G g e r.
-!)ie alte, ansehnliche und mehrfach historisch berühmteStadt Egcr (böhmisch Chcbbe), ist der Hauptort des kleinenEgerbezirks, einem Theile des Elbognerkreises, dessen Gränzendie Dörfer Fleußen gegen Norden, Fickcrei gegen Westen, Ul-lersgrim gegen Süden und Frauenreut gegen Osten machenund der überhaupt die äußerste Gränze gegen Baicrn bildet.Wie bereits bei dem Artikel Franzensbrunnen erwähnt, bildeteder Egerbezirk seit grauen Zeiten eine selbstständige Herrschaft,die nach verschiedenen Wechselfällcn 1312 König Johann vonBöhmen von Kaiser Ludwig dem Baier als Entschädigungfür die 2V,WO, nach Andern 40,000 Mark Silbers erhielt,die er ihm geliehen, um ihn gegen seinen Nebenbuhler, Friedrichdem Schönen von Oesterreich, zu unterstützen, seit welcher Zeites mit Böhmen verbunden blieb und einen eigenen Distrikt desElbognerkreises bildet. Nach aller Wahrscheinlichkeit war derganze Bezirk in der Urzeit ein See, dessen Gestade die Egerzwischen Kulm und Königsberg durchbrach und nun nach demtiefern Elbthale hinabströmte, nur Sand, Thonlager und Moor-land blieben nach Ablauf des See's, der vor undenklicher ZeitStatt fand, zurück. Die höchsten Punkte dieses Bezirks sindgegen Norden der Kapellberg bei Schönberg und der Mittel-berg bei Himmelreich, gegen Westen der Plattcnberg bei Lic-benstein, gegen Süden der Dillcnberg bei Ullersgrim, derKohlwald und der Allerrenterberg und gegen Osten der Kul-merberg. Sie bestehen mit Ausnahme des Letzteren, der ausSandstein und Schieferthon gebildet ist, aus Urgebirge; dieEbene aus angeschwemmtem Lande.
Der vorzüglichste Fluß, von welchem der Bezirk auchseinen Namen erhalten hat, ist die Eger, die im baierischenObermainkreis am Fuße des Schnecbergs, des höchsten der
Fichtelberge, unfern Weißcnstadt, entspringt, von Westen nachOsten laufend die Stadt Eger bespühlt, den Elbogner und Soa-zer Kreis durchströmt und bei Leitmeritz in die Elbe fällt.
Dieses Ländchcn, welches, wie vorhin angegeben von Ge-birgen umschlossen ist, zeigt mehre Urgebirge, flötz- und pseu-dovulkanisches Gcbirg auf. Der Granit bildet das nördlicheGebirge um Schönberg und Wildstein; bei Licbenstein, Vor-dursrenth, Altenteich u. s. w. wird er von andern Gebirgs-arten bedeckt und erscheint da nur an den tiefern Punkten.Bei Haslau findet sich in ihm, als Lager, oder vielmehr alsStückgebirge der Egranfels,- der größtentheils ans dem Egranbesteht und Granit, Quarz, Tremolith, Feldspath und eineSpur Jchthiophthalcn zu Begleitern hat. Der Gneuß liegt ander Fickcrei und bei Seebcrg auf, wo er mit seinen Felsen einenengen Abgrund bildet, durch welchen der Secbach fließt. DenGlimmerschiefer findet man bei Frauenreut, am Dillcnbergund einigen andern Orten. Der Thonschiefer zeigt sich in dentiefsten Punkten an der Egcr und bildet den ganzen Annaberg.An Flötzgebirgen findet man: den Sandstein bei Katzengrünund Maria-Kulm; den Basalt am Kammcrbühl, am Wen-drafluße und am Plattcnbcrge. Pseudovulkanischcs Gebirge istder Kammerbühl, welcher Erdschlackcn und halbgebrannte Thoneaufzeigt, ein Ucbcrbleibsel eines ehemaligen Erdbrandcs, wahr-scheinlich durch Entzündung dasiger Steinkohlenflötze entstanden.Ueberhaupt verdient der kaum eine halbe Stunde von Egerentfernte Kammerbühl von keinem Liebhaber merkwürdiger Na-turerscheinungen unbesucht gelassen zu werden. Das sogenannteZwergenloch, der Krater, verdient wohl diesen Namen nicht mehr,da es durch das Graben nach Erdschlacken so sehr erweitertworden ist, daß es durchaus nichts zwcrgenähnliches mehr hat.