Druckschrift 
3 (1842)
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

F r a n; e i, s b r u n n e n.

-

^n der Reihe der berühmten Badeorte im österreichischenKaiserstaate gebührt Franzensbrunnrn, auch Franzensbadoder Kaiscr-Franzensbad genannt, eine der ausgezeichnetstenStellen. Sowohl als Badeanstalt für äußerlichen Gebrauch,als auch besonders als Trinkcur ist das Wasser dieser Heil-quelle unter dem Namen Egerwasser europäisch bekannt unddürfte in letzterer Hinsicht nur von der Seltersquelle, übertrof-fen, von keiner andern aber auch nur rivalistrt werden. Einerder größten Vorzüge dieses Badeortes, wie überhaupt jedesandern im österreichischen Kaiserstaate, etwa Pyrmont ausge-nommen, ist die höchstrcizende Umgebung desselben, eine inphysischer und moralischer Hinsicht höchst wünschenswerthe, janöthige Eigenschaft eines Heilortes, welches dieser segenvollenBestimmung allein gewidmet bleiben soll. Von welcher Seite manimmer sich Franzenöbrunnen nähern mag, so ist der Anblick alsweiten, mit schönen Ortschaften geschmückten Kessels, in wel-chem der Badeort liegt, höchst überraschend und bildet die herr-lichsten Ucbcrsichtspunkte. Am lohnendsten aber ist die Ansichtauf den Höhen von Maria-Kulm und Schönberg, von woman das ausgebreitete und freundliche Egerthal Übersicht, des-sen Gränzen von allen Seiten mehrere schöne Dörfer machen.

Allen Anzeichen nach, bildete dieses Thal in der grauenVorzeit einen See, dessen Gestade die Eger zwischen Kulmund Königsberg durchbrach und dann nach dem tieferen Elbe-thale hinabströmte; nur Sand, Thonlager und Moorland blie-ben nach Ablauf des Sees zurück und bilden noch jetzt dieverschiedenen Grundlagen der Erdschichten. Die höchsten Punktedieser Umgebungen sind gegen Norden der Capellberg bei Schön-bcrg und der Mittclberg bei Himmelreich, gegen Westen der

Plattenberg bei Liebenstein, gegen Süden der Dillenberg beiUllersgrün, der Kohlwald und der Allerreuterbcrg, gegen Ostender Kulmerbcrg, von welchen Höhen man die herrlichsten Fcrn-sichten genießt.

Der vorzüglichste Fluß, von dem der Landstrich, in wel-chem Franzensbrunnen gelegen, auch seinen Namen erhalten,(Egerbezirk) ist die Eger, die im bayerischen Obermainkreiseam Fuße des Schneeberges, des höchsten im Fichtelgebirge,unfern Wcißenstadt entspringt, von Westen nach Osten laufend,die Stadt Eger bespühlt, den Elbogner- und Sonzer-Kreisdurchströmt und bei Lcitmeritz von der Elbe aufgenommen wird.

Zu welcher Zeit die Egerquelle entdeckt und zuerst in An-wendung gebracht worden sei, darüber lassen sich wenige be-stimmte Daten nachweisen, obschon bereits Kaspar Bruschin seiner Beschreibung des Fichtelgebirgeö vom Jahre 1S^2ihrer gedenkt. Die darauf folgenden unruhigen Zeiten, derHussiten- der dreißigjährige Religionskrieg machten denkleinen Bezirk so oft zum Tummelplatze der erbittertsten Par-teikämpfe, daß das Egerbad, wenn es je vorher in Anwen-dung und Aufnahme gekommen wäre, doch gewiß wieder inVernachlässigung und Abnahme kommen mußte. Auch gestatteteselbst in früheren Zeiten der oftmalige Besttzwechsel des Eger-bezirks keine bleibende Aufmerksamkeit auf die Heilquelle.

Im zwölften Jahrhunderte besaßen die mächtigen Mark-grafen des bayerischen Nordgaues auS dem Hanse der GrafenVohburg das Egerland sammt dem Elbognerkreise. Schon I I4Vvermählte Markgraf Diepold seine Tochter Adelheide an dendeutschen Kaiser Friedrich I. und gab ihr Eger als Heiraths-gut mit. So kam es an die Hohenstaufcn und verblieb Ei-