Ungeachtet des mannigfachen Unglücks, welches die Stadtdurch furchtbare Ueberschwemmungen (1582 und 1821), ver-heerende Feuersbrünste (1604 u. 175V), durch feindliche Ein-fälle (im dreißigjährigen Kriege 1620 u. 1631, in dem öster-reichischen Successionskriege 1741 u. 1742, im siebenjährigenKriege 1757 u. 1762 nnd endlich in den Kriegen wider diefranzösische Gewaltherrschaft 180V.». 1813) betroffen hat, sofand sie doch in der anerkannten Bortrefflichkcit ihrer Quellen,in der ihr von der weisen und väterlichen Regierung und vonvielen Menschenfreunden gewidmeten Unterstützung und in demEifer und Gemeinsinne ihrer Bewohner, Kräfte genug, sich wie-der empor zu richten, so daß von Jahr zu Jahr wesentlicheVerbesserungen an der Curanstalt, eine zweckmäßigere und ge-schmackvollere Einrichtung der Wohngebäude, die Errichtungneuer Bauwerke, als: Straßen, Brücken, Säulengänge, öffent-liche Sicherheitsanstalten, Belustigungsörter und andere zurBequemlichkeit und zum Vergnügen der Curgäste dienenden An-lagen inner- und außerhalb der Stadt, unternommen und aus-geführt wurden.
Die wichtigsten Veränderungen dieser Art haben unstreitigunter der Regierung des letztverstorbenen Kaisers Franz I.Statt gefunden. Dieser erhabene Monarch bestätigte nicht nuralle Privilegien der Earlsbader, Befreiung von Militär-Ein-quartirungen ?c., und erließ ihnen manche andere Lasten, son-dern er schenkte auch dem Hospitale den Posthof, und die be-deutendsten und gemeinnützigsten Bauten fanden während seinerNegierung und auf seine Anordnung Statt. Durch Anlegungder kunstvollen, an dem Gebirge herablaufcnden, Prager Stra-ße, (eines kübn entworfenen, riesenhaften Werks, das mittenin den Kriegsjahrcn 1804 bis 1806 mit einem Aufwand? von160,000 Gulden ins Leben trat, eines der herrlichsten Denk-mäler der neueren Straßenbaukunst ist und eine wahrhast ent-zückende Aussicht in den blühenden Thalgrund bietet), durchErbauung der meisterhaften Bogenbrücke von Granit über dieTepl an dem Vercinigungspunkt der Prager und der Egerstra-ße im Jahre 1826, so wie durch Anordnung und kräftige För-derung anderer wahrhaft nützlichen Anstalten und Einrichtun-gen, hat sich dieser Monarch auch hier ein unvergänglichesDenkmal seiner Huld und Weisheit errichtet.
In topographischer Hinsicht liegt Earlsbad nach Davids.Bestimmung 50» 13^ 48" nördlicher Breite, 30° 32^ 47" öst-licher Länge über der Meeresfläche, nahe am Ausgange desschmalen Teplthales, welches gegen Norden in das viel aus-gedehntere Egerthal ausläuft, an beiden Ufern des FlußesTepl, und ist 59 Postmeilcn von Wien, 16 von Prag, 18 oder(mit Umgehung des höhern Gebirges) 20 von Dresden, 38 vonBerlin und 43 von München entfernt. Die Stadt hat 523,
größtentheils wohlgebaute, mitunter sehr schöne Häuser, undzählt nach den neuesten Erhebungen 3,086 Einwohner, welcheZahl jedoch während der Kurzeit durch Aufnahme vieler Dienst-lcute aus den umliegenden Ortschaften bedeutend zunimmt.Ihre Häuser verzweigen sich in drei Theile und sind von demmäßig hohen Hammerberge, dem Kreuz- oder Buchberge unddem Lorey- und Galgenberge umgeben, an welchen sie, so zusagen, gleichsam an den Wänden hangen. Allenthalben fälltdas Auge von einer dieser Anhöhen ans sanfte Abhänge, aufdunkle Wälder und üppige Wiesen; in weiter Entfernungzeigen sich die blauen Kuppen des sächsischen Erzgebirges, undvon jedem Standpunkte stellt sich das Ganze als ein höchstmalerisches, reizvolles Bild dar. Im Tbale selbst wird maneinen ganz eigenen Geruch und einen feinen Dampf, der überden Häusern schwebt, und bei Sonnenschein eine magische Be-leuchtung erzeugt, gewahr. Fast alle Häuser dieser Badestadtsind zur Aufnahme Fremder eingerichtet und für Bequemlichkeitder Kurgäste, für Zerstreuung jeder Art wird reichlich gesorgt.Viele Gebäude sind zwar noch im Innern von Holz, übrigensaber gefällig her- und zweckmäßig eingerichtet. Ihre größteBreite erreicht die Stadt in der Nähe des Sprudels bei derzweiten Krümmung der Tepl, wo das Thal etwas breiter istnnd die Berge auf beiden Seiten einen sanfteren Abhang bil-den. Dieß ist auch der älteste Theil der Stadt. Auf demmäßigen AbHange, der sich an den Hirschensprung lehnt, standeinst da, wo der Stadtthurm zu sehen ist, ein Schloß, wes-halb diese Abtheilung der Stadt noch heute der Schloßberggenannt wird. Von dem Schloßberge ab, gegen das linke Uferder Tepl, dehnt sich der Marktplatz aus, von dessen östlichemEnde die Müblbadgasse ausgeht, und um den Schloßberg her-um in jene Gegend führt, wo die kühleren Quellen der Mühl-,Neu-, Thcresien-, Bernards- und Spitalbrunnen entspringen.Das westliche Ende des Marktes geht auf die alte Wiese zu,die bei dem sächsischen und böhmischen Saalgebäude aufhört.Auf dem rechten Ufer der Tepl ist dem Markte gerade gegen-über der Sprudelraum, wo die heißesten und ergiebigsten Quel-len Earlsbads entspringen. Weiter vom Ufer befinden sich dieKirchengasse und der Kirchenplatz mit der St. Magdalenenkir-che. Westlich von der Kirchengasse breitet sich am rechten Uferder Tepl, der alten Wiese gegenüber, die neue Wiese ans,und setzt sich, dem böhmischen Saale gegenüber, in die Bräu-hausgasse fort. Von dem Kirchenplatze läuft gegen Norden,parallel mit dem rechten Teplnfcr, die Sprudclgasse, die inihrem Weilern Verfolge Kreuzgasse heißt und, gegen dem Bu-chenberge zu, die Audreasgasse abgibt. Ebenso steigt vomKirchenplatze an der Kirche vorbei, zwischen dein Buchen- undTappenberge, die Pragergasse bis zu der Prager Landstraße.