fast in alle Kriege des damaligen Europa's, und kam nachPrag meist nur, wenn ihn die Geldnoth dazu trieb. Dannmußte Stadt und Land wacker beisteuern, damit er sein ver-schwenderisches Leben im Auslande mit Glanz fortführen könne.Um sich zu Gelde zu verhelfen, verpfändete er nach und nachalle königliche Güter, griff Kirchengüter an, ließ in einerJudensynagoge nach Schätzen graben, und ließ selbst dasMittel der Münzverschlechterung nicht unbenutzt. Doch ruhteder Wohlstand der Prager auf so fester Basis, daß sie z. B.im I. l3S8 binnen drei Tagen lOOOO Bewaffnete ausrüstenund dazu 740 mit Proviant und Waffen bcladene Wagen demKönige eiligst nach Zuaim senden konnten, nachdem sie ihmerst drei Jahre zuvor die für jene Zeiten ungeheure Summevon 9500«» Mark Silber (nach unserem Gelde fast S Millio-nen Gulden) auf die Reise mitgegeben hatten. Auch bei vielenandern Gelegenheiten wurden ihm anßcrordentliche Steuern be-willigt, jedoch „nicht nach Recht, sondern blos aus Gefälligkeit."Hatte man doch einen Ersatz für so große Opfer: den hohenKriegsruhm, den Böhmen unter Johann im Ausland erwarb.
König Johann starb einen wahren Heldentod in der Schlachtbei Crefsy am 26. August, demselben Tage, an welchem Otokargefallen war. Sein Rachfolger (1346) war Karl, der rechteMann zur rechten Zeit, ganz dazu geschaffen, die unter denvorigen Regierungen geschlagenen Wunden zu heilen.
Die Periode, die nun für Prag begann, war seine glän-zendste. Schon als Markgraf von Mähren hatte Karl zeit-weilig die Regierung in Böhmen geführt, und bei der Ge-legenheit das Königsschloß auf dem Hradschin neu gebaut, dasprager Bisthum zu einem Erzbisthume erhoben, und denDom zu St. Veit von Grund aus neu zu bauen begon-nen; jetzt als König aber fand seine Thätigkeit einen weitungehemmteren Wirkungskreis. Er erweiterte die Kleinseite zuihrem gegenwärtigen Umfange, erbaute die Neustadt, führteüberall die prachtvollsten Kirchen und Klöster auf, begabte dieStadt Prag mit sehr wohlthätigen Privilegien, zog fremdeGewerbsleute ins Land, that dem Handel allen möglichenVorschub, eröffnete den Böhmen neue Erwerbsquelle», führteden Weinbau ein, und traf eine Anzahl durchgreifender, wohl-thätiger Maßregeln. Eine seiner segensreichsten Institutionenaber war die Gründung der Universität in Prag, der erstenin Deutschland. Sie war nach dem Mnster der Pariser, aufwelcher Karl selbst studirt hatte, in 4 Fakultäten und 4 Na-tionen (die böhmische, bairische, polnische und sächsische) getheilt.Später begabte er sie auch mit einer Bibliothek, bestehend ausll4 Bänden, einem für jene Zeit außerordentlichen Büchcr-reichthume. Ein eigenes Universitätsgebäude gab es im An-fang noch nicht, die Professoren hielten ihre Vorlesungen meistin ihren Wohnungen. Das erste feste Collegium stiftete Karlin dem Hause des Juden Lazarus in der Altstadt, aus welchemes später (unter Wenzel IV.) in das HauS des Bürgers Roth-lew, das heutige Carolin überging. Nicht nur aus Deutsch-land, auch aus Frankreich, England, Italien strömten Wißbe-gierige herbei.
