rechts in größerer das auf der Höhe gelegene, malerisch-situirteMaria-Kulm. Von der Anhöhe vor dem Dorfe Schlada, vondem einst das Mineralwasser der Schladaer Säuerling genanntwurde, erblickt man, über Franzcnsbad hinaus, Unter- undObei-Lohma, Schönberg, Seebcrg, Oberndorf und mehrereandere Orte in höchst romantischer Lage. Hat man Schladapassirt, so wird man durch den Anblick der mit vielem Ge-schmack angelegten Brunncnkolonie zuerst überrascht. Durcheine reizende Gartcnanlage kommend, erblickt man zur Linkendie Franzensquclle mit ihrem tempclartigen Ucberbau, den dar-an stoßenden Säulengang und das Kurhaus, zur Rechten dieSalzquelle, das Packhans und das neu errichtete Gasbad.Nun betritt man die Kaiserstraße, die zu beiden Seiten miteiner schönen, dichten Kastanienallee verziert ist; ihr parallelläuft die Kirchcnstraße, die eine auf Befehl des verstorbenenKaisers Franz I. erbaute, im Jahre 1820 vollendete Kircheverschönert. Am Ende der Kaiserstraße ladet ein kleiner, aberlieblicher Park, dessen Vergrößerung jedoch schon seit einigenJahren im Werk ist, zu Spaziergängen im erquickenden Schat-ten ein. Zur Seite desselben beginnt die neuerbaute Ferdi-naudsstraße, eine freundliche Häuserreihe.
Die vorzüglichsten Gebäude in Franzensbrunncn sind: dasHaus zur Großfürstin von Nußland, das deutsche, das säch-sische,englische und russische Haus, das Traiteurhaus, die StadtLeipzig, der Berliner Hof, die Stadt Wien, die drei Lilien,der schwarze Adler. Zur Aufnahme der Reisenden dient vor-züglich der geräumige Gasthof zur Kaiserin von Oesterreich,worin nach dem Tarife gespcißt wird. Das Kurhaus und dassächsische Haus halten tadle ll'Iwto. Die Häuser überhauptsind solid gebaut, mit hellm, luftigen, zum Theile sehr elegantdecorirten Zimmern, sie haben sämmtlich Badcstübchen mitWannen, selbst in den kleineren findet man alle Bequemlichkei-ten und ein nicht geringer Vorzug vor vielen andern Kurortensind die hier eingeführten höchst billigen Preise. Wagcnschop-peu und Ställe sind in hinlänglicher Anzahl vorhanden. DasTraiteurhaus zeichnet sich vor allem durch einen eleganten Sa-lon aus, der mittelst acht großer Fenster und zwei hoherGlasthüren Helles Licht erhält, welches zehn große Spiegel mitschönen Goldrahmen blendend wiedcrstrahlen. Hier versammelnsich die Gäste am Morgen und zur Mittagstafel,; auch desAbends zu welcher Zeit die vielen Glaslustres eine künstlicheTageshelle verbreiten, findet mau hier so wie in den Nebenge-mächcrn und den anderen Sälen des schönen^ Gebäudes oftzahlreiche Gesellschaft. Die daran stoßende Brunnenkolonnadewurde vor ungefähr 10 Jahren neu erbaut und von der äu-ßeren Seite abgeschlossen, wodurch die Zugluft abgehalten ist.Auf der Seite gegen die Anlagen ist sie mit dorischen Säulen
geschmückt, auf welchem ein Schutzdach mit antiker Verzierungruht. In der Mitte erhebt sich der Pavillon, welcher eineschöne Ansicht gewährt und im Hintergrunde erblickt man eineReihe Kramläden mit gefälliger Form, die mit großen undlichten Nischen an der Seite des Brunnens abwechseln. Vondem großen Saale der Colonnade und der Straße wird einRasenplatz eingeschlossen, auf welchem sich Sandwege durch-kreuzen und auch auf der andern Seite ziehen sich freundlicheSpazierwege, zum Theil mit Baumreihen besetzt, hin.
Freunde der Lectüre finden im Säulengange auch eineBüchersammlung, auch kann man gegen Abonnement hier diemeisten erlaubten in- und ausländischen Zeitungen zu lesen be-kommen. Miethpferde und Wagen sind nicht allein in Eger,sondern auch im Kurorte für billigen Preis zu haben. Auchfür Armenanstalten ist auf das Beste gesorgt, es besteht hierein neu erbautes, zweckmäßig eingerichtetes Haus zur unent-geldlichen Aufnahme für Dürftige, auch hat die Stadt Leipzigeinen eigenen Fonds für sächsische Arme begründet, die darausverpflegt werden.
Wenn übrigens die stille Kolonie welche sich um die Heil-quelle von Franzensbrunnen gebildet hat, nicht unter jene glän-zende Kurorte gehört, die von Genußsüchtigen mehr des ge-räuschvollen Lebens als der Heilquellen Willen aufgesucht wer-den; so muß man doch gewiß die Brunnen, welche mitten indem fruchtbaren Kessel des Egerländchens hervorströmen, unterdie wohlthätigsten Heilquellen der Welt zählen. Vier Mineral-quellen entströmen hier dem wohlthätigen Schooße der Erde,der Franzensbrunnen, die Louisenquelle, der kalte Sprudel unddie Salzquelle.
Der Franzensbrunnen liegt am südlichen Eingänge derKolonie, lieber ihm erhebt sich ein im antiken Geschmacke er-bauter Tempel, dessen kupfcrners Dach mit dem Schlangen-stabe des Acskulap geziert ist. An den Brunnen schließt sichdie bereits erwähnte Colonnade, dessen Ende durch einen Vor-sprung zu dem Eingange des großen Versammlungssaals imKurhause führt. Die Quelle ist mit einem Kranze von Granitverziert. Die Temperatur des Wassers ist 9,zz„ Reaum., seinspecifisches Gewicht 1 ,ov-ss. Die Quelle ist in beständiger Be-wegung, es steigen unzähliche große und kleine Gasblasen aufdie zum Theil auf der Oberfläche platzen. Das Wasser ist,frisch aus der Quelle geschöpft, vollkommen klar und hell, derfreien Lust ausgesetzt, sängt es erst in 24 Stunden an sich zutrüben, nach cim'gcu Tagen läßt es Flocken von Eisenorid fal-len, ein Beweis, daß seine Bestandtheile fest gebunden sind.Sein Geschmack ist sehr angenehm, erfrischend, stechend - säuer-lich, Hintenach gelinde eisenhaft, übrigens ohne Geruch erregtaber in der Nase eine prickelnde Empfindung. Ueber dem