Druckschrift 
3 (1842)
Entstehung
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über dem Vergnügungsorte Kuchelbad am linken, unter denFelsen der Braniker Felsen, (der den trefflichen Prager Kalk l'asta cki pi-uxu liefert,) am rechten Ufer der interessan-teste. Unterhalb Kleinküche! öffnet sich, von Südwcsten kom-mend, das romantische Felsenthal des heiligen Prokop,dessen Besuch wegen des Reichthums an merkwürdigen Verstei-nerungen, die man in den klippigen Felsenmassen seiner Ab-hänge findet, Geognosten cmpfehlenswerth ist. Bei einem Kirch-lein an dem Nordabhang dieses Thales befindet sich der Ein-gang in eine weitgehende, finstere feuchte Felsenhöhle, in wel-cher der heilige Prokop, früher Abt des Sazawer Klosters, ge-lebt haben soll. Ein zweites Thal, das Motoler, öffnetsich beim Smichow gegen die Moldau. Seinen Südabhangziert ein sonst zahlreich besuchter Lustort, die Cibulka: miteinem Schlosse, Ziergarten und Parke, eine Schöpfung des letz-ten Fürst-Bischofs von Passau, Grafen Leopold v. Thun.Ein kolossales gußeisernes Denkmal bezeichnet die Ruhestättedes würdigen Mannes in dem Kirchhofe des nahen DorfesKoschirz (welcher als Kirchhof für die Kleinseite und den Hrad-schin dient). Auf der Nordseite beherrscht das Motoler Thalder geschichtlich denkwürdige Weiße Berg mit seiner Fort-setzung, dem Laurenzberg. Auf dem Weißen Berge (dessenWestabhang etwa l Stunde von Prag entfernt ist) wurde diegroße Schlacht vom 8. November 162» geschlagen; zu ihremAndenken steht hier noch eine Kapelle zu Maria vom Siege.Auf dem nördlichen Abhänge des Weißen Bergs, von der er-wähnten Kapelle nicht sehr entfernt, breitet sich der Sternaus, ein ehemaliger Thiergarten, den Georg von Podiebradangelegt. Dieser große König ist auch der Erbauer des stern-förmigen Jagdschlosses, nach welchem der Thiergarten benanntwurde, und das nun als Pulvermagazin dient. Das Inneredieses Gcbändes ist sehr alterthümlich. Der Park selbst ist reichan abwechselungsvollen Spaziergängen: auf einem seiner schön-sten Plätze, welcher nun der Königssitz heißt, weilte der Preu-ßenkönig Friedrich II. oft und gerne, während er (1757) Pragbelagerte. Im Stern wird das lebhafteste aller Prager Volks-feste: das Margarethenfest gefeiert. Eine kleine Viertelstundeöstlich vom Stern liegt an der Reichsstraße das uralte (schon!>i>3 gestiftete) Benediktinerkloster St. Margareth zu Brzew-now. Durch das Thal unter dem nördlichen AbHange desWeißen Berges läuft eine Eisenbahn, welche in die sürstl.Fürstenbergischen Wälder bei Lana führt, und blos zum Trans-port von Eise», Kohlen, Holz, Bausteinen :c. dient.

In der Nähe des Sternes beginnt das romantische Schar-kathal, das Ziel zahlreicher Lustpartien der Prager im Früh-ling und Sommer. Durch seineu Namen erinnert es an dieSage vom böhmischen Amazonenkriege, denn Scharka war eineGefährtin der Heldin Wlasta. Wenn man aber wie häufiggeschieht das Scharkathal die böhmische Schweiz nennt, soist dies zu viel Ehre für das Tstal, und zu wenig Ehre fürBöhmen, welches, besonders in seinen Nordkreisen, so überreichan großartig romantischen Partien ist. Bei dem 1 Stundenördlich von Prag liegenden Dorfe Pedbaba, öffnet sich dasScharkathal in das Thalbett der Moldau, das hier eng undvon malerischen Felsparticn begränzt wird. Zwischen Pragund dem Dorfe Pedbaba hat die Moldau einen so weiten Bo-gen gemacht, daß die Schiffer zu der Strecke, die ein Fußgängerin gerader Linie, wie gesagt, binnen einer kleinen Stunde be-quem zurücklegen kann, fast drei Stunden brauchen. An derWurzel der durch diesen Bogen gebildeten- Landzunge (derenöstlicher Theil in der alten Geschichte oft unter dein Namenlelne pvle, Sommerfeld, genannt wird) liegt der Baum gar-ten, ein ehemaliger Thiergarten, wahrscheinlich von Karl IV.

