Druckschrift 
3 (1842)
Entstehung
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von Mailand nach Böhmen gebracht worden seyn soll. DieserFuß, ein auf Thierköpfen und Klauen ruhendes Dreieck ausErz, besteht aus einem seltsamen Gewirr von kleinen Män-nern, in Kampf und vielfältiger Verschlingung mit Löwen,Lindwürmern und andern Ungeheuern, zwar ungestalt, aberAlles scharf und ausdrucksvoll gearbeitet.

Wollten wir alle die Kunstwerke, Verzierungen, Statuen,Grabdenkmale, Gemälde, Inschriften, und was sonst nochWerthvolles oder Interessantes die argen Verwüstungen durchKrieg, religiöse Wirren*) und Elemente der Domkirche ließen,einzeln nennen und schildern, so würden wir den uns zur Be-schreibung von Prag zugemessenen Raum weit überschreiten.Wir müssen uns begnügen, von dem Wichtigeren, was dasInnere der Domkirche enthält, das Vorzüglichste erwähntzu haben.

Das Acußere der Metropolitankirche stellen uns zwei An-sichten dar, eine von der Süd-, die zweite (mit dem Beisatzevom Hirschgraben aus") von der Nordscite. Von beiden Sei-ten, am herrlichsten aber von der Morgenseite tritt trotz man-cher Stylwidrigkeiten, unter welche auch das mit Kupfer ge-deckte Dach gehört, die gothische Bauart des Domes unver-kennbar hervor. Bei aller Erhabenheit des majestätischen Domesist doch alles Schwerfällige vermieden. Rings um das hochhervorragende Kirchenschiff erheben sich über den Seitengängenund Kapellen des Domes zahllose schlanke Pfeiler, untereinan-der durch kühn gespannte, reich verzierte und durchbrocheneBögen verbunden. In spitzen Nadeln und Pyramiden aus-laufend tragen sie auf ihrer Höhe das Kreuz, das Symboldes Glaubens und der Gottheit, während in den spitzen Fen-sterbögen und an den Säulenverzierungen die Rose angebrachtist, mit der das Mittelalter die Welt und das Leben bezeichnete.

Nehmen wir, um nachzutragen, was wir noch über dasAeußere der St. Veitskirche zu berichten haben, den Stahlstichzur Hand, der sie von der Südseite darstellt. Hier erweckt,nachdem wir uns vom ersten Eindrucke erholt, vor Allem derThurm unsere Aufmerksamkeit. Vor dem Brande von 1541etwa 506 Fuß hoch, mißt er gegenwärtig nur 314^, den ganzunpassenden Thurmaufsatz erhielt er natürlich erst, nachdem erdurch jenen Unglücksfall seine frühere Größe verloren. Aufder Spitze steht ein kupferner Löwe, ein Kreuz haltend. Vonden 7 Glocken wiegt die Größte, Sigmund genannt, 227Centner (vor dem erwähnten großen Brande, nach welchem sie,wie noch zwei andere Glocken dieses Thurmes umgegossen wurde,wog sie 270 Ccntner); sie hat einen tiefen feierlichen Ton, derjedoch beim Anschlage einen Sprung in der Wölbung vermu-then läßt. Die kräftig tönende Schlaguhr dient manchem Pragerals Wetterprophet. Die Galerie unterhalb des Thurmauf-satzes umschließt die Wohnung des Thürmers. Von ihr genießt

") Eine der ärgsten Verwüstungen erlitt diese Kirche durch diePfälzer am 30. November Iii>9, Eine Holztafcl an einem derKirchenpfeiler stellt die VerwüstungSscenc .-» b»s rvliek dar. Aufeiner andern Holzsculptur sieht man die Flucht der Pfälzer ausPrag abgebildet, und diese bietet ein obwohl rohes, doch ziem-lich anschauliches Bild des damalige» Prag.

