Druckschrift 
3 (1842)
Entstehung
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bloße Vorstellung von der lebendigen Thätigkeit des Darmkanalslächerlich, indem wohl ganz gewiß der eigenthümliche chemisch-organische Prozeß die Stoffe innerhalb des Darmkanals, denGesetzen des lebenden Organismus gemäß, ganz anders trenntund bindet, als es im Bereiche der unorganischen Natur derrein chemische Prozeß vermag.

Der Wärmeunterschicd des Mineralwassers bei 22° Rcan-mur, ist beiläufig folgende:

Natürliche Wärme der Quelle.

Sprudel 59° R.

Neubrunnen 49°

Mühlbrunnen 45°

Thcrcstcnbr. 43°

Schloßbr. 40°

Wärme des getrunk. Wassers49° R.

47-/-°

44/°

42'/-°

39/°

Endlich besitzt Carlsbad auch noch ein kaltes Mineral-wasser. Dieses quillt außerhalb der Stadt am südlichen Fußedes Tappenberges aus dem Granitbodcn unter einem schönenSäulentempel und wird der Sauerbrunnen genannt. Der Zu-fluß ist indessen unbedeutend und das Wasser ist nicht vollkom-men klar und hat einen unangenehmen Beigeschmack. Außer-dem gibt es auch noch andere Säuerlinge in und um Carlsbad,worunter der Gießhüblcr, in einiger Entfernung von der Stadt,allein gehörig untersucht und zum mcdieinischen Gebrauche ein-gerichtet ist. Sein Wasser wird größtentheils versendet.

Welche Kranken durch den Gebrauch der Carlsbader Quel-len ihre Heilung zu suchen und zu erwarten haben, das bleibtwohl am besten für den Arzt zu entscheiden, ohne dessen Lei-tung und Anweisung Niemand an diese, wie jede andere Badekur,anzurathcn ist, indessen wollen wir in dieser Hinsicht eine Stelleaus dem Werke des verdienstvollen Arztes, Dr. I. E. Ryba:Carlsbad und seine Mineralquellen", entlehnen: Das Wasserder warmen Heilquellen von Carlsbad ist ein durchdringendauflösendes, die gcsammte Säftemasse eigenthümlich umwan-delndes, die Absonderungen des Darmkanals, der Leber, derBanchspeigeldrüse, der Nieren und der Haut kräftig beför-derndes, jedoch nicht sonderlich erschlaffendes Mittel, wel-ches nach Maßgabe der den einzelnen Quellen eigenen Tem-peratur mehr oder weniger reizt und erhitzt, nicht selten auffal-lende, krisenäbnliche Erscheinungen bewirkt und sich ganz be-sonders durch seine langedauernde, wohlthätige Nachwirkungempfiehlt.

Die unmittelbare Wirkung dieses Wassers auf den menschli-chen Körper ist zwar in der Regel sanft und gelind, der Erfolgaber desto sicherer und größer. Es nimmt unter allen bisherbekannten auflösenden Mitteln die erste Stelle ein, indem esnicht allein die in den Gefäßen stockenden oder träge dahin

schleichenden Säfte auflöst und durch eine angemessene Erregungdes gesammten Nerven - und Gefäßsystems in raschen Umlauf setzt,sondern auch tief im innersten Ban der Organe durch einekräftige Umstimmung ihrer Reproduction solche Veränderungenbewirkt, mittelst deren selbst bedeutende organische Leiden, alSAnschoppungen, Anschwellungen, Verdicknngen, Verhärtungenund Afterorganisationcn, in sofern sie nicht gewisse Gränzenüberschreiten, gründlich gehoben werden.

In Hinsicht auf geselliges Leben und öffentliche Vcrgnü-gungsanstalten ist in Carlsbad hinlänglich gesorgt. Obschonauch hier großcntheils, wie fast in allen bedeutenden Badeortenziemlich viel Etikette und Absonderung der Stände herrscht, soist doch im Ganzen, besonders in neuester Zeit, ein wohlthuen-der leichter und ungezwungener Ton angenommen worden und,gewisse persönliche Rücksichten ausgenommen, die allenthalbenihre Geltung haben, ist man hier in seinem Umgange an keineClasse der Gesellschaft gebunden. Die Gebildeten aller Ständeund Nationen suchen und finden einander und sammeln sich inkleinen, gewählten Cirkeln, die man eben nicht streng zuschließen braucht, um Allen, die nicht dahin passen, den Zu-tritt zu verwehren. Gäste vom höchsten Range, deren Carls-bad fast in jeder Kurzcit zählt, gingen dem übrigen Publikumimmer mit dem edelsten Beispiele voran, indem sie nicht alleindiejenigen Huldigungen, die ihren Personen und ihrem Rangegebübrt hätten, sich verbaten, sondern ganz vorzüglich durchihr leutseliges Benehmen allen Zwang entfernten, den sie un-willkürlich, bloß durch ihre Gegenwart, veranlaßt haben könn-ten. Durch das Verbot der hohen Hazardspicle kann daswahre gesellige Leben und das allgemeine Vergnügen ebenfallsnur gewinnen. Carlsbad ist so reich an Unterhaltungen, daßes jenen Nothbehelf der Müßiggänger und Betrüger durchausnicht bedarf, der weit eher eine Störung als Vermehrung desallgemeinen Vergnügens herbeizuführen im Stande ist. Zuden beliebtesten Vergnügungen gehört das Theater, woselbstvon Pfingsten bis Ende August täglich Schau- und Lustspiele,Possen, Opern und Ballete gegeben werden, Die Vorstellungfängt gewöhnlich Nachmittags um vier Uhr an. Das in gutemStyle erbaute Haus erfreut sich einer angenehmen Kühle beiheißen Tagen und ist gewöhnlich sehr besucht. An Bällen,Reunionen, Concerten :c. fehlt es ebenfalls nicht, welche ge-wöhnlich im sächsischen und böhmischen Saale, dann in anderngroßen öffentlichen Lokalitäten abgehalten werden.

Ein Hauptrciz des Aufenthaltes zu Carlsbad während derKurzeit aber bilden die Spazicrgänge und Fahrten in die herr-lichen, malerischen Umgebungen von Carlsbad, die von derschöpferischen Natur so verschwenderisch ausgestattet sind, daßsie, als ein herrliches, weit ausgedehntes Lustrevicr fast keiner