Druckschrift 
3 (1842)
Entstehung
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von Clary vermählte Schwester Anna. Letztere hatte schonfrüher die Anwartschaft auf diese Besitzungen, und zwar unterder Bedingung erhalten, daß das Clarpsche Geschlecht in Zu-kunft den Namen des mit dem Bischof Paul erloschenen Ge-schlechtes Aldringcn dem Seinigen beifügen sollte. Unter desGrafen Hieronymus von Clarp Sohne Franz Karl wurdenTeplitz und Graupen von Bcnsen getrennt und zu einem Fidei-commiß erhoben, dessen Erbe 1751 sein Sohn Franz Wen-zel war, der 1767 in den Rcichsfürstcnstand erhoben wurde.Gegenwärtig besitzt die Herrschaft Fürst Edmund Moritz vonClarp und Aldringcn, der sie nach seinem 1831 verstor-benen Vater Karl, Fürsten von Clarp und Ald ringen über-nommen hat.

Wenden wir uns nach diesem kurzen historischen Ueberblickder Herrschaft Teplitz zur Betrachtung der Stadt selbst. Diesehat sich im Laufe der Zeit allmählig erweitert und verschönert,aber mehr noch hat sich, besonders seit dem Kricgsjahre 1813das Dorf Schönau gehoben, wo nur noch eine kleine Zahl vonGebäuden ein dorfmäßigcs Ansehen verräth, der übrige Theilaber ein so städtisches Gewand angelegt hat, daß er in Ver-bindung mit der anmuthigen Lage und der Nähe des Stein-,Schwefel- und Schlangenbades, beim Beginn der Kurzeit diezuerst ankommenden Badgäste vorzugsweise an sich lockt. Auchden ganzen Sommer hindurch sind die Schönauer Wohnungenstets sehr gesucht, während einzelne Theile der Stadt, wie dieGraupner und noch mehr die grüne Ringgasse großentheilsunbesetzt bleiben.

Die Stadt hatte ehemals eine Ringmauer und drei Thore.Von den Letztem ist nur noch das altcrthümliche, schwerfällige,steinerne Waldthor mit seinem Spitzthurme vorhanden, dasBiliner und das Graupner aber sind abgetragen. Auch dieRingmauer ist verschwunden »nd nur einige Bruchstücke sindan der nördlichen und westlichen Seite übrig geblieben. DieStadt mthält vier öffentliche Plätze, von welchen der Schloß-platz die bemcrkenswcrthcsten Gebäude auszuweisen hat. Dasfürstliche Schloß nimmt mit der Schloßkirche die südlicheSeite desselben ein und besteht in seiner jetzigen Gestalt seit demJahre >751. Es ist der gewöhnliche Sommcraufcnthalt derfürstlichen Familie und auf der obersten Plattform des Thur-mes weht, so lange der Fürst anwesend ist, eine stattliche Flagge.Ein Seitenflügel, der sich rückwärts in den Garten erstreckt,enthält ein kleines Schauspiel-Haus, in welchem währendder Kurzeit von einer wandernden Gesellschaft Schauspiele undkleine Opern gegeben werden. Der seit dem Jahre 182i> nochbeträchtlich erweiterte Schloß garten ist ein anmuthiger inenglischem Geschmack angelegter Park, welcher mit Ausnahmeeiner kleinen Abtheilung die ganze Saison hindurch dem Publi-kum offen steht. Die mittlere große Hauptallce, welche denGarten von Norden nach Süden seiner ganzen Länge nachdurchschneidet, ist in den Mittagsstunden von II bis l Uhrder Sammelplatz der Kurgäste. Rechts am Eingänge desGartens vom Schloßplatze her steht das Gebäude des Gar-tcnsaalS, worin während der Kurzcit an der Nablo ä'bötodes Restaurateurs gespeist wird und auch von Zeit zu ZeitBälle gehalten werden. Zu den innern Zierden des Gartensgehören zwei Teiche, ein größerer, oberer, und ein kleinerer, tiefergelegener, beide von Schwänen, türkischen Enten, Karpfen undandern Fischen belebt. Die Schloßkirche hat ein gutes Al-tarblatt, den heiligen Kajetan, von Skreta gemalt. Sie ist imJahre 1568 von Wolfgang von Wresowitz gebaut und17611 vom Großvater des jetzigen Besitzers der Herrschaft er-neuert worden. Noch älter ist die östlich an den Schloßplatzanstoßende Stadt- oder Dekanal-Kirche zu St. Johann demTäufer, welche schon im zwölften Jahrhunderte zugleich mitdem oben erwähnten Nonnenkloster, von der Königin Gitka