man eine herrliche Aussicht; die Königsburg, die Paläste desHradschins, das ganze übrige Prag liegt zu des BeschauersFüßen, dessen Auge weit weithin bis an die Gränzgcbirgeschweift. Nur ist das Ersteigen dieses Thurmes nicht sonderlichbequem. Im Erdgeschoß des Thurmes befindet sich die Ha-scnburgische Kapelle. Eine zweite Kapelle, die unter dem wei-ten offenen Bogen, rechts neben dem Thurme steht und diesenvon der Kirche scheidet, enthält an ihrer Außenwand ein kost-bares Denkmal alter Kunst: ein Mosaikbild, das einenRaum von nicht weniger als 2l Quadratklaftern einnimmt.Durch zwei senkrechte Mittelpfciler in 3 gleiche Theile geschie-den, stellt es, ganz im byzantinischen Style, das jüngste Gerichtvor. Eine unter dem Bilde im mittleren Spitzbogen ange-brachte lateinische und böhmische Inschrift sagt, daß dies Ge-mälde im Jahre 1371 auf Kosten Karls IV.aus farbigemGestein und vergoldetem Glase auf griechische Manier" zusam-mengesetzt, im Jahre 1837 aber auf Anordnung des Obcrst-burggrafen, Karl Grafen von Chotek (durch den seither inSyrien an der Pest verstorbenen k. k. Hofmaler Ed. Gurk)wiederhergestellt wurde. Wäre der Dom ganz ausgebautworden, so hätte unter diesem Spitzbogen ein Seitcneingangmit einem Portikus in die Kirche geführt.

Ein zweites Denkmal alter Kunst sehen wir auf demStahlstiche, den wir zuletzt besprochen, neben der Terrasse, dieden Dom von dem Burghofe scheidet. Es ist eine, von denzwei Brüdern Klussenbach im Jahre 1373 aus Erz gegosseneStatue des Heilgen Georg zu Pferde. Bei einem Tur-niere, welches im September 1562 zur Feier der KrönungMaximilians II. auf diesem Burghofe gehalten wurde, stelltensich so viele Neugierige auf die Statue, daß diese mit ihrerganzen Last in das darunter befindliche Wasserbehältniß stürzte.Das Pferd wurde dermaßen beschädigt, daß es Übergossen wer-den mußte. Die Figur des Heilgen Georg aber ist noch diealte vom Jahr 1373.

An der Morgenseite begränzt die Domkirche den Georgs-platz, einen kleinen unregelmäßigen Platz, der seinen Namenvon der uralten St. Georgskirche führt, welche ihn aufder, der Domkirche entgegengesetzten Seite abschließt. DieKirche ward schon im Jahre 9!2 von Wratislaw I, das Klo-ster (für Bcncdiktincrincn), etwa 60 Jahre später von dessenNichte Milada gestiftet. Die Töchter der vornehmsten böhmi-schen Geschlechter nahmen in diesem Kloster den Schleier, unddie Beherrscher Böhmens überhäuften es mit Schenkungen undPrivilegien. Unter letztern das Vorzüglichste war jenes, ver-möge dessen Karl IV. der jeweiligen Aebtissin des St. Georgs-klosters nebst der fürstlichen Würde auch das Recht ertheilte,der böhmischen Königin bei ihrer Krönung die kleinere Kroneaufzusetzen. Als im Jahre 1782 das Kloster aufgehoben wurde,überging dieses Recht auf die Aebtissin des adeligen Damen-stiftes. Gegenwärtig wird die Georgskirche, ein alterthümlichesunregelmäßiges Gebäude mit zahlreichen Treppen, Krypten,Kapellen, Seitengewölben, Gräbern (darunter jene der HeilgenLudmila, Milada und mehrer böhmischer Herzoge), nur zwei-mal des Jahres, nämlich am St. Georgs- und St. Ludmila-tage (21. April und 16. Stptembcr) geöffnet. Von dem Klo-