trennt, zeigt sich uns mehr links, der schon vom vorigen Stahl-stich her uns bekannte schwarze Thurm, und vor ihm das fürstl.Lobko witzische Palais. In diesen Palast retteten sich nachdem berüchtigten Fenstersturze die Herren Slavata und Martinitzmit ihrem Geheimschrciber auf einer Leiter. — Links zieht sichvon diesem Palast bis gegen den Dom hin das Damenstift,vormals ein Palast der Nosenberge, eines alten Dynastcnge-schlechtcs, das nächst dem königlichen Hause das mächtigste imLande, ja oft noch mächtiger als die Könige selbst war. Eswar reich begütert, vorzüglich im Süden Böhmens, mit vielenHerrscherfamilien verschwägert, und besaß in Prag selbst mehrePaläste in unmittelbarer Nachbarschaft der Hofburg. Der letzteSprößling dieses hochberühmten Geschlechts, das vier Jahr-hunderte lang in der böhmischen Geschichte glänzt, war PeterWok von Roscnberg, -s 1611. — Die vortretenden Pfeiler desDamenstiftes scheinen noch Reste der alten przemyslidischcnThürme zu setzn, welche die Königsburg rings umgaben. Zuseinem gegenwärtigen Zwecke wurde das Gebäude von derKaiserin Maria Theresia (1755) bestimmt und eingerichtet.Ein langer gedeckter Gang, hinter welchem die Allerheili-genkirche (1263 von Przemysl Otakar II. als Schloßkapelleerbaut, von Karl IV. zu einer Kollegiatkirche erhoben und reichdotirt,) und neben dieser der Huldigungssaal hervorragt, führtaus dem Damenstift in die k. k. Hofburg. In dem Theile,welcher gerade unter dem offenen Bogen steht, der die Dom-kirche mit ihrem Thurme verbindet, befindet sich im oberstenStockwerke die historisch berühmte alte Landstube. In imponi-render Majestät, die ganze Stadt beherrschend, zieht sich vonda die kaiserliche Hofburg nach Westen hin. Das westlicheEnde derselben wird auf dem Bilde unseren Blicken durch diegrandiose Kuppel der klcinseitncr St. Niklaskirche entzogen. —Links von der NiklaSkuppel, das Bild zur äußersten Linkenabschließend, zeigt sich uns die Südfroute des großartigenSchwarzenbergischen Palastes. Zu schwindelnder Höheerhebt sich diese Südsronte von mehren Terrassen über der Auf-fahrt, die aus der Spornergasse zum Hradschin führt. DerPalast ist ein ehrwürdiges, herrliches Denkmal der alten flo-rentinischen Bauart, und ging bei seiner Festigkeit aus allenBelagerungen unzcrstört hervor. Den alterthümlichercn Theilseiner westlichen (den Hradschiner Platz zierenden) Fronte zeigtuns ein besonderer Stahlstich. Das ältere Gebäude des Pa-lastes (denn er besteht aus zwei verschiedenen Gebäuden) sollin früheren Jahrhunderten ein Jagdschloß Königs Wenzel IV.gewesen sepn, doch ist dies nichts als eine bloße Vermuthung,die wohl auf keinem triftigeren Grunde beruht, als auf denHirschgeweihen, welche die florentinischen Dachgiebel dieses Ge-bäudes zierten.
