Druckschrift 
3 (1842)
Entstehung
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seiner mikroskopischen Untersuchungen niederlegte, der gelehrtenWelt wohlbekannte Herr Aug. Jos. Corda. Presl steht denbotanischen, Zippe den Mineralien- und Petrefakten-, Cordaden zoologischen Sammlungen als Custos vor.

Von der Westseite des Hradschiner Platzes laufen zweiGassen aus: die eine führt an einem ehemaligen Ursulinerklo-ster (jetzt Artillcriekascrne) in dieNeue Welt", eines derärmsten Stadtquarticre, welches weit mehr dörfliche als städti-sche Elemente in sich faßt und nicht im Entferntesten an dieNähe so zahlreicher großartiger Bauwerke erinnert; durch diezweite, die Rathhausgasse, gelangt man an einem von Außenschönen und innerlich wohl eingerichteten Zwangarbeitshaus vor-bei auf den Lorcttoplatz, einen ungcpflasterten, theilweise mitGras bewachsenen Platz, der bei all seiner Oede auch seinePrachtgebäude auszuweisen hat: das kolossale Czernin'schePalais und die Lorettokirche.

Die wahrhaft riesigen Verhältnisse des eben genanntenPalastes sind unserem Leser durch einen eigenen Stahlstich ver-anschaulicht, der das Majoratshaus von seiner 76 Klafterlangen Vorderfronte darstellt. Der Stpl und die innere Aus-schmückung des Gebäudes fand strenge wohl auch unbillige Tadler; aber noch schwerere Unbilden beging an diesemgroßartigsten aller Paläste Prags das Schicksal. Durch Bela-gerungen und andere mißgünstige Zeitverhältnisse*) entstellt,von seinen Besitzern verlassen, dient er jetzt nur zum Aufent-halte von Leuten aus der ärmsten Volksklasse, und theilt indieser Beziehung das Loos manches Prachtgebäudes der Mcer-stadt Venedig.

Der Zeichner unseres Bildes wollte durch die Staffage,welche er für dasselbe wählte, andeuten, daß rechts außerhalbdes Prospektes ein Kloster der Kapuziner steht. Die Mönchedieses Ordens wurden im Jahre 1599 hier eingeführt, hättenaber beinahe bald darauf wieder Prag verlassen müssen, weilTpcho de Brahe, dessen Observatorium in dieser Gegend stand,bei Kaiser Rudolf II. eine Beschwerde einbrachte, daß ihr Läu-ten zur Nachtzeit ihn in seinen astronomischen Studien störe.Dem Czernin'schen Palaste gegenüber (auf dem Bilde durchdie vorspringende Balustrade angedeutet) erhebt sich die Lo-rettokirche, nach welcher der Platz seinen Namen erhielt.Die Gräfin Benigna von Lobkowitz ließ sie im Jahre 1626nach dem Muster der 8snta casa in Lorctto erbauen. Agostoschmückte die 8anta cg8u mit schönen Stukaturarbeiten, Reinermalte den Plafond der Kirche und Schöffler die Wölbung desKreuzganges al lr«8eo. Ein mechanisches Glockenspiel auf demThurme, das ein Prager Bürger 1694 in Amsterdam hattegießen lassen, ist jetzt verstimmt. Das Lauretanische HauS be-sitzt einen reichen Schatz, dessen vorzüglichste Kostbarkeit eineMonstranz aus 6666 Diamanten ist, für die schon 25,666 Du-katen vergeblich geboten wurden.

*) Während des Aufenthalts der Franzosen zu Prag (1742) sollteder Palast schon abgetragen werden, und nur die Drohung eineskaiserlichen Generals, daß wenn das Czerninsche Palais dcmo-lirt, die kurfürstliche Residenz in München sogleich in einen Stein-haufen verwandelt werden würde, soll es damals vor dem Ver-derben gerettet haben.

