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3 (1842)
Entstehung
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der Graben, welcher die Alt- und Neustadt trennte, zu dieser,wie weit zu jener gehöre, wie weit daher die Dachrinnen vonder Neustädte? Seite in denselben gehen dürfen, damit nichtdas Regenwasser daraus in den Allstädter Antheil fliesse ic.);aber, wo einmal Eifersucht und Streitlust herrschen, da weißman überall Ursachen und Anlässe zu finden, und so brachder Unfriede immer wieder aus. Dann wurden in beidenStädten die Straßen durch Schranken und Ketten versperrt,die Thore verschlossen, so daß die Altstädter nicht durch dieNeustadt, die Nenstädter nicht durch die Altstadt gehen konnten,*)auf den Straßen gab es Mord und Todschlag und nicht seltenpflanzten die beiden Städte Kanonen gegeneinander auf. Fastregelmässig aber kam bei solchen Anlägen, wie überhaupt beiallen Unruhen, die Judenstadt am ichlnmnsten weg.

Man sah endlich ein, daß die Trennung keiner der beidenStädte zum Vortheil gereichen könne, und am 3t). August1518 wurde, vorzüglich in Folge der beredten Ermahnungendes Prokurators und Primas Magister Paschek der Beschlußgefaßt, die beiden Städte gänzlich uuv vollkommen zu vereini-gen, die Mauern und Thore, welche sie trennten, niederzureißen,den Graben auszufüllen, und beide Städte auch als eine zuverwalten. Voll Freude über diese Vereinigung, gegen diesich auch nicht eine einzige Stimme erhob, wurden die Glockengeläutet, ein Do üvum luuckuiuus gelungen und unter Gesangund Jubel zog die ganze Versammlung aus dem Earotiu durchdie Elsengasse in die Theinkirche, wo der Priester Jakob eineAnrede an sie hielt, über die Worte der Schrift: (ch»ü>-umIioe >!vus, gnock ogeiiilus es >» »ubis. So groß und allge-mein war die Freude, daß noch am folgenden Tage auf demNathhause und in allen Kirchen die Glocken geläutet wurden.

Aber die Vereinigung muß noch wett mehr Veranlassungenzu Zwietracht gegeben habe», als vor ihr die Trennung, dennschon zehn Jahre später wurden beide Städte wieder getrennt,und Todesstrafe und Güterconflscatio» dem ange-droht, der die Vereinigung der Altstadt und Neu-stadt wieder in Vorschlag bringen würde. Ohnehöchst wichtige Gründe wäre eine so harte Drohung sicher nichterlassen worden. Fortan blieben die prager Städte bis zum

1. 1784 getrennt.

Ei» schweres Unglück betraf Prag im I. 1541, wo am

2. Juni in einem Hanse aus dir Älciuseite Feuer ausbrach undsich schnell gegen den Strahvw und die Bruska verbreitete.In Zeit von einer Stunde waren 55 Häuser auf der Klcin-seite und der Hradschin in Flammen, ja das Feuer ergriff auchdas königliche Schloß, und brannte dieses, so wie einen Theilder Domkirche, die Allerheiligenkirchc, das Kloster und dieKirche zu St. Georg ?c. nieder. Aber der größte Schade,welcher der Stadt, ja dem ganzen Lande aus dieser Feuers-brunst erwuchs, war die Einäscherung der Landtafel, wobei dieältesten Handschriften und Urkunden ein Raub der Flammenwurden.

In der innern Organisirnng der Stadt ging eine wesent-liche Veränderung in dem ereignißvollen Jahre 1547 vor. Umnämlich die Prager für die Theilnahme an dem Aufruhr inden Jahren 154ti und 1547 zu bestrafen, und für die Zukunftdergleichen Widersetzlichkeiten vorzubeugen, setzte Ferdinand 1.in jede der 3 Städte einen Stadthauptmann zur Handhabungder Polizei ein, gab jedem Magistrate einen Nichter bei, derAcht habe, daß im Rathe nichts gegen den Kaiser geschehe,und benahm ihnen das Recht, ibre Bürgermeister selbst zuwählen.**) Ueberdies wurden die Freiheiten der prager Städte

*) Zwar waren der Altstadt das Porzitscher- und das Kuttenberger-Thor (Neuthor?) ausdrücklich reservirt, doch scheint dieser Vor-behalt oft unbeachtet geblieben zu sein.

