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3 (1842)
Entstehung
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wurden erst um die Mitte des vorigen Jahrhunderts allgemei-ner benützt. In ihrer gegenwärtigen Gestalt bestehen sie erstseit dem Jahre 1802. Das Hauptgebäude enthält 2 gemein-schaftliche und 14 Special-Bäder. Auch rechnet man zu denSteinbädern die unweit davon gelegenen 6 Tempelbäder,welche aber ihre besondere Quellen haben. Die Temperaturaller dieser Quellen ist 2K° bis 31° R.

Die Sch lange nbäder liegen weiter nordöstlich von denSteinbädern, und gehören der Gemeinde von Schönau. IhreTemperatur ist 29" bis 32° R. Sie waren noch bis zum Endedes vorigen Jahrhunderts sehr vernachlässigt und blos mit einerBretterwand umschlossen. Das jetzige schöne Gebäude ist erstin den letztern Jahren errichtet worden. Noch weiter nordöst-lich befinden sich links am Wege nach dem Schloßberge die derHerrschaft gehörigen, ebenfalls erst in neuerer Zeit nach Ver-dienst gewürdigten Schwefelbäder, von 31° 75 bis 34° R.Das vom fürstlichen Besitzer erst kürzlich in den Jahren 1839und 1840 aufgeführte Gebäude, das Neubad genannt, dürstean Schönheit wohl von keinem andern weder in Teplitz nochin Schönau übertroffen werden. Es enthält zugleich sowohlim Erdgeschosse als im obern Stockwerke verschiedene Woh-nungen zur Aufnahme von Badegästen.

Das nördlich von den Schlangenbädern gelegene k. k.Militär-Spital ist ein großartiges Gebäude mit zwei Seiten-flügeln, welches in den Jahren 1804 bis 1808 auf kaiserliche Ko-sten, zum Theil anch mit Beiträgen verschiedener hoher Perso-nen, zum Besten des die Teplitzer Heilquellen besuchenden kai-serlichen Militärs errichtet worden ist. Hier können zu gleicherZeit 300 Kranke, und da im Durchschnitte ein Monat füreinen Kranken hinreicht, während der viermonatlichen Kurzeitwenigstens 1200 Kranke bequem Unterkunft finden, und vonder wohlthätigen Anstalt Gebranch machen. Jeder Kranke hatsein eigenes Bett und im oberen Stockwerke sind besondereWohnungen für Offiziere. Zwei Marmortafeln zu beiden Sei-ten des Haupteinganges enthalten die Namen der hohen Per-sonen, welche sich um die Anstalt verdient gemacht haben.

Was die Privatgebäude des Dorfes betrifft, so befin-den sich die größten, schönsten und gesuchtesten in Ober-Schönauund sind erst in neuerer Zeit, seit 1814, entstanden. Zwei Rei-hen erstrecken sich zu beiden Seiten des Baches vom unternEnde der Mühlstraße bis zu den Steinbädern und zum Wegenach dem Schloßberge, wo mit dem fürstlichen Neubade undam Militär-Spitale zwei andere sich unter rechten Winkeln an-schließen und nordwärts bis an der Turner Park fortziehen.Unter-Schönau beginnt am Ende der Mühlstraße, beim Neptun,jenseits der Brücke und erstreckt sich links am Bache zu beidenSeiten der Lcitmeritzer Chaussee südostwärts, enthält aber nureinfache Dorfhäuscr, die in der Regel nicht von Kurgästen ge-sucht werden. Hinter diesem Theile des Dorfes zieht sich amrechten Ufer des Baches und am Fuße des Spitalbergcs eine nochzur Stadt gehörige Häuserreihe hin, die Sandgasse genannt,welche höchstens nur für unbemittelte Kranke Wohnungen darbietet.

Die Zahl der Kurgäste und anderer Fremden, welchetvährcnd der Sommermonate Teplitz besuchen, kann zusammenwenigstens 8000 betragen. In manchen Jahren ist sie auf>0- bis 12000 gestiegen. Am größten war sie, freilich nurals Ausnahme, im Jahre 1813, wo nach der Schlacht vonKulm das Hauptquartier der drei hohen Verbündeten, der Kai-ser von Oesterreich und Nußland und des Königs von Preu-ßen, nach Teplitz verlegt wurde. Auch der Sommer 1835war in Folge der Anwesenheit Sr. Maj. des jetzigen Kaisersvon Oesterreich und des Kaisers von Rußland, durch eine un-gewöhnlich starke Frequenz ausgezeichnet. In gewöhnlichenJahren kommen die ersten Gäste im März, April und Mai.