Einige hundert Schritt südwestlich vom Lorettoplatz erhebtsich am Saume einer gegen die Kleinseite abfallenden Anhöhedas königliche Prämonstratenserstift Strahow. Der OlmützerBischof Heinrich Zdik hatte 1137 die ersten Priester dieses Or-dens aus Jerusalem nach Böhmen mitgebracht und HerzogWladislaw II., (nachmals als König I.) ihnen das KlosterStrahow erbaut. Nach vielen mißgünstigen Schicksalen wurdedies Kloster im ersten Drittel des 17. Jahrhunderts unter denAebten Johann Lohelius und Kaspar von Questenberg von denitalienischen Architekten Chianevalle und Carloni in seiner ge-genwärtigen Gestalt erbaut. Die der Stadt zugekehrte Frontedes Stiftes wurde erst im Jahre 1682, das Bibliotheksgebäudeein Jahrhundert später vollendet. Die Gebäude dieses Stif-tes nehmen einen sehr ansehnlichen Raum ein. FreundlicheEleganz und ein zur Andacht stimmender Charakter zeichnen diezum Stift gehörige Mariä Himmelfahrtskirche aus. In ihrruhen die Gebeine des heiligen Norbert, des Stifters des Prä-monstratenserordens; sie wurden im Jahre 1627 von Magde-burg mit um so größerer Feierlichkeit hieher übertragen, alsdamals der Glaube herrschte, daß die Stadt, in welcher dieseGebeine ruhen, uneinnehmbar sei. Auch der Gründer diesesStiftes, König Wladislaw, und der berühmte, in der Schlachtbei Lützen gefallene Kriegsheld Graf Pappenheim sind in dieserKirche begraben. Die Altäre der Kirche sind aus böhmischemMarmor gehauen, unter den Gemälden stammen mehre vonKünstlern, welche diesem Stifte und Orden angehörten. DieOrgel der Kirche ist die größte in Böhmen. (Die zweitgrößteist jene der Mctropolitankirche.) In der Prälatur, derenFenster und Terrasse herrliche Aussichtspunkte über Prag ge-währen, hat der gegenwärtige Abt, der Hochw. Hr. Hieronp-mus Joseph Zeidler eine Gemäldegalerie angelegt, die nunbereits etwa 566 Nummern zählt. Eines ihrer vorzüglichstenStücke ist Albrecht Dürers berühmtes Nosenkranzfest, das sichaber theils durch die Zeit, theils in Folge früherer unglücklicherRestaurationen in sehr schadhaftem Zustande befand, bis es demböhmischen Maler Johann Gruß im vergangenen Jahre gelang,dem Bilde seine ursprüngliche Gestalt wiederzugeben. DieBibliothek des StistcS Strahow kömmt an äußerem Glanz denschönsten Europas gleich; aber auch ihr innerer Werth ist sehrbedeutend. Sie enthält über 56,666 Bände, darunter vieleInkunabeln, und Manuskripte aus dem XI., XII. und XIII.Jahrhunderte.

Von dem übrigen Hradschin durch den Hirschgraben unddurch Gärten getrennt, ziehen sich längs dessen Nordseite weit-läufige Fortifikationswerke. Sie verleihen der Gegend einenöden, düstern Anstrich, der sich erst bei der sogenannten Marien-schanze zu verlieren beginnt, bis die östlichsten Punkte der Hrad-schiner Wälle einen wirklich freundlichen Charakter annehmen.Und diesen haben sie dem in unserer Beschreibung oft genann-ten Oberstburggrafen, Se. Erc. Herrn Grafen Karl v. Cho-tek zu verdanken, der sie, so wie die öde kahle Anhöhe überder Mündung des Hirschgrabcns vor zwölf Jahren in freund-liche Gartenanlagen verwandelte. Aus Dankbarkeit für dievielen und hohen Verdienste, die er sich durch sein schöpferischesGenie und seine uncrmüdete, dem Guten zugewendete Thatkraft