Carl
s b a d.
Quelle, werth des GesangS der göttlichen Helikoniden!
Wo erzeugst Du die heiße Flut, des wallenden Schwefels
Adern, o Wunder! wo die Füll' aufbrausenden Kalkes?
Wirkt es der unterirdische Brand, der Siciliens Aetna
Aufwühlt? Oder ist dieß Gewässer vielleicht von de« Orkus »
Glühender Näh' erhitzt? O weicht ihr Quellen von Baja,
Well' an Antenors Strand, stets hingewandt zum Timavus
Weich' auch du, so du nahe schwillst am bläulichen Rheinstrom,
Herrlich verklärt durch Carls, des frömmsten der Könige, heil'ge
Grabesstätte! — Wie hoch sie mit Sprudeln sich schwingt in die Lüfte!
Sieh, mit welch' buntem Schmuck sie Stein und Felsen bekleidet,
Da, wo sie rieselnd streicht! Kaum der Iris Bogen erglänzt in
Solchem Farbenspiel. — Fleuß' glücklich im Strome der Zeiten,
Heiliger Quell, ein heilender Hort dem Menschengeschlechte!
Greisen erfrische von Neuem die Kraft, der schüchternen Jungfrau
Rdthe die liebliche Wang' aufs Neu' und jegliches Siechthum
Heile, daß froher kehr' zu den theuren Fluren der Heimath,
Wer je in diese Welle getaucht die entkräfteten Glieder.
dieser, durch seine reizende Lage und große Frequenz,europäisch berühmte Badeort im Elbogner Kreise Böhmens,verdient in dieser wie in mehren andern Hinsichten ausgezeich-nete Würdigung in dem Cyclus merkwürdiger Orte der öster-reichischen Monarchie, die wir unsern Lesern vorzuführen ge-denken. Die große und vielseitige Wirksamkeit seiner Heilquel-len war nach Traditionen sowohl, als älteren Schriftstellern,schon im siebenten Jahrhundert den damals noch heidnischenBöhmen bekannt, welche die heiße Sprudelquelle Tepliwodznannten und aus den Sprudelsteinen ihren Göttern Altärebauten.
Im zwölften Jahrhundert entstand im dichten Walde, un-gefähr eine Stunde von dem karlsbader Thale, ein Dorf,Thiergarten genannt. Daß den Einwohnern desselben dieheiße Quelle bekannt war, beweisen die Ueberreste der dortigenKirche zu St. Leonhard und eines Kellers, in deren Grund-
lage sich Sprudelsteine befinden; doch war der Ort wohl zuentfernt von der Ouelle, um von Fremden besucht zu werden;vielleicht verfielen auch selbst die Einheimischen nicht darauf,sich derselben als Heilkraft zu bedienen, und man staunte nurvielleicht die heiße Quelle als Wunder der Natur an, ohneseine nützlichen Wirkungen zu erkennen und zum Vortheile derleidenden Menschheit anzuwenden. Wenigstens finden wir inden ältesten Dokumenten keine Spur von Untersuchung und An-wendung der Heilquelle, bis in der zweiten Hälfte des vier-zehnten Jahrhunderts, übereinstimmenden Umständen nach, amwahrscheinlichsten 1347, Böhmens Glanzgestirn, Kaiser CarlIV., sein Hoflager zu Elbogen hielt und sich in dieser Gegendmit der Jagd belustigte. Der Kaiser verfolgte einen Hirschbis auf die äußerste Spitze eines Felsen; von hier wagte dasWild, welches den Wurfspießen der verfolgenden Jäger aufkeine andere Weise mehr entkommen konnte, den verzweifelnden