Am stärksten ist der Besuch im Juli und August; aber auch imSeptember und Oktober treffen, bei der in der Regel ange-nehmen Herbstwitterung, welcher sich Böhmen erfreut, noch im-mer Fremde ein. Viele Karlsbader und Marienbader Kurgästenehmen den Rückweg über Teplitz und mehre brauchen die hie-sigen Bäder als Nachkur. Da sich in Teplitz mehre Land-straßen kreuzen, namentlich die große Haüptpoststraße vonDresden nach Prag und Wien durchgeht, so giebt diesvielen Reisenden, die außerdem Teplitz nicht zum Ziele ihrerWanderung gemacht haben würden, Veranlassung, sich wenig-stens bei Gelegenheit der Durchreise einen oder auch mehreTage hier aufzuhalten. Unter den Kurgästen sind beinahe dieHälfte Ausländer, am zahlreichsten Sachsen und Preußen.

Die Summen, welche die Kurgäste und Fremden in Um-lauf setzen, bilden das vornehmste Einkommen der Teplitzerund Schönauer Einwohner. Sehr viele, besonders die Schö-nauer Hausbesitzer leben fast einzig von dem Zinsertrag derHäuser. In Teplitz besitzen mehre Bürger auch landwirth-schaftliche Gründe, die meisten aber sind Gewerbsleute, welcheneben der Hausmiethe auch durch den Betrieb ihrer Professio-nen ihr Einkommen vermehren. Nicht minder tragen die Jahr-märkte, deren jährlich vier stark besuchte gehalten werden, sowie die Wochenmärkte, zum Wohlstande der Einwohner bei.

Ein nicht unbeträchtlicher Theil des von den Fremden inTeplitz verzehrten Geldes findet seinen Weg in die nächstumliegenden Dörfer der Herrschaft, welchen sich hier denganzen Sommer hindurch Gelegenheit zum Absatz ihrerlandwirthschaftlichen Erzeugnisse darbietet. Viele Ortschaftenin der Umgebung sind entweder Belustigungsorte oder siebieten besondere Merkwürdigkeiten dar, welche die Fremdenzum Besuch einladen. Wer Krankheitshalber oder wegenzu weiter Entfernung den Weg nicht zu Fuß machen kann,findet in Teplitz und Schönau eine Menge Mieth kut-sch er zu seiner Verfügung. Besonders sind in neuerer Zeitzahlreiche Gesellschafts wagen entstanden, welche für einenmäßigen festgesetzten Preis, nach allen merkwürdigen Punktenihre Fahrten machen. Eine nähere Schilderung der verschie-denen Belustigungsorte und anderer Sehenswürdigkeiten in derNachbarschaft von Teplitz kann hier nicht Statt finden und esmuß deshalb auf die besondern Schriften über diesen Kurortverwiesen werden, an welchen die geographische und medicinischeLiteratur ungemein reich ist. Wir begnügen uns die Namenderselben aufzuführen: der fürstliche Park und das Wirths-haus in Turn; die fürstliche Fasanerie, hinter Prasetitz;der Schloßberg mit seiner sehenswerthen Burgruine; die(Obere) Bergschenke, in Neudörfel auf dem Wochholderbergedas Dorf Sedenz; der fürstliche Park in Probstau, derfürstliche Thiergarten m Dopperlburg; das DorfEichwald; der Louisenfelsen; das ehemalige KlosterMariaschein; die Bcrgstadt Graupen mit der Wil-helmshöhe; die Dörfer Prieften mit dem russischenDenkmahl, Kulm mit dem Schlachtfelde vom 30. A ugust1813 und Arbesau, mit dem preußischen und dem öster-reichischen Denkmahl; das fürstliche Lobkowitzsche DorfKosten mit dem Thiergarten; das Cistercienser - StiftOsfegg; das gräfflich Waldsteinsche Schloß in Dur, und derPark dabei; die fürstliche Lobkowitzische Stadt Bilin; dasgräflich Lcdeboursche Schloß in Krzemush, sammt Garten;der Mile schauer (oderDonners-) Berg; endlich die anderElbe gelegenen bis vier Meilen entfernten Städte Tetschenund Außig.

Man kann mehre Wochen in Teplitz verweilen nnd fast je-den Tag eine andere Lustfahrt machen. Uebrigens ist die ganzeGegend ein einziger großer Garten.