dunkler Schafpelze. ImFall einer Trauer winden die Männer ein Stück schwarzenFlors um ihre runden Hüte, die Weiber bedecken sich mit ei-nem langen Stücke weiser Leinwand. Die Egerländer scheinenibre ganz eigene Nationaltracht aus dem Altcnburgischcnbergebracht zu haben, die runden Hüte sind groß mit breiten,
etwas herabhängenden Krempen, die Beinkleider sind weit undkurz aber hoch an die Brust reichend, die Hosenträger breit.Besonders bei Hochzeiten ist ihre Kleidung recht originell. Unteribren Tänzen hat der sogenannte Trischlag etwas ganz Eignes.
Ibre Gebräuche bei Verlöbnissen, Hochzeiten und Begräbnissensind ganz altfränkisch und so allegorisch als es die rohe Culturund der gesunde Sinn dieser Gebirgsbewohner nur immer er-lauben mag.
Die königliche Stadt Eger selbst liegt auf einem Felsenam rechten Ufer des Egerflußes mit 4 Thoren, 79l Häusern und9,465 Einwohnern. Ehemals war Eger eine wichtige Festungund spielte in mehren Epochen der böhmischen Geschichte einebedeutende Rolle, merkwürdig durch mehre wichtige Landtage,die hier gehalten wurden, ihre feste Treue gegen die Herrscherwährend der Gräuel der Hussittenkriege und den gewaltsamenTod des berühmten Fricdländers, Albrecht Wallenstein. Ge-genwärtig sind die Festungswerke fast alle abgetragen und dieGräben werden nach und nach verschüttet und in anmuthigePromenaden verwandelt. Die Zeit der Erbauung der Stadt,welche schon der seiner Zeit hochberühmtc Cosnograph SebastianMünster (schrieb um 1540) unter den böhmischen Städten nichtdie geringste nennt, liegt im Dunkel, woran wohl die furcht-bare Feuersbrunst Schuld haben mag, die den 16. Mai 1270Eger bis auf den Grund zerstörte und bei welcher nichtnur über 150 Personen umkamen sondern auch alle Urkun-den, Privilegien, nebst vielen andern Schätzen und Gütern denFlammen zum Raub wurden. Unter Kaiser Ludwig dem Baierwurde Eger zur Reichsstadt erhoben und alte Schriftstellerrübmen sie zu dieser Zeit als eine männlich feste Stadt mitvielen hohen und festen Thürmen, die zum Theil an den Mauernstehend, zum Theil hin und wieder durch die Stadt bis andie Kirchen zerstreut liegen, mit festen, starken Basteien, herr-lich weiten Zwingern, dick und hohen Mauern, einen gefütter-ten weiten Graben, also daß Eger keiner andern Stadt weichenmag, man sehe gleich an der Herrlichkeit der Gebäude, oderZier und Pracht der Kirchen, Weite der Gassen, ordentlichenPolizei, eines ehrbaren weisen Rathes höchste Fürsichtigknt,Mannheit und gegen die Untcrtbanen Sanftmütbigkeit, oder desgemeinen Volks Freundlichkeit und ebrbaren Wandel. (Soweit aus der Chronik des gekrönten Poeten: Caspar Bruschum 1500 verfaßt.) Auch soll nach derselben Quelle seit un-vordenklichen Zeiten in Eger so vortrefflicher Meth bereitetworden sein, daß dessen Gleichen an Lieblichkeit, Süßigkeitund Kraft an keinem Orte durch ganz Deutschland gebraut !wurde.
Unter den merkwürdigen Begebenheiten, die sich in ältererZeit zu Eger zutrugen, ist besonders der große Judenmord 1350