angelegt. Die Weitläufigkeit dieses Parkes, der von dem nahenDorfe Bubentsch auch der bubentschcr Park genannt wird, dieMannigfaltigkeit seiner anmuthigen Anlagen, die herrliche Aus-sicht, die mau von seinen höheren Partien auf das Moldau-thal genießt, haben denselben zu einem eben so beliebten Ver-gnügungsorte der Prager erhoben, als es der Prater für dieWiener ist. Das elegante Lustschloß im Baumgarten, die Som-merresidcnz der Oberstburggrafen von Böhmen, stellt ein diesemWerke beigelegter Stahlstich von der Nordseite dar. An denBaumgarten gränzt die Kaisermühle, von Rudolf II. er-baut, ehemals ein Pflegcort des im Baumgarten gehaltenenWildes, jetzt zu Fabriken und einer vielbesuchten Restaurationverwendet. Dieser gegenüber liegt am rechten Moldaunfer dasDorf Troja, mit einem Schlosse, welches Graf Pötting im17. Jahrhunderte begonnen und Graf W. A. Sternberg mitungeheuerem Kostenaufwande vollendet hat. Kunstkenner findenin dem Schlosse noch manches Sehcnswerthe, obwohl es durchdie preußische Belagerung im Jahre 1757 sehr gelitten hatte,und die reiche Gemäldesammlung in neuester Zeit zum größtenTheile versteigert worden ist.

An dem, der Stadt Prag zunächst liegenden Abhänge dererwähnten Landzunge wächst der bekannte Belvedcre - Wein.Der Name Belvedere auf die herrliche Aussicht deutendrührt von einem Lustschlosse, das auf der Anhöhe gestandenhatte, 1712 aber von den Franzosen in die Luft gesprengtwurde. Dem östlichsten Punkte der Landzunge gegenüberliegt am rechten Moldaunfer das große Dorf Lieben mit demSommerschlosse der Präger Bürgermeister. In diesem Schloßwurde am 25. Juni 16»8 der Vertrag geschlossen, durch wel-chen Kaiser Rudolf II. die Krone Böhmens seinem BruderMathias abtrat. Die Herrschaft Lieben ist ein Eigenthum derStadt Prag, und wurde von dem Gelde angekauft, welchesKaiser Ferdinand III. den Alt- und Neustädtcrn zur Belohnungfür die bei der Abwehr der Schweden (16-18) bewiesene Tapfer-keit und zur Erleichterung der damals erlittenen Drangsale ge-schenkt hatte. Südlich von Lieben zieht sich, in seiner westlichenFortsetzung das Karolinthal beherrschend, der Zizkaberg, sogenannt nach dem Hussitenfeldherrn Zizka, der sich 112» vondieser Anhöhe siegreich gegen Kaiser Sigmunds Truppen ver-theidigt hatte.

In Süden des Zizkaberges, östlich in geringer Entfernungvon Prag, liegen viele zahlreich besuchte Lustorte und Gärten:so der große gräflich Canal'sche (jetzt Zdekauer'sche) Garten,der Pstroß'sche Garten, die Wimmer'schen Anlagen, die DörferWrschowitz und Nnßle in dem anmuthigen Nnßler Thale, undsüdlich das wegen seiner Krebse und Fische beliebte Dorf Podol(an der Moldau unterm Wyschehrade) u. a. m.

Wollten wir den Rayon um Prag noch weiter ziehen, sowürden wir in Süden Königsaal mit seiner ehemaligen Abtei,seinen Fabriken und seinen schönen Partien im Moldauthal,südwestlich die alte Königsburg Karlstein und das herrliche Fel-senthal St. Iwan, nordwestlich Buschtiehrad mit seinen Steinkoh-lenbergwerken und seinem großherzoglich Toskana'schcn Schlosse,den Park und das Schloß Smetschna mit dem Badeort Stern-berg, nördlich die vielen hübschen Partien des untern Moldau-thales, den Weltruser Park, das rebenreiche Melnik, und jeweiter nach Norden wir gingen, desto herrlichere Partien fin-den. Nordöstlich müßten wir vorzüglich das Brandeiser Schloß,südöstlich das romantische, burgenrciche Thal der Sazawa, süd-lich die Goldbergwerke von Eule und wieder das herrliche Thalder Moldau Vorzüglich von Stiechowitz hinab nach Dawle undWran erwähnen.