Durch das Aufblühen des Handels, der Industrie, derUniversität und durch die Erweiterung der Stadt stieg die Be-wohnerzahl Prags mit ungemeincr Naschhcit; noch mehr aberdadurch, daß Karl, der erste unter den Herrschern Böhmens,auf seinem Haupte mit der böhmischen Königskrone zugleichdie Kaiserkrone des römisch-deutschen Reiches vereinte. Soward Prag zugleich die Hauptstadt von ganz Deutschland undder Sitz eines doppelten Hofstaates. Geistliche und weltlicheFürsten, so Gerlach, Kurfürst von Mainz, Burggraf Johannvon Nürnberg, die Kurfürsten von Brandenburg, die Herzogevon Baicrn u. A. hielten sich am Hofe Karls auf, Kur-fürst Rudolf von Sachsen und Herzog Friedrich von Burgundbesaßen in Prag eigene Paläste (ersterer das heutige Sachsen-
haus, letzterer das Plattcyß), Könige beehrten Prag mit ihrenBesuchen, zahlreiche Gesandtschaften fanden sich hier ein, dieVornehmsten des Landes hatten es zn ihrem beständigen Aufent-halte gewählt, die gelehrtesten Männer, die geschicktesten Bau-meister, die berühmteste» Maler lebten bleibend oder zeitweiligan Karls Hofe, und wie es damals — nach dem Ausspruchedes Böhmen abholden Acneaö Sylvius — kein Königreich gab,das sich mit Böhmen hätte messen können, so gab es auch nurwenige Städte, welche den Vergleich mit Prag auszuhaltenvermochten. Rom, Florenz, Paris und Köln, die berühmtestenStädte des damaligen Europa, übertrafen es wohl schwerlichoder nur wenig an Glanz und Größe. Ueber fünfthalbJahrhunderte sind seit Karls IV. Tode (l378) verflossen,aber im Gedächtnisse der Böhmen lebt er noch immer durchseine Werke.
Durch die zahlreichen Berührungen mit dem Auslandewar schon unter König Johann in Sitte und Costume desVolkes, natürlich zunächst der Hauptstädter, manche und zwarnicht immer günstige Veränderung vorgegangen. Das Fremdegewann immer mehr Eingang. Man begann lange Bärte,und das Haar mit Eisen gekräuselt, bis an die Schultern her-abhängend zu tragen; die alten Mützen wichen hohen, ver-schiedenfarbigen Hüten; die Kleidung war eng und kurz, vonden Elbogen hing ein langer Aermel herab „wie ein EselSohr."Die altböhmischen bequemen Halbsticfel (sknrnö) waren inUngnade gefallen und man nahm von den Franzosen nicht nurdie knappen Stiefel, sondern auch deren Namen an (botles-bot)). Und so lieb hatte man diese neue Tracht gewonnen,daß in Kuttcnberg ein Satyriker, welcher dieselbe bespöttelthatte, erschlagen wurde.
Die Berührungen mit den Ausländern, namentlich mitden Deutschen nahmen bald eine traurige Wendung. Aus Be-rührungen entstanden Reibungen, und aus den Reibungen warddurch eine unheilvolle Verkettung von Umständen ein unseligerlangwieriger Krieg, in welchem zwar der Ruhm der böhmischenWaffen glänzender als je aufstrahlte, aber ein Ruhm, der nurzu theuer durch die gräßlichste innere Verwüstung und Zerrüt-tung erkauft war.
Ein Streit um die Stimmen bei der Wahl des Univer-sitätSrcktors gab zuerst den Anstoß zum Ausbruch der Unruhen.Bisher hatten die Deutsche» drei, die Böhmen eine Stimmegehabt, damit waren die Böhmen unzufrieden und brachtenihre Beschwerde bei dem Könige ein. Wenzel IV., der mitt-lerweile der deutschen Kaiserkrone verlustig worden und hiereine Gelegenheit fand, die Deutschen es büfsen zu lassen, ent-schied für die Böhmen. Auch auf den prager Rathhäuscrn,wo bisher 16 deutsche und S böhmische NathSherren gesessenwaren, sollte nunmehr das Gegentheil eintreten. Hierüberentrüstet, verließen die Deutschen, insbesondere Studenten undProfessoren, viele Tausend an Zahl, die Stadt Prag. Tau-sende von prager Bürgern verloren dadurch einen beträchtlichenTheil ihres Wohlstandes und der Glanz der Universität ermat-tete, als nun in den Nachbarstaaten neue Hochschulen entstan-den. Magister Johann Hub, der bei allen diesen Bewegungenan der Spitze der Böhmen stand, gcrieth nun als Universitäts-rektor auch bald mit der Geistlichkeit in Streit, da er bereitsfrüher gegen die Unordnungen, welche in der Kirche vorzüglichdurch das gerade herrschende Schisma cingerisscn waren, seineStimme erhoben hatte. Schon im Jahre 14 IS und 1413 ent-standen in Prag Unruhen, wobei es an Mordthaten nichtfehlte, aber als auf dem Kostnitzer Concilium Mag. Hus undnach ihm Hieronymus von Prag auf dem Scheiterhaufen ver-brannt worden waren, loderte bald der Hussitenkrieg hell aufEin Stein, der am 30. Juli 14l9 bei einem Umzüge derHussiten aus dem Neustädtcr Rathhause geworfen wurde undden Priester der Hussiten traf, erbitterte diese dermassen, daß