gegründet, aber wie sie jetzt besteht, erst 17dl) vom GrafenFranz Karl von Clarp neu errichtet worden ist. Unter denGemälden des Hochaltars und der fünf Seitenaltäre verdienendie heilige Familie von Rcinerz und die vierzehn Nothhelfer,von Brandel, die Aufmerksamkeit des Kunstfreundes. Im west-lichen Theile des Schloßplatzes erhebt sich eine von Braungearbeitete Dreifaltigkeits-Säule, die im Jahre 17>8,in Folge eines Gelübdes bei der 1713 hier und anderwärtsin Böhmen herrschenden Pest, ebenfalls vom Grafen FranzKarl von Clarp aufgestellt vorden ist*).

Die nördliche Seite des Marktplatzes wird größten-theils vom Rathhause eingenommen, welches im Jahre 18l)5 ander Stelle des alten, den Einsturz drohenden Gebäudes von Grundaus neu aufgeführt worden ist. Es macht mit seiner geschmack-vollen Facade, dem mit einer Schlaguhr versehenen Thurmeund der vom Platze aus zum Haupteingange führenden breitenSteintreppe einen günstigen Eindruck auf das Auge des Be-schauers. Am Badeplatze ist das Hauptgebäude das fürst-liche sogenannte Herrn Haus. Den Mühlplatz umgebenblos Privathäuser, worunter der Gasthofzum König von Preu-ßen" das ansehnlichste ist.

In der Badegassc verdient zuerst das Stadtbad-Ge-bäude, der Dekanal-Kirche gegenüber, genannt zu werden.Es ist in den letzten Jahren ganz neu gebaut worden und um-schließt die Stadtbäder, welche aus drei gemeinschaftlichenBecken, 21 Einzelbädcrn und mehren der hiesigen israelitischenGemeinde gehörige» Bädern bestehen. Rückwärts schließensich am Badeplatz das Fürsten bad mit 11 Becken, dasGürtlerbad und weiterhin das Herrn Haus mit 6 Ein-zelbädcrn an. Alle diese Bäder entquellen im östlichen, niedri-gern Theile der Stadt einem einzigen gemeinschaftlichen, in unbe-stimmbar großer Tiefe liegenden Wasserbehälter. Die heißestenQuellen sind die der Stadtbäder, welche eine Temperatur von31° bis 38° R. haben. Die Hauptquelle des Männerbadesliefert in der Minute 27^/,»» Cubikfuß Wasser. Wie tief dereigentliche Heerd der Quellen und wie groß ihr Zusammen-hang mir dein innern Leben des Erdballs sein möge, läßt sichaus dem Umstände schließen, daß während des großen Erdbe-bens, welches am 1. November 1755 Lissabon verwüstete,die Tcplitzer Hauptquelle an demselben Tage Vormittags um11 Uhr plötzlich fast eine Viertelstunde lang gänzlich ausblieb,dann aber eben so plötzlich mit heftigem Brausen und vonEisenorid ganz roth gefärbt, wieder hervorbrach.

Hinter dem Herrnhause befindet sich der Frauenbrun-neu-Garten, welcher ehemals auch von dem daran stoßen-den Bürgcrspitale am Mühlplatze der Spitalgarten genanntwurde. Er enthält die wenig benutzte Trinkquelle, von21° 3 R., »nd die Augenquelle, von 2(1° 75 R. Auchist bei diesen Quellen seit einigen Jahren von der fürstlichenObrigkeit eine Trinkkur-Anstalt eingerichtet worden, wosolche Kranke, denen außer den Bädern auch der innerlicheGebrauch von Mineralwässern verordnet ist, in den Morgen-stunden dergleichen Wasser, namentlich die trefflichen böhmischen,wie den Marienbader, Kreuzbrunner, den Franzensbrunneru. A., becher- oder gläserweise erhalten können. Der Gartenselbst ist größtenthcils ein fürstlicher Küchengarten, hat aber eineschattige Hauptallee, welche in Verbindung mit einer gedecktenWandclbahn den Kurgästen zur nöthigen Leibeöbcwegung dient.

Aus diesem Garten gelangt man durch vier verschiedeneAusgänge nach eben so vielen verschiedenen Punkten der Stadt.Südlich führt ein Ausgang durch das Herrnhaus auf den Mühl-

*) Dergleichen, theils der heil. Dreifaltigkeit, theils der heil. JungfrauMaria gewidmete Votiv-Säulen finden sich in sehr vielen Städte»Böhmens. Sie find größtentheils in den Jahren 1711 bis 1720errichtet worden.