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3 (1842)
Entstehung
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lichen Hofcs (Otokar II. ward wegen dieser seiner Eigenschaftder Goldene genannt) verpflanzte feinere Sitte nach Prag,Turniere wurden ein Lieblingsspiel des Adels und im Bürgerwurde ein regerer Gewerbsgeist geweckt, und dadurch seinWohlstand gehoben. Schon im l ltcn Jahrhundert findet manPrag in lebhaftem, unmittelbarem Verkehr'mit dem byzantini-schen Reiche; obschon sich der auswärtige Handel größtentheilsin den Händen der zu Prag ansäßigen Juden, Griechen, Ita-liener und Deutschen befand. Doch durften diese fremden Kauf-leute, liospiiez (Gäste) genannt, nur im Teynhofe, wo sichschon unter Borziwoy II. ein Hauptzollamt mit festem Tariffür alle Einfuhrartikel befand, ihre Waaren auslegen und ver-kaufen. Die Epoche Otokars II. war eine der glanzvollstenwie für Böhmen im Allgemeinen, so für Prag insbesondere.Nie zuvor war Reich und Hauptstadt auf solcher RuhmeShöhegestanvcn. Da kam die verhängnißvolle Schlacht bei Laa(26. August 1278), durch Verrath wurde das böhmische Heergeschlagen, der ritterliche König fiel von siebzehn Speerstichendurchbohrt. Als die Kunde hiervon nach Prag kam, wurdenin allen, beinahe hundert Kirchen, Tage lang alle Glocken ge-läutet und vom königlichen Palast bis zur ärmsten Hütte herabertönte ein Ruf der Klage und des Jammers. Und der Gründeder Klagen und des Jammers wurden bald noch mehre. Mark-graf Otto von Brandenburg, des gefallenen Königs Schwager,übernahm, da Otokars einziger Sohn Wenzel II. erst siebenJahre zählte, die Regentschaft dcS Landes, so wie die Vor-mundschaft über den Prinzen. Aber statt des Prinzen und desLandes Wohl zu wahren, ließ er den ersteren den Sohndes reichsten Königs seiner Zeit in der Fremde, wo er ihngefangen hielt, auf das empfindlichste darben, und hauste heil-loser im Lande, als je vor ihm ein Feind gethan. Er plün-derte die pragcr Burg, den Dom zu St. Veit, und die Schätze,die im Kronarchiv aufbewahrt waren, und schloß, um nachWillkühr darin Hausen zu können, den Domklerus aus derBurg ganz aus, so daß zwei volle Jahre lang daselbst keinGeläute gehört, kein Gottesdienst gehalten wurde. Eine MengeAbenteuerer aus Norddcutschland, durch den Ruf der böhmischenSchätze angelockt, eilten herbei, und erlaubten sich Gewalt-thätigkeiten, Räubereien und Erpressungen jeder Art. DieChronisten erzählen uns die gräßlichsten Vorgänge aus jenerZeit und vorzüglich das Landvolk, zur Verzweiflung getrieben,verließ Haus und Hof, verkroch sich in Wälder und unterir-dische Höhlen und kam dort meist vor Hunger und Kälte um.Die Noth des von Anarchie und strafloser Räuberei zerrüttetenLandes auf den äußersten Gipfel zu treiben, vernichteten, vor-züglich in der Gegend um Prag, Wolkenbrüchc und Ueber-schwcmmnngen die Saat, und raste am 3. Dezember l28l> einso wüthender Orkan im ganzen Lande, daß er in Prag allein24 Thürme niederriß und eine Menge Häuser zerstörte. EineHungcrsnoth, die in Folge dieser Schrecknisse ansbrach unddas ganze Jahr 1281 bis zum Sommer 1282 währte, raffteim ganzen Lande 666666, in Prag allein 2666t» Menschendahin. So gräßlich war das Elend, daß Menschen Menschen-fleisch aßen, ja daß itt der Nähe von Saaz eine Tochter ihreeigene Mutter verzehrte. (8oript. rer. bok. 1. p, 4K3.)

