Sprung in die Tiefe und entrann; von welchem Ereigniß jenerFels noch heut zu Tage Hirschensprung oder Hirscheustein ge-nannt wird. Ein Jagdhund des Kaisers folgte ihm nach,stürzte in einen verborgenen Quell, und als man auf sein er-bärmliches Geschrei ihm zu Hilfe eilte, entdeckte man das heißeWasser. Der kaiserliche Leibarzt, Peter Beier, erkannte essogleich als kräftiges Heilmittel und verordnete es dem Mo-narchen selbst, um ein beschwerliches Fußübel desselben zu he-ben. Die Cur gelang, und der Kaiser befahl sogleich zumBesten der leidenden Menschheit die Errichtung eines Badeorts;berief die Einwohner des Bergdorfs Thiergarten hierher, undverlieh den künftigen Bewohnern Carlsbads alle Freiheiteneiner königlichen Stadt, ja erlaubte sogar, daß diese seinenNamen führen sollte. Dieß ist die, auch allerdings glaubliche,Art und Weise der Entdeckung des Sprudels als Heilquelle,und ist dieselbe solchergestalt in Legenden erzählt, in Roman-zen und Balladen vielfach besungen, in Kupfer gestochen, jaselbst in Geschichtswerken aufgezeichnet. Vollkommen beglau-bigt, quellengiltig bestätigt aber ist die Art, selbst die Zeitder Entdeckung dennoch nicht, da kein gleichzeitiger Schrift-steller, auch nicht Carl IV. selbst, von dem wir eine umständ-liche Autobiographie besitzen, der Entdeckung dieser Quelle oderauch nur der Anlegung einer Stadt oder eines Schlosses beiderselben gedenkt.
Das früheste historische Dokument über Carlsbad, welchesman bisher auffinden konnte, ist die von Carl IV. am 14. Au-gust 137t) aus Nürnberg erlassene Urkunde, worin er dieserStadt, deren Bewohner er gleich im Eingange „seine liebengetreuen Bürger zu Carlöbad" nennt, in Ansehung ihrer stetenTreue und täglich bewiesenen eifrigen Dienste, die nämlichenPrivilegien, wie sie Elbogen besaß, ertheilt. Dieser Umstandließe denn aus eine frühere Eristenz Carlsbads als Stadt undBadeort schließen und daß es diesem Kaiser seinen ersten Auf-schwung verdanke anch sich darum in' jener Zeit den denkwürdi-gen Namen des Kaisers beigelegt habe. Wenn nun aber Kai-ser Carl der Gründer der Stadt war, durch wen und zu wel-cher Zeit wurde sie gegründet? Diese Frage war besondersin neuerer Zeit, wie bei vielen andern historisch-merkwürdigenOrten, so oft der Anlaß zu tiefen und haarspaltendcn Unter-suchungen, ohne daß man dadurch der Sache auf den Grundgekommen wäre, daher wir unsere Leser nicht mit der-lei unersprießlichen Spitzfindigkeiten behelligen, sondern alsgrößtmögliche Wahrscheinlichkeit ein für alle Male annehmenwollen, Cärlsbad habe zwar schon früher als Stadt und Ba-deort bestanden, sei durch Kaiser Carl IV. und seine ebenfallshöchst wahrscheinliche Cur aber zu größerer Bedeutung gelangtund allgemein bekannt geworden. Glücklich gerettet von dem
Chaos unbeglaubigter Vermuthungen und weithergcholter Com-binationen, wollen wir denn sofort der weiteren Schicksale die-ses nun so weit berühmten Badeortes und zwar durchaus ausbeglaubigten Quellen gedenken.
Obgleich diese Brunnenstadt schon, wie erwähnt, vonCarl IV. zur freien Stadt erhoben und in dieser Eigenschaftauch von allen seinen Nachfolgern auf dem Throne Böhmens be-stätigt und mit vielen andern Privilegien beschenkt worden war,so konnte sie doch ihre Unabhängigkeit nicht zu allen Zeitengegen die Uebermacht der benachbarten Herren, namentlich derGrafen von Schlick, denen beinahe der ganze Elbogner KreisUnterthan war, behaupten, wodurch die Könige von Böhmenzu wiederholten, verschärften Befehlen und Maßregeln zu Gun-sten der Carlsbader sich genöthigt fanden. Unter König Georgs(des Podirbrnders) Regierung wurde sogar die Stadt Elbo-gen von dem genannten Grafen unterjocht und erst wieder imJahre 15l15 nach einem verheerenden Kriegszuge dem KönigWladisclaw übergeben. Ueber die Schicksale der Stadt Carls-bad während der hussitischen Unruhen weiß nicht einmal derGeschichtschreiber Theobald etwas zu erzählen. Es fanden sichaber auch Herren und Ritter, denen das Wohl Carlsbads sehram Herzen lag. Der böhmische Ritter Gilch von Rambachschenckte dieser Stadt 1511 das Gut Fischern und AlbrechtGraf von Schlick erbaute hier 1531 das erste Armenbospital.
Anfangs des sechzehnten Jahrhunderts waren die Carlsba-der Quellen schon als ein großes Heilmittel berühmt und vonden aus der Nähe und Ferne zuströmenden, zum Theil auchsehr angesehenen Kranken besucht, obschon sie fast bis zumJahre 1521, in welchem das erste medicinische Werk überCarlsbad von W. Payer erschien, bloß äußerlich als Bäderangewendet wurden.
Die um diese Zeit eingeführten Trinkcuren zogen jedocheine noch größere Anzahl Kranke nach Carlsbad, dessen Wohl-stand sich nun so schnell erhob, daß es mehre der benachbar-ten Guter und Höfe ans eignen Mitteln käuflich an sich brachte,z.B. 1532 das GutRoßnitz, 1553 Donitz mit Ober- und Un-termayerhöfen, 15V8 die Waldungen Soß und Ploben, 1K15das Gut Wehrtitz, und das Rittergut Dallwitz, welch letz-teres jedoch wegen des im dreißigjährigen Kriege erlittenenSchadens wieder verkauft werden mußte.
Anch von mehren später regierenden Monarchen Böhmensunter welchen wir vorzugsweise Rudolph II,, Ferdinand II.,Ferdinand III,, Leopold I., Carl VI, und Maria Theresia nen-nen, wurde Carlsbad mit nahe liegenden Besitzungen, Geld-summen, Steuernachlässen :c. beschenkt, so daß es in der Mittedes vorigen Jahrhunderts zum größten Theile zn seiner jetzigenBedeutung gelangt war.
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