**) Unter K, Wenzel IV. hatte jeder der pragcr Magistrate aus!2 Rathsherrn (lionzele) bestanden, welche alljährlich neu ge-

beschränkt, mehre Pragcr am Leben, am Leibe, an Güternoder an der Ehre gestraft, oder des Landes verwiesen, undden drei Städten *) eine Geldbuße auferlegt und alle Waffenabgefordert. Hierdurch verlor Prag ungemein an Einfluß undWichtigkeit. Der Landtag, auf welchem diese Strafen überPrag verhängt wurden, heißt in der Geschichte der blutigeLandtag, weil er mit der Hinrichtung zweier Ritter und zweierprager Bürger begann (22. August 1547).

Sehr wohlthätig, weil dadurch mannigfachen Unordnungengesteuert wurde, war die Verfügung Ferdinands I., daß nichtmehr, wie bisher geschehen war, an ausländische Gerichtshöfeappellirt werde, sondern an das Appellationsgericht, welcheser 1548 für Böhmen, Mähren. Schlesien und die Lausitzpnauf dem prager Schlosse einsetzte. Zum Präsidenten diesesGerichtshofes ernannte Ferdinand den Herrn Ladislaw Popelvon Lobkowitz und gab ihm als Räthe zwei Herrn, drei Rit-ter, vier Rechtsgelehrte und vier prager Bürger bei. Ferdi-nand kreirte auch die ferdinandeische Universität, an welcher erJesuiten einführte, besetzte wieder den pragcr erzbischöflichenStuhl, nachdem derselbe fast 140 Jahre unbesetzt geblieben war,und baute die Königsburg auf dem Hradschin nach dem Brandevon 154d neu auf.

Eine neue glänzende Epoche für Prag begann, als Ru-dolf ll, den böhmischen Thron bestieg und seinen Hof für be-ständig in Prag aufschlug. Rudolfs Strdben ging dahin, dasgoldene Zeitalter der Künste und Wigenschaften in Böhmenwieder herbei zu führen. Er umgab sich mit Künstlern undGelehrten, legte bedeutende Kunstsammlungen an, vermehrtedie Privilegien der prager Hochschule, u. s. w. Wie groß derliterärische Verkehr in Prag war, kann man daraus ersehen,daß man damals hier zwei Hochschulen (die katholische vonFerdinand, und die ältere utraquistische), 10 andere Lehran-stalten, alle trefflich eingerichtet, und 16 Buchdruckereien fand.Auch gab es unter den Bürgern, nicht blos der Hauptstadt,sondern selbst der minderen böhmischen Städte viele, welcheihren Virgck, Horaz, Homer und Anakreon lasen. In mer-kantiler und industrieller Hinsicht war für Prag die Anwe-senheit des Hofes gleichfalls von großem Nutzen, und hob denWohlstand der Bürger zu ansehnlicher Höhe.

Leider vernachlässigte Rudolf über der Pflege der Wissen-schaften die Negierung, beschäftigte sich zu viel mit Astrologieund Alchymie, und war fast für Niemanden, als für seineGünstlinge zugänglich. So vermochte er die Stürme, die aufdem politischen Horizonte heranstiegen, nicht zu beschwören.Schon im I. 1611 wurden durch den Einfall des PassauerKriegsvolkes in Prag Gräuclthaten begangen, welchen unterjeder festern Regierung Einhalt geschehen wäre, aber baldbrachen noch herbere Unglücksfälle ein.

Am 23. Mai 1618 wurde auf dem prager Schlosse einebewcinenswerthe Gewaltthat begangen: der berüchtigte Fenster-sturz. Er war das Signal zum 30jährigen Kriege, welcherhalb Europa erschütterte. Die Böhmen fielen vom HauseOesterreich ab, und wählten einen König, der ohne den ge-ringsten Beruf zum Herrscher, nach der Krone griff, weil sieschimmerte und weil ihn seine herrschsüchtige Gemalin dazu an-trieb, der, statt die Verwirrung im Lande zu mindern, sie nurnoch mehren half, und auf dem prager Schlosse bankettirtc,

wählt wurden, und von denen abwechselnd jeden Monat EinerBürgermeister war. Später wurde die Zahl der Nathsherr» auf18 erhöht. Bei Erneuerung des Magistrates wurde» unter Wla-dislaw ll zuerst theils aus dem abtretenden Rathe, theils ausden Gemeindeältesten 24 Personen gewählt, von dme» danndurch Loos acht zu Wählern bestimmt, und diese acht wähltendie neue» Räthe.

*) Drei Städten, denn der Hradschin wurde erst 1764 zur "vier-ten Stadt Prag" erhoben.