Eine überaus ergiebige Ernte im I. 1282 stillte die Noth,und als im Mai des folgenden Jahres Wenzel, freilich mitschweren Opfern, seiner Haft frei ward, und in das väterlicheReich zurückkehrte, begann sich Stadt und Land von den ihmgeschlagenen Wunden zu erholen, ja schon vierzehn Jahre später(2. Juni I2i>7) sehen wir Prag als den Schauplatz des pracht-vollsten luxuriösesten Krönnngsfestes, das nur irgendwo in je-neu Zeiten gefeiert worden. Viel trugen zu diesem schnellenWiederaufblühen die Silberbergwerke in Kuttenberg und dieGoldminen von Eule bei, die damals im höchsten Flore stan-den, und von deren Reichthümern gewiß ein sehr ansehnlicher

Theil in die Säckel der prager Bürger floß, obwohl Glücks-ritter und Abenteurer aus ganz Westeuropa herbeieilten, umauch ihren Antheil von den Schätzen dieses Eldorados zu holen.Aber die weisen Maßregeln Wenzels, der trotz allzufrüherKraftvergeudung und bei all seiner Weichlichkeit ein sorgsamerund umsichtiger Regent war, hatten um den neuen Wohlstandsich gewiß auch bedeutende Verdienste erworben. Unter diesenweisen Maßregeln, so weit sie Sicherung des Vermögens be-trasen, gebührt der erste Rang der Reform des Münzwesens;Wenzel II. war der erste Herrscher von Böhmen, der einefeste unwandelbare Münze, die herrlichen Prager Groscheneinführte und prägte. Auch war Wenzel schon >2!>4 mit demGedanken umgegangen, in Prag eine Universität zu gründen,aber so wie manches andre seiner Vorhaben, scheiterte auchdieses an dem Widerspruche der Barone und blieb einer späte-ren Zeit vorbehalten. Wenzel II. starb, erst 34 Jahre alt,im I. 131)5; schon ein Jahr darauf wurde Wenzel III., seinSohn, erst siebenzehn Jahr alt, ermordet, ruhmlos nach einemthatenlosen Leben. Mit ihm war der Mannsstamm der Pre-mysliden, der mit einer einzigen ganz kurzen Unterbrechung,*)sechs Jahrhunderte glorreich über Böhmen geherrscht hatte,Plötzlich erloschen.

Alle Schrecken eines Interregnums brachen ein. HätteHerzog Rudolf von Oesterreich, der 1366 zum Könige gewähltwurde, länger gelebt, er hätte wahrscheinlich die Unzufrieden-heit, die gegen ihn laut ward, beschwichtigt, nnd das Landberuhigt, aber er starb nach neunmonatlicher Regierung beider Belagerung von Horazdiowitz. In einer stürmischen Wahl-versammlung, im Bischofshofe auf der Kleinseite, in welcherParteiwuth zu blutigen Gewaltthaten hinriß, wurde Heinrichvon Körnten zum Könige erwählt, aber Friede und Ruhekehrten nicht mit ihm im Lande ein. Die Straßen Pragswurden der Schauplatz blutiger Kämpfe und Stürme, derKönig mußte sich in seine Burg auf dem Hradschin zurückziehen,nnd Truppen aus Meißen zu Hilfe rufen. Diese plündertenund raubten ärger als einst die Brandenburger, das erlauchtePrag ward nach den Worten des Chronisten Benesch vonWcitmil einer Räuberhöhle gleich. Diese traurige Zerrüt-tung währte fort, bis Kaiser Heinrichs VII. Sohn Johannvon Luxemburg, den die Gegenpartei der Kärntner unterdeßzum Könige berufen, am 28. November 13ll) mit einem star-ken Heere vor Prag erschien. Zwar vertheidigten die Meißnertapfer die mit Mauern, hohen Thürmen und tiefen Gräbenstark befestigte Altstadt, aber die dem neuen Könige anhängen-den Bürger strömten haufenweise, mit Beilen und Hacken be-waffnet, durch die lange Gasse zum Stadtthore, schlugen esein, und ließen das lurenburgische Heer in die Stadt. SechsTage später verließ Heinrich von Kärnten mit seinem Hofe dieHauptstadt Böhmens. Diese sah die Morgendämmerung einerglücklicheren Zeit tragen.

Aber Johann täuschte manche Hoffnungen. Nicht langenach seinem Regierungsantritt brach neuer Bürgerkrieg aus,ja was noch fast ärger war, es entspann sich ein Krieg zwi-schen dem König und seiner eigenen Gemalin, der Premysli-dentochter Elisabeth. Auf der letzteren Seite standen die Prager.Glücklicherweise war ein so unnatürlicher Krieg nicht von langerDauer, und endete mit einem Vergleiche, in welchem die Pragcrdem Könige bedeutende Summen zahlen mußten.

Johann fühlte sich von jeher als einen Fremdling imLande, und hielt sich auch bald lieber in der Fremde, als inseinem Reiche auf. Er fuhr auf Turniere und Abenteuer um-her, so daß man oft gar nicht wußte, wo er war, mischte sich

*) Diese Unterbrechung war die nur einige Monate währende Ne-gierungszcit Wladiwoys (1002), der in weiblicher Linie von denPrcmysliden abstammte. (Er war ein Sohn Micczislaws I, vonPolen und Dubrawka's, der Tochter Boleslaws I von Böhmen.)