Druckschrift 
3 (1842)
Entstehung
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Knälife der Säulen, welche einzeln oder paarweise stehen, be-sonders der obern sind reich, und auf denselben wechselt Laub-werk mit mannigfaltigen Gestaltungen von vicrfüßigen Thieren,Vögeln und Zwergen ab. Der dunkle aus lauter Quadersteinerbaute äußerst feste Thurm soll, nach vielen Behauptungen,ein römisches Bauwerk sein, woran jedoch viele Kenner wie-der zweifeln.*)

In Eger befindet sich ein Gymnasium, eine Hauptschule,ein Militair-Knabenerziehungshaus, ein Spital für 26 arme,alte Männer und Weiber, ein Vruderbaus für 12 arme Män-ner, ein Waisenhaus und ein Krankenspital, und überdieß nochaußer der Stadt drei kleine Armenhäuser für beide Geschlechter.Von größeren Gewerbsanstalten find hier eine Zitz- und Kat-tunfabrik, eine Bleichfabrik, eine Tuch- und Casimirfabrik, undeine vortheilhaft bekannte Wasserschlauchfabrik zu Feuerspritzenund Wassereimern. Auch wird die hier verfertigte Seifegerühmt.

Die Stadt hat zwei gute Gasthöfc, zur Sonne und zuden zwei Prinzen, eine von der Regierung bewilligte Leihbi-bliothek und in der Bruckthorvorstadt ist ein geschmackvoller eng-lischer Garten dem allgemeinen Vergnügen gewidmet. Unter-halb des Schlosses wohnte zwischen Laub und Blumen, in einemkleinen freundlichen Häuschen der Scharfrichter Carl Huß, indem sein rauher Beruf den Sinn für Wissenschaft und Kunst,so wenig schwächte, daß er sein kleines Locale ganz mit Samm-lungen von Natur- und Kunstproducten angefüllt hatte. Erbesaß Steine, Muscheln, Jnscckten, alte Waffen, Manuscripte,Bilder und eine recht artige Münzensammlung. Dazwischenhing, sorgsam verwahrt das drohende Richtschwert. Vor Kur-zem aber hat der k. k. Hof- und Staatskanzler, Fürst von Met-tcrnich, dem wackren Manne seinen ganzen Kunstschatz füreine Leibrente von 300 fl. abgekauft. Vorzüglich merkwürdigdürfte darunter eine alte handschriftliche Chronik von Eger sein.

') Daß Eger einst eine römische Niederlassung gewesen sei, ward vonmehren alten Geschichtswerken glaubhaft versichert, obschon sich manchederselben in gewagte Hypothesen verwirren. So z. B. nennt schonPtolemäus in seiner Geographie eine Stadt Monosyades im oberenNariscien sNordgau), woraus Pirckheimer muthmaßt es sei Eger.Vollkommen Beglaubigtes findet sich aber in dieser Hinsicht nichts vor.

Die Stadt ist ziemlich weitläufig gebaut und trotz deransehnlichen Bevölkerung und dem Gymnasium, nur wenigbelebt; die Einwohner find zu betriebsam, um sich viel auf denStraßen herumzutreiben, nur des Sonntags findet man sie inden Umgebungen des Sicchhauscs versammelt, welches unge-fähr eine halbe Stunde von der Stadt, am südlichen Ufer derEger, in einem höchst anmuthigen Wäldchen liegt, wohin eineschöne Allee führt. Ein Jägerhaus empfängt die Wandler,die der frischen Luft genießen wollen und bietet ihnen Er-frischungen, den Tanzlustigen aber eine muntere Musik dar,so wie der Freund der schönen Natur in dem anstoßen-den Kieferwäldchen die ergötzlichsten Uebersichtspunkte auf dieStadt und den Lauf der Eger findet. Von hier aus führt einWaldpfad ganz sanft auf den Annabcrg mit seinem stattlichenKloster, welches vom ganzen Egerlande gesehen wird und vonder Stadt Eger als Erfüllung eines Gelübdes zur Pestzeit er-baut worden sein soll. Noch jetzt werden zum Annenfeste häu-fige Wallfahrten hierher angestellt. Die Aussicht ist sehr schönnoch einladender aber auf dem nachbarlich gelegenen Grünberg.Von da aus liegt das ganze gesegnete Egerland, wie ein Tep-pich zu den Füßen des Beschauers ausgebreitet, reich geschmückt,mit Dörfern, Kirchen, Kapellen und einsamen Waldgcbäudenmitten darin erbebt sich die alte Stadt Eger mit ihren schwar-zen Thürmen, Warten und Ruinen und dahinter die freundlichrothen Dächer des Franzenbades, im Hintergrund die schönenvoigtländischen Gebirge. Rings um die Stadt giebt es dieangenehmsten Spaziergänge, die nächsten Umgebungen sind sehrreizend wurden jedoch schon zum größtentheile unter Franzcnsbadbesprochen.

In der Gegend von Wildstem und Haslau werden vieleBaumwollenwaarcn verfertigt. Südlich von Eger trifft manam Muglbache den Ort Alt Liesberg und dabei auf einer An-höhe die von den Jesuiten erbaute schöne Wallfahrtkirche St.Loretto.

Endlich ist noch zu erwähnen, daß die Brunnen von Fran-zensbad Eigenthum der Stadt Eger find und die Versendungderselben seit mehren Jahren an einen Privaten mittelst Pachtüberlassen wurde. Man gibt die Zahl der Krüge, welche jedenSommer versendet werden, auf 180,000 an, wofür die Stadtansehnliche Summen bezieht.