lim unsere Hauptstadt erworben, benannte die Prager Bürger-schaft diese Anlagen „Choteks Anlagen" und die für denkommerziellen Verkehr wichtige Kunststraße, welche derselbe HerrOberstburggraf auf diese Anhöhe, auf die man früher nur durcheinen engen, gefährlichen Felsenhohlweg gelangen konnte, hatteführen lasse: „Choteks Straße."") Eine Säule aus dem-selben Granit, aus welchem die Pfeiler der Kettenbrücke erbautsind, nennt mit goldenen Buchstaben seit dem 4. November1841 diese beiden Namen.
Und somit hätten wir und zwar mit einer freundlichenErinnerung, unsere Beschreibung von Prag geendigt. Nureinige wenige Worte noch über deren
Vorstädte und Umgebungen.
Noch innerhalb der Stadtmauern von Prag liegt die königl.Bergstadt Wyschehrad, gehört jedoch bereits zum Kaurzim-mer Kreise. Die stolzen und zahlreichen Zinnen, Thürme,Kirchen, Schlösser dieser alten Felsenburg der ersten BeherrscherBöhmens sind verschwunden; der Hussitenkrieg hat sie der Erdegleich gemacht. Manches, was dieser gräuelvollc Bürgerkriegverschont hatte, wurde im XVII. Jahrhunderte niedergerissen,als man bald nach dem 30jährigen Kriege damit umging, denWyscherad zu einer Festung zu machen, ein Beginnen, das niegänzlich zu Stande kam. Die einst glänz- und lebensvolleAnhöhe, die sich felsig aus dem Strombett der Moldau erhebt,ist jetzt still und öde; Grasplätze, Fortifikationswerke, Ueberrestealten Gemäuers und einige magere Ackerfelder findet man, woeinst reichgcthürmte Dome und Paläste gestanden. Unter denwenigen Gebäuden, die jetzt vereinzelt auf der Höhe des Ber-ges stehen, sind das Zeughaus und die Kollegiatkirche zuSt. Peter und Paul (von 14 Kirchen allein übrig) dievorzüglichsten. Die Kollegiatkirche zu St. Peter und Paulschreibt ihre Erbauung bereits aus dem XI. Jahrhunderte her.Der letzte Umbau geschah in der zweiten Hälfte des vorigenJahrhundertes, die Seitenschiffe jedoch sollen noch dem frühe-sten Bau angehören. Das Kapitel dieser Kirche, schon in denfrühesten Zeiten reich dotirt, führt den Titel „Kollegiatstift deruralten königl. Kollegiatkirche der heiligen Apostelfürsten Peterund Paul auf dem Wyschehrad", und besteht aus einem infu-lirten Probst, einem infulirtcn Kapitulardechant, und sechs in-fulirten Kapitular- und Rcsidenzialdomherren.
Die Stadt Wyschehrad zieht sich, nur 75 Häuser undetwa 1700 Einwohner zählend, fast blos in einer einzigenGasse am Fuße des Berges hin. Im Jahre I84l wurde eineneue bequeme Straße, statt der früheren steilen, durch die Fel-sen durchgebrochen und ein seit mehren Decennien vermauer-tes (angeblich von den Franzosen zur Zeit ihrer Okkupationvon Prag erbautes) Thor für diese neue Bergstraße wiedereröffnet.
An Vorstädten besitzt Prag nur zwei, beide, wie natürlich,vor den zwei lebhaftesten Thoren: das Karolinenthal vor demPorzitscher, der Smichow vor dem Augezder Thor.
*) Diese Straße bildet den Vordergrund des Bildes „der Hradschinin Prag".
Karolinenthal. Im sechszehnten Jahrhunderte führtediese Gegend den Namen Spittelfeld, nach einem Spital, wel-ches um's Jahr 1500 Mathias Hlawnie aus Kaurzim fürSolche erbaut hatte, die an der damals wüthenden Lustseucheerkrankt waren. Das Spital verlor sich wieder, aber die Be-nennung blieb noch lange. (Das Porzitscher Thor führt nochheute hiervon den Namen Spittelthor.) Als vor ungefähr dreiDecennien rasch Häuser auf Häuser hier sich erhoben, und mitRiesenschritten eine neue Ortschaft zu entstehen begann, ertheilteman (1817) der schnell aufblühenden Vorstadt den NamenKarolinenthal (zu Ehren der jetzigen Kaiserin Mutter). DieVorstadt zählt nunmehr bereits 1K1 Häuser und 6214 Bewoh-ner, aber noch immer erheben sich neue oft sehr großartigeGebäude. Die vorzüglichsten sind einige ansehnliche Fabriken,(z. B. die Rosenthalcr Kottonfabrik u. a. m.) und Gasthäuser.Die Moldau, welche nördlich am Karolinenthal vorbeiflicßt,und, weil sich hier der Landungsplatz der Elbe- und Untern-Moldauschiffe befindet, einen recht belebten Anblick gewährt, bil-det hier einige Inseln, von denen die Hetzinsel (nach den sonsthier gehaltenen Thierhetzcn genannt,) und die Köpplische Inselwegen ihres Laubreichthums und ihrer schattigen Gänge Freun-den der Einsamkeit recht anmuthige Promenaden bieten. —In unmittelbarer Nachbarschaft des Karolinenthals steht dasJnvalidenhaus, ein großartiges, aber noch unvollendetesGebäude, dessen Bau auf Befehl Karls VI. im Jahre 1702unter der Leitung des Architekten K. Dinzenhofer begann. Aufeiner großen Wiese beim Jnvalidenhause werden zahlreiche Mi-litärfeste gefeiert und die vom böhmischen Wettrenncnvercineveranstalteten Pferderennen abgehalten.
Minder schön aber häuserreichcr als das Karolinenthal istder Smichow (196 Häuser 4039 Einwohner). Die meistenseiner Bewohner sind Jsraeliten. Die Pfarrkirche St. Philippund Jakob, bereits im Jahre 1363 bekannt, wurde im Hussi-tenkriege zerstört und erst im Jahre 1763 wieder hergestellt.Eine andere Kirche stand sonst bei dem 1341 von Johann vonLurenburg erbauten Karthäuserkloster Mariengarten, welchesgleichfalls durch die Hussiten (1619) zerstört wurde. DieMönche entflohen nach Nieder - Oesterreich und ein Herr Smi-kowsky kaufte den verlassenen Klostergrund, welcher von ihmden heutigen Namen erhielt. Der Smichow ist reich an Gär-ten, unter welchen vorzüglich zwei nennenswerth sind: der k.botanische Garten, in welchem den Studirenden der Arznei-wissenschaft Vorlesungen über Botanik gehalten werden, undder Garten der Fürstin Kinsky, am Südabhange des Laurenz-berges, mit seiner Villa, Schweizcrci, Orangerie, seinen aus-gedehnten Gehölzpartien, Sommersalon zc. ein wahrhaft fürst-licher Aufenthalt. Dieser Garten wurde erst vor wenigen Jah-ren auf dem steilen und ehedem kahlen Bergabhange mit unge-heuern Kosten angelegt.
Die übrigen Umgebungen Prags sind interessant und ab-wechselungsreich. Wir wollen sie nur übersichtlich betrachten.Von Süden kommend, bildet die Moldau ein bald engeres,bald weiteres Thal, das bald von nackten nicht unmalerischenKalkfelsen, bald von, mit Gebüsch bewachsenen und feldcrbe-bauten Anhöhen beherrscht wird. Unter diesen Anhöhen ist die