Mit dem fürstlich Schwarzenbergischen Palaste beginnenwir nun die Schilderung der westlichen Hälfte des Hradschins.Wir nahmen als Scheidelinie die den Hradschiner Platz vonOsten begränzte Fronte de rk. k. Hofburg an. Von der Süd-seite begränzt den Platz der eben geschilderte fürstl. Schwarzen-bergischc Palast und das Kloster der Karmeliterinnen,eines Nonncnordens von sehr strenger Observanz. Ist einmaldie Nonne eingekleidet, so sieht sie fortan außer ihren Kloster-
schwestern Niemand mehr. — Den größten Theil der West-srontc des Hradschiner Platzes bildet der Palast des Großhcr-zogs von Toskana; die Nordseite wird von dem erzbischöflichenPalast, dem ehemals gräfl. Sternberg'schen, mm der Privat-gesellschaft patriotischer Kunstfreunde gehörenden Palaste, undeinigen anderen Gebänden abgeschlossen, die größtentheils einEigenthum des Prager Domkapitels sind und von Domherrenbewohnt werden. Die Mitte des Hradschiner Platzes beschatteteine doppelte Kastanienallee, aus welcher sich eine Mariensäuleerhebt.
Der fürsterzbischöfliche Palast ist in den Jahren1675 bis I6V4 erbaut, erhielt aber seine jetzige Gestalt erst1764 bis 1767 unter dem Fürst-Erzbischofe Grafen Przichowskpdurch den Architekten Wirch. Der gegenwärtige Fürst-Erzbischofist Se. fürstl. Gnaden der hochwürdigste Herr Alois JosephFreiherr v. Schrenk aufNotzing, in der Reihe der PragerErzbischöfe der 28. Bekanntlich wurde das Prager Bisthumim Jahre 1344 zum Erzbisthume erhoben. Die Prager Erz-diöces erstreckt sich über die Hauptstadt Prag, den berauner,rakonitzcr, kaurzimer, pilsncr und elbogner Kreis, mehre Bene-fizien in andern Kreisen Böhmens und die preußische GrafschaftGlatz. Dem Fürst-Erzbischof untersteht ein Suffragan (Wcih-bischof) und ein zahlreiches Domkapitel, welches den Titel„Allzeit getreues Domstift der Metropolitankirche zu St. Veitam Prager königl. Schlosse" führt, und ein für die böhmischeGeschichte wichtiges und sehr reiches Archiv, so wie eine an-sehnliche Schatzkammer besitzt. — Dicht neben dem erzbischöfli-chen Palast, aber mit der Hauptfronte dem Hirschgraben zuge-wendet, steht das Gebäude der Privatgesellschaft pa-triotischer Kunstfreunde, in dem sich nebst der Gemäl-degalerie des genannten Kunstvereins auch die Sammlungender Gesellschaft des vaterländischen Museums befinden. DieGemäldegalerie enthält in 16 Sälen ungefähr 1400 Ge-mälde von fast fünfthalbhundert der berühmtesten Künstler undist am reichsten an Werken vaterländischer Maler und altdeut-scher Meister. Der Raum erlaubt uns leider nicht, bei An-führung der vorzüglichen trefflich geordneten Sammlungen vonDrucksachen, Handschriften, Urkunden, Alterthümern, Münzen,Naturgegenständen :c. :c>, welche die Gesellschaft des vaterlän-dischen Museums besitzt, zu verweilen: es genüge hier, blosbeispielsweise der prachtvollen versteinerten Flora der Vorweltund der systematisch nach den Formationen und Gebirgszügendes Landes geordneten böhmischen Mineralien und Felsartenzu erwähnen. In der Bibliothek findet man nebst vielem höchstWichtigen und Interessanten auch die berühmte königinhoferHandschrift, geschrieben (etwa in den Jahren 12V0 —1310)auf einigen Pergamentblättern, welche der gelehrte SlawistHerr Wenceslaw Hanka, gegenwärtig Bibliothekar des Mu-seums, 1817 im Gewölbe des Königinhofer Kirchthurmes un-ter alten Pfeilen gefunden hat. An den übrigen Sammlungensind als Kustoden angestellt: der ausgezeichnete NaturhistorikerHerr vr. Karl Presl, der um Böhmens Geognosie hoch-verdiente Herr Professor Zippe, und der durch seine Iconesknnxorum, seine Prachtflora europäischer Schimmelbildungenund andere Werke, in welchen er die überraschenden Resultate
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