Moorlager befindet sich nun zunächst bei den Quellen ein Mi-ncralschlamm, der schwarzbraun, sehr fein, weich und fettiganzufühlen ist. Angefeuchtet verbreitet er einen weinsäuerlichcn,schwefclartigen Geruch und beim Verbrennen den Geruch derBraunkohle oder des bituminösen Holzes. Nach Troms-dorffs Untersuchungen sind seine Bestandtheile: Schwefelwasser-stoffgas, Kohlensäurcgas, unzersetzte Pflanzenfasern, deren or-ganisches Gewebe zum Theile noch zu erkennen ist, dann gclb-färbender kohlenstoffreichcr vegetabilischer Ertractivstoff, schwe-felsaurer Kalk, schwefelsaure Talkerde, schwefelsaures Eisen,schwefelsaure Thonerde und erdharziger Ertractivstoff; endlichThonerde, Eisenoxyd und feiner Sand. Das Mineralmoorwird sorgfältig gereinigt, durch ein Sieb geschlagen, mit demWasser der Louisenquelle vermischt, zu Umschlägen und Bädernangewendet und hat sich bis jetzt bei Läbmungen, Contracturcn,bösartigen Geschwüren und hartnäckigen Hautausschlägen äußerstwirksam erwiesen.
Der Verbrauch des, wie bereits erwähnt, unter dem Na-men Egerwasser europäisch bekannten Franzensbader Sauer-brunnens ist so stark, daß die Stadt Eger nach genauestenörtlichen Erhebungen jährlich allein auf ihre Rechnung über180090 Krüge aus den Quellen nach allen Richtungen hinversendet. Seit 1827 ist eine Röhrenleitung aus dem Gas-bade bis zum Franzensbrunnen angelegt, mittelst welcher Koh-lcnsauerstoff dahin geleitet und in die durch die Luftpumpe vonder atmosphärischen Luft gereinigten Flaschen gefüllt wird, soviel als erforderlich ist, daß die dem Franzensbrunnen zuge-mischten Eisentheile beim Versenden sich nicht zu Boden setzen.Der Erfolg hat die Erwartungen von diesem Verfahren voll-kommen gerechtfertigt.
Die Lebensweise in Franzcnsbad ist ungezwungen und an-genehm, wenn gleich nicht so glänzend und abwechselnd als inCarlsbad oder Töplitz, worüber nur Jene Klage führen, welchedie Kurorte des Vergnügens wegen besuchen. Indessen istFranzensbad durchaus nicht arm an geselligen Freuden. DieKurgäste benutzen den Ueberrest des Morgens, der ihnen nachder Trinkkur und dem Bade bleibt, zu freundschaftlichen Be-suchen, während die Kräftigeren sich in den nächsten Partiendes Kurortes ergehen oder die entfernteren Umgebungen be-suchen. Nachmittags und Abends werden gewöhnlich Spazier-gänge in die Nachbarschaft gemacht. Seit einigen Jahren ver-weilt auch eine vortreffliche Musikbande den Sommer über inFranzcnsbad und spielt täglich früh während den Trinkstundenan der Franzcnsquelle, Abends aber zur Zeit der Reunion imKursaale, auch werden die ankommenden Kurgäste von ihrmit einem Ständchen bewillkommt. Die Jagd haben alle Gästefrei und oft bieten Bälle im großen Saale willkommene Ab-
wechselung dar; so auch machen die meisten Tonkünstler, welcheCarlsbad besuchen, einen Ausflug nach Franszensbad.
Unter den nahen Umgebungen des Kurortes, welche manam häufigsten als Ziel der Ercursioncn wählt muß zuerstdie alterthümliche, historisch-merkwürdige Stadt Eger angeführtwerden. Das Rathhaus, die Reste der kaiserlichen Burg mitherrlichen Säulen, Bogen und Zierrathen aus der schönstenBlüthezeit der mittelalterlichen, sogenannten gothischen Bau-kunst, die höchst merkwürdige St. Martins- und Erhardskapelle,urkundlich aus dem zwölften Jahrhunderte und eines der schön-sten Bauwerke aus dieser Zeit, bieten dem Kunst- und Alter-thumsfreunde ein höchst interessantes Feld zur Beschauung undForschung, während sich der Lebemann, der Genußsüchtige derGegenwart in dem äußerst anmuthigen Wäldchen in den Um-gebungen des Siechhauscs, wohin von der Stadt aus eineschöne Allee sübrt und wo jedes Sonntags sich eine fröhlicheVolksmenge versammelt, erlustigcn mag. Die Stadt hat übri-gens 791 Häuser, über 9000 Einwohner und zwei gute Gast-höfe. Weitere Zielpunkte naher Wanderungen sind: das Klo-ster St. Anna auf dem Aminberg, wohin von Eger aus einsanft sich erhebender Waldpfad führt. Die Aussicht von dieserHöhe ist wunderherrlich, von noch größerem Umfange aber auf 'dem nahe gelegenen Grünberg, von welchem man das ganzercichgesegnete Egerlaud wie einen Teppich zu den Füßen desBeschauers ausgebreitet, erblickt, reich geschmückt mit Dörfern,Kirchen, Kapellen und reichen Waldgebäuden, unter welchenmitten sich die alte Stadt mit ihren schwarzen Thürmen, War-ten und Ruinen erhebt, dahinter blicken die wohnlichen rothenDächer des Franzcnsbadcs freundlich hervor, den Hintergrundbilden die voigtländischcn Gebirge, auf dem Gipfel des Capell-berges sieht man das sächsische Dorf Schönberg. Von diesemPunkte erheben sich die Gebirge allmählig, bis sie bei Wiesen-thal ihre höchste Spitze erreichen und dem Auge wie Nebelvcrschimmern. Gegen Bayern zu blickt aus dunklem WaldeSt. Loretto und die Giebel des Stiftes Waldsassen, mehr öst-lich aber schimmern die Kuppen des Fichtelgebirges mit derGrenzfeste Hochberg hervor, während jenseits zwischen denCarlsbader Bergen Maria Kulm mit seinen beiden Thürmenemporstrebt und das großartige Panorama rundet. — Von Fran-zensbad kaum eine halbe Stunde entfernt, gelangt man aufeiner schönen Kunststraße nach der freundlichen Besitzung Gc-stöckig in einem schattenreichen Thalgrunde, woselbst man auchgute Bewirthung findet. Ebenfalls nur eine halbe Stunde vomKurorte liegt der Kammerbühl, ein spitzer Hügel, wahrschein-lich vulkanischen Ursprungs, an welchem die steile, schwarzeWand, deren Erd- und Steinarten durch einen Erdbrand theilsgebrannt, theils geschmolzen sind, dem Beobachter der Natur