einen interessanten Anblick gewähren. Von hier aus gelangtman nach kurzer Wanderung zu dem Dorfe Licbenstein mit sei-nem alterthümlichen Schlosse und der zum Theil verfallenenEremitage, die eine höchst reizende Aussicht gewährt; auf einerSeite erblickt man wieder die Grenzfcste Hochberg, auf derandern zeigt sich das Schloß, die Kirche und das Dorf Lieben-stein und die einzelnen Bauernhüttcn am AbHange des finsternPlattenbergeö. Die ganze Gegend spiegelt sich übcrdem in demhier befindlichen großen Teiche und bietet einen überraschendenAnblick dar. — Einen höchst interessanten Spaziergang ge-währt auch das enge Felsthal am Seebach. Oberhalb desfreundlichen Dörfchens Seeberg wird das Thal immer ge-drängter und wilder und bildet einen Winkel, auf dessen in-nern Spitze das alte Schloß gleiches Namens ruht, dessenweiß angeworfene Wände sonderbar mit der alterthümlichenBauart und den grauen, zum Theil eingestürzten Ringmauerncontrastiren. Im Thale schäumt der Seebach über ein hohesWehr; unter den herabhängenden Felszacken stehen einige Draht-mühlen, das Gestein zeigt nur einzelne Gesträuche und Moosund von der rechten Seite des Baches blickt die freundlicheKirche vom Felsen herab. Oberhalb der letzten Drahtmühle' aber erweitert sich das Thal zu einem breiten lachenden Wie-sengrund, mit sanften Hügeln und Laubgehölze umkränzt, undbildet so ein liebliches Gegenstück zu der oben verlassenen wild-romantischen Natur.
Weitere Ausflüge, gewöhnlich als Ziel von Spazierfahrtenfinden statt: Nach Maria Kulm, welcher Ausflug bereits indem vorigen Hefte Carlsbad besprochen wurde, nach Schön-berg in dem benachbarten Sachsen, woselbst man auf demGipfel des Capcllberges eine überraschende Aussicht genießt.Nicht nur das ganze Egerland, sondern auch ein großer Theilder Wälder des nahen Voigtlandes, Sachsens und des Bai«reuther Fichtelgebirges stellt sich hier dem Auge des Beschauersdar und bietet ihm eins der großartigsten Naturgemälde; —nach dem waldumgebencn Stifte Waldsassen in der obern
Pfalz mit einer schönen Kirche und herrlichen Gegend. Eine! halbe Stunde von Waldsasscn bei dem Dorfe Londreu, dasauch eine ergiebige Mineralquelle besitzt, sind mehre hohe Ba-saltkuppen merkwürdig; — nach dem Aleranderbade, das inBayern in einem reizenden Thale am Fuße eines der höchstenTheile des Fichtelgebirges liegt, mit einer bedeutenden albalisch-erdigen Stahlquelle, die häufig zum Trinken und Baden be-nutzt wird. Dieser Gesundbrunnen wurde 1734 entdeckt, 1782durch den Markgrafen Alexander von Baircuth vollständig ein-gerichtet und erhielt dessen Namen. Die Anlagen des Kurorts,an dessen Seite die hohe Luchsburg mit ihren kühnen Felseu-massen aus dunkler Fichteuwaldung hervorschimmert, schmückendas Thal und die nächsten Abhänge der waldigen Berge undziehen sich bis auf deren Gipfel hinauf. Das Wasser derHeilquelle ist ganz hell und klar und von starkem Geruch, wel-cher auf überwiegende Kohlensäure und Eisen deutet, die er-stere wird obendrein nicht nur durch den Geruch, sondern auchin den vielen aufsteigenden Luftblasen in der Quelle wahrge-nommen. Die Gasausströmung ist überhaupt so stark, daßdie Arbeiter, welche an der Fassung des Brunnens beschäftigtsind, sich wohl vorsehen müssen, weil sie nicht lange dabeiverweilen können, ohne davon betäubt zu werden. Nicht min-der interessante Ausflüge mit schönen Aussichten und pittoreskenHöhen und Thälern bieten die Kössri'n, der aus Jean Paulsunsichtbaren Lage bekannte, romantische Ochsenkopf, der Schnec-berg und die Stadt Wunsicdel, der Geburtsort dieses unsterb-lichen Genius und ersten Humoristen aller Zeiten und Länder,dar. Die Mauern und Gebäude der Stadt sind größtentheilsvon Kalkstein aus dem großen Urkalksteinlager erbaut, welcheslängs derselben hinstreicht, weßhalb Wunsiedel auch in altenBüchern und Schriften die Stadt mit marmelstcinerncn Mauernund Thürmeu genannt wird. Reisende, so wie die Kurgästeder benachbarten Gesundbrunnen finden eine freundliche Auf-nahme in dem nahen, schönen Locale der Harmonie, welchesebenfalls Jean Paul in seinen Palingenesicn so wahr als schönbeschrieben hat.