platz, westlich ein anderer in die Badgasse und rechts in dieJudengasse, welche mehre hübsche Privatgebäude enthält,nördlich ein Gartenthor ins Freie, auf die Chaussee und überdiese hinweg auf den Judenberg mit dem jüdischen Begräbniß-platze, oder entweder links zum Graupncr Thore, oder auchrechts nach Schönau. Oestlich gelangt man ebenfalls durchein Gartenthor in die Mühlstraße und auf den Mühlplatz.
Die ansehnlichsten Privatgebäude der Stadt befindens ich am Schloßplatze, (;. B. das Haus zum Princ e-de Ligne)dann in der von diesem zum Marktplatze führenden Langen-Gasse (die Apotheke, die Post :c.) ferner am Badeplatze (zumEnglischen Gruß) und in der Mühlstraße (zum Kaiser vonOesterreich, zum Kaiser von Nußland, zum Preußischen Hofe :c.)Mehre Privathäuser sind stark besuchte und empfehlenswcrtheGasthäuser, namentlich in der Langen-Gasse die Stadt Lon-don, das weiße Roß, der goldene Hirsch, die Post unddie Eiche, am Mühlplatze der König von Preußen unddas Teutsche Haus, Letzteres jetzt zu einem „Kaffee-Salon"umgeschaffen; in der Mühlstraße der Felsenkeller, derRömische Kaiser und der Neptun. Man speist in allendiesen Gasthäusern nach der Karte; nur in der Post findet,wie auch in dem oben erwähnten Gartensaale, 1'able ä'Iiäte Statt.Fast die Hälfte der jetzigen Gebäude ist neuer Entstehung underst seit dem furchtbaren Brande, welcher im Jahre 1793 inder Nacht vom t. auf den 2. Juni 155 Häuser und II Scheuernin Asche legte, errichtet worden. In den letzten Jahren sindauch außerhalb der Stadt, vor dem Wald und Graupner-Thore, so wie längs der Linden-Gasse hinter dem Frauen-Brunnen-Gartcn, viel neue Häuser entstanden.
Außerhalb der Stadt liegt auf dem Spitalberge das derSchützengesellschaft gehörige Schießhaus, zu welchem man aufdem kürzesten Wege aus der Stadt durch die Kirchengasse, amuntersten Theile des Schloßgartens vorüber, gelangt. Es wirdhier sowohl mit Fenergewehren nach der Scheibe, als auchmit der Armbrust nach einem hölzernen Vogel geschossen. Auchist ein Kaffeesaal und ein Billardzimmer vorhanden. DieSchützengesellschaft besteht seit 1552 und besitzt unter anderneinen großen Reichthum an silbernen Pokalen und andern kost-baren Gegenständen, welche ihr der letzt verstorbene KönigFriedrich Wilhelm III. von Preußen verehrt hat. DieserMonarch pflegte bekanntlich seit dem Jahre 1829 bis 1839,das Jahr vor seinem Tode, jeden Sommer unter dem Jncog-nito des „Grafen von Ruppin" Teplitz als Kurgast zu be-suchen und nahm häufig an den Vergnügungen des Scheiben-schießens Theil. Er brachte mit seinem ansehnlichen Gefolgenicht nur selbst große Geldsummen in Umlauf, sondern seineAnwesenheit lockte auch viele andere Fremde herbei. Um dasAndenken an den hohen Verblichenen zu ehre», hat ihm diedankbare Tcplitzer Stadtgcmeinde im Jahre 1841 ein Monu-ment errichtet, welches am 3. August, dem Geburtstage Wail.Sr. Majestät mit großer Feierlichkeit enthüllt wurde. DiesesDenkmal erhebt sich unweit vom Schießhause, am Rande desSpitalberges, so daß es fast überall in und außerhalb derStadt weithin gesehen werden kann. Es besteht aus einemvierseitigen steinernen Piedestal, welches an der nach der Stadtgerichteten Vorderseite die als Basrelief gearbeitete vergoldetegußeiserne Büste des Königs nebst einer lateinischen Inschriftoben aber eine Weltkugel enthält, auf der sich ein geflügelterGenius, gleichfalls von Gußeisen, vorwärts beugt und mit bei-den Händen einen Lorbeerkranz über die Büste hält.
Unweit östlich vom Königs-Monument und vom Schieß-hause steht einsam auf dem Plateau des Spitalberges diesogenannte Schlacken bürg, ein in fantastischem mittelal-terlichen Stpl aus Schlacken, Ziegeln und Steinen errichtetesGebäude mit einer Lainers obsours und einer Bier- und
Kaffeewirthschaft. Wegen der schönen Aussicht wird sie, wieauch aus demselben Grunde das Schießhaus, den ganzen Som-mer hindurch von Einheimischen und Kurgästen fleißig besucht.
