ster dient nunmehr ein Theil zur Korrektionsanstalt für Geist-liche, ein anderer Theil wird als Artillerickaserne benutzt.
Die St. Georgsgasse, welche am gleichnamigen Platzezum östlichen Burgthore des Hradschins führt, bietet dem Durch-gehenden eine» sehr mittelalterlichen Anblick und sieht der Ein-fahrt in eine alte Burg nicht unähnlich. Nebst der Georgs-kirche enthält sie noch mehre erwähnenswerthe Gebäude: gleichder Georgskirche gegenüber das thercsianische adelige Damen-stift, an welches sich ein Lobkowitzischcs Palais anschließt, undauf der linken Seite der Gasse, dem letzteren gegenüber, dasalte Oberstburggrafenamt. Auf alle diese Gebäude werden wirbei der Betrachtung einiger Stahlstiche, zu der wir nun schrei-ten , zurückkommen.
Am großartigsten, imposantesten präsentirt sich der bishergeschilderte Theil des Hradschins von der Süd-, am roman-tischsten von der Ostseite. Den ersteren Anblick gewährt unsder Stahlstich: „die Kleinseite mit dem Hradschin in Prag",letzterer jener mit der einfachen Unterschrift: „der Hradschin inPrag". Ein nicht weniger mittelalterliches, aber bei weitemnicht so romantisches Bild gibt uns ein dritter Stahlstich, wel-cher uns die VcitSkirche und mit ihr einen Theil des Hrad-schins von Norden darstellt.
Werfen wir einen kurzen Blick auf den letztgenanntenProspekt. Sein Vordergrund ist ein Abhang des Hirschgrabens,dessen tiefen aber engen Thalgrund einige daraus heraufragendePappeln und Buschwerk andeuten. Zur äußersten Rechten sehenwir den Ansang der Stanbbrücke und die hohen Bogenfensterdarüber gehören dem spanischen Saale an. In dem nach linksfortgesetzten, etwas zurücktretenden Trakte des Schlosses liegtin gleicher Höhe mit dem spanischen der deutsche Saal. Bei-der geschah bereits Erwähnung. Der ganze fernere Mittel-grund, unter und vor dem majestätisch aufragenden Dome,zeigt uns cincn Theil der alten Festungswerke des Hradschins:darunter den Thurm Mihulka, der wie alle übrigen Festungs-thürme des Hradschins anfänglich als Vertheidigungspunkt,später als Gefängnißort diente.
Mehr von den alten Thürmen sehen wir auf dem Bilde:„der Hradschin in Prag". Hier tritt uns nochmals, rechts vonder Domkirchc, aus dem Hirschgraben aufragend die Mihulkaentgegen; der ihr ähnliche, doch niedrigere runde Thurm, mehrnach vorn das Eck des Hradschins bildend, ist die Daliborka,auch der weiße Thurm genannt. Ersterer Name rührt vondem ersten Gefangenen, der nach einem Wiederaufbau desThurmes unter König Wladislaw II darin saß, dem RitterDalibor von Kozaged, der hier so lange Jahre verbrachte, daßer in dem Kerker das Geigenspiel bis zu einem Anstrich vonVirtuosität erlernte, und dadurch viele milde Spenden von denam Kerker Vorübergehenden erwarb. Noch lebt ein Sprüch-wort im Munde des Volkes: „Noth lehrte den Dalibor gei-gen." Dalibor hatte sich im Jahre 1498 der Bauernaufwieg-lung schuldig gemacht, und wurde nach langjähriger Gefangen-schaft mit dem Schwerte hingerichtet. — Der nach ihm benannteThurm enthält mehre Kerkcrgeschosse, deren dicke Mauern, mitKlagen und Verwünschungen bekritzelte Wände, eiserne Ringe,finstere Räume u. s. w. an alle Schrecken der mittelalterlichen
