gen, paß- und zollfrei einführen; auch ist jedem derselben ge-stattet, 5 Pfund Rauch- oder Schnnpstaback zu eigenem Ge-brauche gegen sehr mäßige Verzollung, Pfund aber ganzzollfrei, mitzubringen; ferner sind alle fremden Kurgäste vonder Gränzvisitation gänzlich befreit, ihre an der Gränze obsig-nirte Koffer und Gepäcke dürfen sie jedoch in Carlsbad nur imBeisein der k. k. Mauthbeamten öffnen.
Das Clima in Carlsbad und der Umgegend ist im Gan-zen gemäßigt; die Temperatur der Atmosphäre zwar kühler alsim flachen Lande, doch noch immer im Allgemeinen mild genug.Die Lust ist rein, reich an Sauerstoff und mit dem balsami-schen Duft der Wälder geschwängert. Die Nord- und West-winde sind vorherrschend, der Nordwind hat überdieß den freic-sten Zugang zu der Stadt. Die Witterung ist in der Regelveränderlich, und da man in den tieferen Theilen nur einenkleinen Theil des Himmels erblickt, so tritt der Wechsel oftauch sehr unerwartet ein.
Nachdem wir uns solchergestalt das Terrain und die Lagedieser berühmten Badestadt hinlänglich gesichert haben, ist esan der Zeit, auch die größte Merkwürdigkeit derselben gebüh-rend zu würdigen, und dieses sind die zu historischer Bedeutunggelangten Mineralquellen, welchen zuvörderst die Stadtihre Entstehung und ihre Erhaltung verdankt. Man zählt hiergegenwärtig neun, zum öffentlichen Gebrauche eingerichtetewarme Mineralquellen. Diese sind am rechten Ufer der Tepl:der Sprudel, die Hygieensquelle, am linken Ufer der Mühl-brunnen, die Felsenquelle, der Neu-, der Bernards-, derTheresieu-, der Schloß- und der Hospitalbrunncn. Außerhalbder Stadt, am südlichen Ende des" Laurenzberges, quillt derkalte Sauerbrunnen, nebst welchem auch in der Stadt mehreSäuerlinge entspringen. Das heiße Wasser von Carlsbad hatteda, wo es zu Tage kommt, seit undenkbaren Zeiten eine un-geheure Menge von kohlensaurem Kalk abgesetzt, welcher, inGestalt von dicken zusammengesetzten Schalen, die ehemaligenMündungen der Quellen bedeckt und viele über- und nebenein-ander gelagerte, mannigfach verbundene, größere und kleinereHöhlen oder Gewölbe bildet, durch welche das heiße Wassersich mit großer Gewalt den Weg bahnt. Diese natürliche, ansdem Wasser selbst erzengte Decke der Carlsbadcr Quellen heißtdie Sprndelschale und ein großer Theil der Stadt ruht aufihr. Nur die am rechten Ufer der Tepl gelegenen Quellen,der Sprudel und die Hygieensquelle entspringen jedoch unmittel-bar aus der Sprudelschale. Sie sind zugleich die heißestenund geben die größte Menge Wasser. Die übrigen warmenQuellen entspringen aus einer eigenen Stewart, welche denganzen Schloßberg sammt einem Theile des Bernardsfclscn bil-
det. Alle warmen Quellen von Carlsbad, 'sie mögen von woimmer her entspringen, sind jedoch durch zahlreiche unterirdiscktcCanäle miteinander verbunden. Alle führen ein und dasselbeMineralwasser, welches begreiflicher Weise aber nicht bei allenQuellcnmündungen dieselbe Wärme hat, da hierbei sehr vielauf die mehre oder mindere Einwirkung der atmosphärischenLust ankommt. Die Quelle des Sprudels, die erste und vor-züglichste in Carlsbad, hat vier offene Mündungen, von denenaber nur eine einzige zum Trinken benutzt wird und miteinem hölzernen Ständer versehen ist, aus welchem die Quellein abgebrochenen, mit einem dumpfen unterirdischen Gebraustbegleiteten Stößen ihr heißes schäumendes Wasser mehre Schuhhoch senkrecht hinaustrcibt. Das im Bogen herabfallende Was-ser wird theils in die an Stangen befestigten Trinkbecher aus-gefangen und den Kurgästen gereicht, größtentheils aber stürzt esin ein rundes breites Becken, aus welchem es an zwei entge-gengesetzten Seitcnwänden in den Sprudelraum abfließt. Dieandern drei Mündungen werden zur Salzsiederei verwendet,die nahe daran liegt und mittelst welcher jährlich an und über400 Pfund sogenanntes Carlsbadcr Salz bereitet wird, dasvon officincller Wirkung ist.
Ueber den ganzen Sprndelraum und der Salzsiederei wölbtsich ein großes, auf hohen Säulen ruhendes Dach in Gestalteiner schönen, in der Mitte durchbrochenen Kuppel, welche denaufsteigenden Wasserdämpstn den Durchgang gestattet, denherabfallenden Regen aber abhält. Dieser Platz setzt sich west-lich am Ufer der Tepl fort, wo eine herrliche gedeckte Colon-nade die ans- und abgehenden Kurgäste gegen Regen undSonne schützt, ohne sie des Genusses der freien Lust zu berau-ben. Ein unserer Beschreibung beigcgebcnes kleines Höhebildzeigt die Ansicht des Sprudels, von der Colonnade desselbenhinauswärts gesehen. Gleich vorn zeigt sich der kochende unddampfende, haushoch in die Höhe steigende Wasserstrahl.
An die Colonnade des Sprudel stößt, nur durch einengartcnähnlichen Hofraum in der Mitte getrennt, das neueSprudelbadbaus, welches im Erdgeschosse 8 mit den nöthigstenApparaten und Möbeln wohlvcrsehene Bäder und Ruhezimmcrenthält. Die Badezimmer, so wie das ganze Gebäude, werdendurch Luftheizung erwärmt. Auch befindet sich hier ein Douche-bad. — Die Hygieensquelle oder der neue Sprudel, östlich vomSprudelraume, entstand plötzlich im Jabre 1809, bricht fastmit derselben Sprungkraft, wie der eigentliche Sprudel, her-vor und ist durch den erwähnten Säulcngang mit dem Spru-del verbunden. Diese Colonnaden haben wir ebenfalls in einemkleinen Höhebilde unsern Lesern vor Augen gelegt. Nahe derHygieensquelle befindet sich die sehr zweckmäßig und bequem ein-