Druckschrift 
3 (1842)
Entstehung
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hinauf. Die Geweidiggasse, die Laurenzgasse, der Jakobsbergund die erst neu entstandene Tappendofgasse, die Schulgasseund die Hirschensprunggasse sind mit nothdürftiger Benutzungdes engen Terrains höher in dem Gebirge angelegt.

Die schönsten Plätze und Straßen, welche auch die größteFrequenz besitzen, liegen nächst den Ufern der Tepl. Diesesind der Markt, die alte und neue Wiese, überdieß auch dieKirchengasse, der Kirchenplatz, die Sprudel-, Kreuz- und Mühl-badgasse.

Auf dem Marktplatze steht, gegen den Schloßberg zu, dasalte Rathhaus mit der Statue Carls IV., die jedoch, nachder affectirten und überladenen Darstellungsmanier zu schließen,der ersten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts angehört. DieVorderseite des Rathhauses ist mit einer Abbildung des Carls-bader Stadtwappens geziert; dieß ist ein halber weißer Löweim rothen Felde auf drei Flüssen stehend. Dem Rathhause ge-genüber stcbt das k. k. Postamt sammt der Kreisamtskanzlei.Außerdem befinden sich hier die beiden Apotheken, ein Feuer-löschmagazin, viele Gewölbe, und hier werden auch die Victua-lienmärkte abgehalten. Der schönste und belebteste Platz inCarlsbad ist unstreitig die alte Wiese. Sie hat ebenso, wiedie ihr gegenüber liegende neue Wiese, nur eine Reihe vonHäusern und steht gegen die Tepl offen. Den Fluß befriedigteine hohe gemauerte Terrasse. Längs der Ufermauer verläufteine Allee von dichtbelaubten Linden- und Roßkastanienbäumcn,hinter welchen eine Reihe von zierlichen, größtentheils gemauer-ten Buden steht, in denen zur Kurzeit permanenter Marktmit Kleidungsstücken und Gerathen aller Art znm Verkaufe ge-halten wird. Auf der andern Seite enthalten die Häuser imErdgeschosse eine fortlaufende Reihe der elegantesten Läden,worin meistens fremde Kaufleute, Galantcriehändler, Goldar-beiter, Juweliere, Putzmacherinnen :c. ihre feineren Waarenausbreiten. Der Boden ist, wie beinahe ganz Carlsbad, ge-pflastert, gleich den Spaziergängen mit feinem Sande bestreutund längs der Häuserreihe mit einem guten Trottoir versehen.Die alte Wiese führt zu den schönsten Promenaden und Be-lustigungsortcn um Carlsbad, und stellt daher mit seiner kauf-und schaulustigen Welt und mit der hin- und herwogendenMenge der Spaziergänger ein sehr belebtes, sich stets erneuern-des Schauspiel dar. An den Häusern und unter den Bäumensind viele Sitze, Bänke und Tische vertheilt, um im Schattender Bäume und Zelte, die zur Kurzeit errichtet werden, sichmit Erfrischungen laben, oder die Vorübergehenden ruhig be-obachten zu können. An das äußere Ende dieses Platzes schlie-ßen sich zwei schöne, dem Vergnügen der Kurgäste bestimmteGebäude, das sächsische und das böhmische Saalbaus, an.Hinter letzterem beginnt die Puppische Allee, die den Uebergang

zu den außerhalb der Stadt angelegten Spaziergängen bilde».Die neue Wiese steht mit ihrer hohen Häuserreihe, einer Alleevon Linden- und Kastanienbäumen und einer Wassermauer deralten Wiese am andern Ufer des Flusses gegenüber und ist dieHauptpassage für Fahrende und Reitende; das äußerste Endeder neuen Wiese geht in die Bräuhausgasse, wo nebst demstädtischen Bräuhause noch mehrere schöne Wohngebäude stehen.

Das Flußbett der Tepl ist innerhalb der Stadt, wo esnicht unmittelbar den Grund der Häuser berührt, durchaus aufbeiden Seiten mit einer regelmäßigen Terrasse und einem stei-nernen Geländer eingefaßt. Die Verbindung der beiden Stadt-theile wird durch 4 Brücken und 7 Stege erhalten.

Eine, für das mäßige Format, sehr genügende Uebersichtder Lage von Carlsbad gewähren die beiden, diesem Werkebeigegebenen, mit vielem Fleiße und großer Genauigkeit ver-fertigten Totalansichten dieser berühmten Badestadt. Aufjener in Höhenformat erblickt man die schönste Straße Carls-bads, die alte Wiese, ihrer ganzen Länge nach, die Budendarin, den Stadtthurm, die Colonnaden des Sprudels unddie Hygieensquelle in der Ferne, die Stadtkirche von der Seite,den schönen Gasthof zum goldenen Schiff, den Teplfluß mitvier Brücken, den Hirschcnsprnng und den Dreikreuzberg, umwelch' letzteren sich die neue schöne Prager Straße windet, undim Vorgrunde die Marienkapelle, von welcher, da sie auf einerAnhöhe am Fuße des Hammerberges steht, die ganze Stadtaufs Schönste übersehen werden kann. Auf der zweiten Total-ansicht, in Querformat, gewahrt man den andern Winkelschcn-kel des Teplflusses, die Kirche von vorn, den Stadtthurm,dann in der Ferne die Colonnaden des Neu- und Mühlbrun-nens, sowie die Kuppel des Therestcntempels, den Dreikreuz-,Hammerberg und den Hirschsprung. Ferner erblickt man amFluß die beiden neuen und schönen Gasthöfe zum Kronprinzenvon Preußen und zum Paradies, die nebst dem goldenen Schildam meisten besucht sind; endlich im Vordergrunde ein Stückder Prager Straße. Noch bleibt nothwendig anzuführen, daßauf diesen beiden Stahlstichen die meisten Häuser von Carlsbadsichtbar sind.

Carlsbad und sein Territorium steht unter einem regulir-ten Stadtmagistrate, bestehend aus einem geprüften Burgermei-ster, zwei geprüften und zwei ungeprüften Rathsherrcn, einemAnwalt, einem Amtmanne, dem die ökonomische Verwaltungder Gemeinde zugetheilt ist, einem Waisenverwalter und Rech-nungsführer und drei Repräsentanten. Die Polizei-Ordnungin der Stadt wird auf das musterhafteste gehandhabt, wobeidie Kurgäste große Begünstigungen genießen; so kann z. B.jeder fremde Kurgast zu seinem eigenen Gebrauche ausländischeWeine, wenn dieselben zusammen einen Eimer nicht überstei-