Von der Lindenstraße hinter dem Frauenbrunnen-Gartenführen zwei, sich weiterhin vereinigende Wege nach Ober-Schönau, beide am christlichen Gottesacker vorüber. Ueberdem Thore des Letzter» stehen die bedeutungsvollen Worte:„Eingang zur Ruhe." Unter den Einheimischen ruht auchmancher Fremde, der Genesung zu holen aus weiter Ferne znden hiesigen Thürmen pilgerte, namentlich fand der teutsche Dich-ter Johann Gottfried Seume, den im amerikanischenUnabhängigkeitökampfe an den Ufern des Ohio und des Po-towmak die Kugel des Britten und die Slreitart des Wildenverschont hatte, hier am 13. Juni 181«) das Ende seines wech-selvollen Lebens. Ein flacher Stein mit dem Namen desVerstorbenen deckt seine Gebeine und eine von freundlicherHand gepflanzte Eiche beschattet das Grab. Die kleine Kreuz-Kap elle in der Mitte des Gottesackers, dient als Begräb-nißkirche für die Seelenmessen.
Weiter östlich vom Gottesacker führt ei» Fußweg sanftansteigend nach dem Mont Ligne, einer schroff gegen Schönauabfallenden Anhöhe, welche sonst der Spitzberg hieß und einvom verstorben Fürsten de Ligne, Schwiegervater des FürstenJohann Nepomuck von Clarp, erbautes Lusthaus enthielt, das imJahre 1813 während der Schlacht bei Kulm zerstört wurde.An die Stelle desselben ist ein nettes steinernes Gebäude ge-treten, welches ein Kaffeczimmcr enthält und wegen der hüb-schen Aussicht, besonders nach Schönau, dem Mittel- und demErzgebirge, stark besucht wird.
Wenn man auf dem oben bezeichneten Wege von der Lin-dcnstraße aus, nach Obcr-Schönau geht, so kömmt man zuvör-derst an fünf Wohlthätigkcitsanstalten vorüber. Diesesind: das Bürgerspital, das Johnsche Spital, daskön. preußische und das kön. sächsische Militär-Ba-deinstitut und das israelitische Spital. Das Bür-gerspital ist seit 1807, hauptsächlich auf Anregung des imJahre 1814 verstorbenen Tcplitzer Badearztes, Dr. John,durch wohlthätige Spenden von Einheimischen und Fremden ent-standen, das jetzige Gebäude aber erst 1821 vollendet worden.Es besitzt ein ansehnliches Vermögen, von dessen Zinsen, wie voneinige» andern Zuflüssen, 24 Pfründler unterhalten werden. DasJohnsche Spital ist für arme fremde Kurbedürftigcbestimmt und verdankt seine Entstehung dem vorerwähnten Dr.John, welcher schon 1799 Sammlungen dafür zu machen be-gann. Das Vermögen dieser Anstalt, welche 42 Betten ent-hält und im Durchschnitt jährlich an 290 Kranke aufnimmt, be-läuft sich auf 49999 Fr. und wird durch Sammlungen unterden Kurgästen fortwährend gesteigert. Die beiden fremden Mili-tär-Institute bestehen, das sächsische seit 1894, das preußische seil1829. Jenes enthält 15, dieses 23 Betten. Beide sind ansKosten ihrer resp. Regierungen gegründet und werden auchvon diesen unterhalten. Das israelitische Spital fürarme kurbedürftigc, sowohl einheimische als ausländische Jsrae-liten hat die Tcplitzer Gemeinde ihres Glaubens gestiftet undbestreiket die Kosten ihrer Unterhaltung. Alle diese Anstaltenhaben sich zahlreicher, zum Theil sehr bedeutender Unterstützun-gen sowohl von Einheimischen, namentlich von der fürstlichenObrigkeit, als von Fremden zu erfreuen. Unter den Letzterenwurde bis 1839 als der vorzüglichste Wohlthäter Mailand Sr.Maj. der König von Preußen verehrt.
Die vornehmsten Merkwürdigkeiten von Schönau sinddie Stein-, Schlangen- und Schwefelbäder und dask. k. öfterr. Mi litär-K ranke nspital.
Die noch auf städtischem Grunde liegenden Stein bäderwaren in früheren Zeiten gänzlich vernachlässigte Quellen, und