genthum dieses vielberühmten Hauses, bis dasselbe 12K8 mitdem Tode des unglücklichen Conradins erlosch, worauf es anden Herzog Heinrich von Niedcrbayern fiel, welcher den Bezirkwieder an Ottokar II. den mächtigen Bökmenkönig, abtretenmußte. Bis 1322 waren dann bald die Könige von Böhmen,bald die deutschen Kaiser im Besitze von Egcr, im letztgenann-ten Jahre aber erhielt es König Johann von Böhmen von Kai-ser Ludwig dem Baier als Entschädigung und Ersatz für einebedeutende Geldsumme, die er letzterem geliehen, um ihn ge-gen seinen Nebenbuhler, Friedrich den Schönen, von Oester-reich, zn unterstützen. Seit dieser Zeit blieb der Egcrbezirkfortan mit Böhmen verbunden, hatte jedoch, wie bereits er-wähnt, zu mehreren Zeiten viel von den Wechsclfällen derkriegerischen Zeiten zu leiden und konnte sich erst nach Beendi-gung der langjährigen, unheilvollen Religionsfehden eines ru-higeren Zustandes erfreuen, wodurch, wie Künste und Wissen-schaften, so auch Cultur und Industrie, die holden Früchte desFriedens wieder aufzuleben begannen. Im Anfange des sieb-zehnten Jahrhunderts wird zuerst unter den verschiedenen, beiEger entdeckten Mineralbrunnen vorzugsweise des unfern demDorfe Schlada gelegenen gedacht; Paul Macasius, praktischerArzt zu Eger, schrieb zuerst 1613 über denselben und gabseine Lage so genau an, daß man ihn unbedingt für den, jetztunter dem Namen Franzcnsgnell bekannten, halten muß. Schonin der ersten Hälfte des siebzehnten Jahrhundcrtes scheinen dieEgerbrunnen bereits großen Ruf gehabt zu haben, da sie häu-fig von hohen Personen besucht wurden. So findet man inalten Vrunnenlisten, die das Egerer Stadtarchiv bewahrt, die Na-men der Kaiser Mathias, Ferdinand II. und Ferdinand III.,einen Kurfürsten (von Bayern), vier Markgrafen, sechs Herzogeund cilf regierende Fürsten. Später jedoch verminderte sichdie Zahl der Brunnengäste aus dem Grunde wieder, weil dieKranken in der Nähe des Heilquclls keine Unterkunft fandenund deßhalb die berühmten Mincralbrunnen zu Pyrmont undSpa, der besseren Einrichtung und größeren Frequenz wegen,vorzogen. Auch waren die Egerbrunnen zu dieser Zeit nochgänzlich unbedeckt, den Einflüssen der Witterung und andernzufälligen Verunreinigungen ausgesetzt. In seiner Nähe standein von Holz erbautes, ärmliches Gasthaus, das nur wenigeniedere Zimmer enthielt. Die Brunnengäste mußten daher ent-weder in dem nahe gelegenen Dorfe Schlada, das ebenfallswenige Bequemlichkeiten bot, oder wohl gar in der eine Stun-de entfernten Stadt Egcr wohnen, wohin überdicß die Wegeim Moorboden über die Maßen schlecht waren.
Eben so mangelhaft war auch in jenen Zeiten die Ver-sendung des Wassers; sie geschah in großen viereckigen Krü-gen mit Zinnschrauben, die man mit Terpentin bestrick), um
das Entweichen der Kohlensäure zn verhüten. Erst im Jahre1789 brachte es der damalige Stadtphysikus zu Eger, I)r. Adler,dahin, daß runde Krüge eingeführt und mit Korken verschlos-sen wurden, wodurch für die Bequemlichkeit und Sicherheit derVersendung viel gewonnen wurde.
Auch machte der damalige Kreishauptmann zu Elbogcn,Graf von Kolowrat, verschiedene auf die Reinhaltung derQuelle, auf eine bessere Verscndungsart und bequemeres Un-terkommen der Kurgäste sich beziehende Vorschläge, und obschonderen Ausführung für den Augenblick Hindernisse fand, sosandte doch die Landcsstelle 1791 eine Commission nach Eger,um die erforderlichen Anstalten zur Wiederaufnahme des Mi-neralbrnnnens zu treffen. Durch die thätige Verwendung desdamaligen Oberstburggrafen von Böhmen, Grafen von Roten-han, wurden alle von dieser Commission deshalb gemachtenVorschläge von dem Kaiser Franz 1793 genehmigt, und derMonarch beschloß, eine Colonie hier zu gründen. Auf seinenBefehl wurde ein bequemes, geräumiges Brunnenhaus, einTanz- und Trinksaal und Gemeindehaus errichtet. Jedem, derGewähr leistete, bis zum Schlüsse des folgenden Jahres einzweckmäßiges Gebäude zur Aufnahme mehrer Kurgäste zu er-bauen, wurde ein bestimmter Vorschuß, zehnjährige Steuer-,Militärpflichtigkcits-Nachlaß und andere Freiheiten und Ver-günstigungen bewilligt.
So entstand nun in der ersten Zeit eine Anzahl von unge-fähr 40 geschmackvollen und bequemen Häusern, die sich vonJahr zu Jahr vermehrten und nun schon mehrere Straßenbilden. Eine schöne Kirche wurde erbaut und durch mehrjäh-rigen Fleiß und bedeutende Kosten eine Kunststraße angelegt,die auf dem Moorboden fast eines Waldes von Stämmen er-forderte. Der Kaiser gestattete ferner, daß dem Heilorte seinName beigelegt werde und widmete fortwährend derselben seineAufmerksamkeit und väterliche Vorsorge.
Trotz großer Schwierigkeiten gelang es, durch Vereinigungund glückliche Leitung der vorhandenen Mittel in wenig Jah-ren einem an sich ungünstigen Terrain einen blühenden Anbauabzugewinnen; an die Stelle der morastigen Wiesen, der nurwenigen und schlechten Häuser, welche den Brunnen umgaben,traten freundliche Gartenanlagen, mit großen, geschmackvollenund gesunden Wohngebäuden und bald erfreute sich diese neueSchöpfung eines zahlreichen Zuspruchs von Kurgästen und all-gemeinen Rufs im In- und Auslande.
Franzensbrunncn liegt, wie bereits erwähnt, eine Stundenördlich von Eger, von welcher Stadt eine vortreffliche, miteiner Allee geschmückten Kunststraße bis in das Heilort führt.Links erblickt man in geringer Entfernung den Kammerbühel,