Halsgerichtsordnung erinnern. Er scheint fleißig benutzt wor-den zu seyn: sein letzter Bewohner war im ersten Viertel dcSvorigen Jahrhundertes eine Dame, die ihren Gatten ermordethatte, Frau Zahradka von Eulenfels. — Wohl schwerlich mensch-licher waren die Gefängnisse in dem schwarzen Thurme,dem hohen viereckigen Thurme, den wir auf unserem Bildelinks von der Daliborka, über dem Burgthore erblicken. Indiesem oder dem Schuldthurme (zwischen der Daliborka undder Mihulka) wurde die eiserne Jungfrau aufbewahrt, eine be-rüchtigte Foltermaschine, deren Umarmungen dem Beschuldigtendas Gcständniß im wahrcsten und schauerlichsten Wortsinne er-preßten. Auch in den unterirdischen Räumen des Oberst-burggrafenamt-Gebäudes fand man zu Ende des vorigenJahrhundertes noch manche traurige Denkmale mittelalterlicherJustiz, namentlich zahllose vermoderte Menschenknochen. DasObcrstburggrafenamt übte in älterer Zeit das ckiulieium nobilein Erckntionssachen aus; in dem alten Gerichtssaal befindetsich noch aus jenen Zeiten ein Plafondgemälde, Salomons Ur-theil darstellend. In einem Vorzimmer des Gcrichtssaaleswurden die zum Schwerte Verurtheilten hingerichtet und langekonnte man das an den Wänden klebende Blut nicht verwi-schen; so oft man auch die Wände mit frischem Kalk über-tünchte, immer wieder schlugen die Blutflecken durch. Nebender Thüre Pflegte ein Sarg zu stehen, in welchem die Leich-name der Hingerichteten so lange liegen blieben, bis man siemit Stricken in eine tiefe Gruft hinabließ, welche noch zuSchallers Zeiten fast ganz voll vermoderter Gebeine und ver-morschter Bretter war. — Das Gewirr von Häusern, welcheswir auf unserem Bilde zwischen dem schwarzen Thurme undder Daliborka sehen, gehört zu dem Oberstburggrafenamtsge-bäude. Ein Theil dieser Häuser besteht noch aus halb verfalle-nen Ucberrcsten des alten karolinischen Schlosses, an dessenStelle der Oberstburggraf Johann von Lobkowitz im Jahre 1555das Oberstburggrafengcbäude (durch den italienischen Baumei-ster Ventura) erbauen ließ. Zahlreiche Wappen und Inschrif-ten schmücken die Mauern dieses uralten Gebäudes. — Hinterdiesem ragen auf unserem Bilde die zwei spitzen, schmucklosenKirchthürme von St. Georg auf, und hinter dem rechten der-selben der hohe St. Veitsthurm mit seinem majestätischen Dome.— In der vordersten Reihe des Hradschins erblicken wir, seit-wärts unter dem schwarzen Thurme das alte Burgthor, undvor ihm die alte Bastei, vormals mit Wall, Graben und Zug-brücken befestigt, jetzt ein geebneter Platz, von dem man einereiche Aussicht über Prag genießt. An das Burgthor stößtlinks das alte Lobkowitzische Palais.
Einige Worte über den Vordergrund des bisher besproche-nen Stahlstichs uns noch vorbehaltend, nehmen wir nun eineandere unserer Ansichten zur Hand, nämlich die mit der Unter-schrift: „die Kleinseite mit dem Hradschin." Die zur Kleinseitegehörenden Gebäude haben wir auf diesem Stahlstiche schonbetrachtet, es bleibt uns also nur der hier sichtbare Theil desHradschins. Nah an der äußersten Rechten, hinter dem imVordergrund stehenden Mühlgebäudc, blickt aus laubiger Um-gebung von seiner Höhe das bereits geschilderte FerdinandeischeLusthaus hervor. Durch Bäume und Gebüsch von diesem ge-