Druckschrift 
3 (1842)
Entstehung
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Belagerung erlitten, im Jahre 1771 von Kramolin und Hagerhergestellt wurde.

Das Innere der Kirche wird durch 15 gothische Böge» inein Schiff und zwei Seitenschiffe getheilt. Die innere Längedes Schiffes beträgt 157, seine Breite 48, seine Höhe 1>KFuß. Die Breite der ganzen Kirche im Lichten 144 Fuß.Nings um die Seitenschiffe ziehen sich zwölf Kapellen. Nebstden zahlreichen Fenstern dieser Kapellen erhellen das Schiff 13hohe gothische Fenster, deren Bogenspitzen Rosen und anderedurchbrochene Arbeiten zieren. Von den Glasmalereien, welchesonst einen Hauptschmuck dieser Fenster bildeten, und ein düsterfeierliches Licht in dem Gotteshause verbreiteten, zeigt gegen-wärtig nur ein Fenster noch einige schwache Ucberreste. DieNippen der Wölbung ziert Laubwerk, die Zwischenfelder derNippen zeigen die Wappen der österreichischen Länder, Namens-züge, Ordenözeichcn; zahlreiche Wappen des böhmischen Adelssieht man unter einer Galerie, welche sich unter den Bogen-fenstern um das Schiff zieht, und auf welchen ein und zwanzigsteinerne Porträtbüsten berühmter Männer und Frauen ausder Zeit der Lurenburger stehen, unter ihnen Johann vonLurcnburg mit seiner Gemalin, Karl IV. mit seinen vier Ge-malinnen, die Gemalinnen Wenzels IV., die ersten drei Erz-bischöfc von Prag, die Baumeister Mathias von Arras undPeter Arleri von Gemünd, der Domherr und GeschichtschreiberBencsch von Weitmil u. A. Unten im Schiffe, das wie derganze Dom, an Bildsäulen, Skulpturen und anderem Tempel-schmuck so reich ist, daß das Auge erst nach längerem Verwei-len das Werthvollste zu entdecken vermag, nennen wir alsHauptmerkwürdigkeit das Mausoleum Rudolfs II. Der ge-nannte Kaiser hatte es im Jahre 1589 mit einem Aufwandevon 32,999 Dukaten durch Aler. Kolin von Nürnberg ganzaus karrarischcm Marmor verfertigen lassen. Es ist mit einemEisengitter umgeben und bildet ein mit Statuetten und Figurenvon flachcrhabener Arbeit geschmücktes, 15 (Prager) Schuhlanges, 12" breites, 6" hohes Viereck. Darin und in derdarunter befindlichen Gruft ruhen die Gebeine dreizehn königli-cher Personen, nämlich: Karls IV. und seiner 4 Gemalinnen,Wenzels IV., Ladislaus PostHumus, Georgs von Podicbrad,Ferdinands I. und seiner Gemalin Anna, Maximilians II., Ru-dolfs II., und der österreichischen Erzherzogin Maria Amalia-s 1894.Die Gestalten Ferdinands I. und seiner Gemalin, wie auchMaximilians II. ruhen auf diesem Monumente, in Lebensgröße,erhaben ausgehauen. Eine zweite Zierde des Hauptschiffesist das Hochaltarblatt, ein Flügelbild, dessen Hauptgemälde(Evangelist Lukas, Marien mit dem Jesukinde malend) wahr-scheinlich von Gossart, die Seitenflügel aber (Johannes aufPathmos und die Qualen des hcilgen Veit) von Michael deMalino") gemalt sind. Ueber diesem Flügelgemälde hängtein größeres, Jesus, Maria und Joseph vorstellend, von Hcß.

Wie schon gesagt, ziehen sich um das Mittelschiff, einenbreiten Gang bildend, zwei Seitenschiffe, und um diese zwölf

*) Auch den Meistern Rubens, Correggio, Giulio Nomano, demjüngeren Hans Holbein, Bernard van Orlcy und seinem SchülerMichael Corcie u. in. a. wurden von verschiedenen diese Ge-mälde zugeschrieben.

Kapellen. Nur eine der Kapellen ist auch gegen die Kirche zuummauert: die St. Wenzelskapelle, welche von demfrommen Kaiser Karl IV. 1347 erbaut und dem böhmischenHerzog und Landespatron St. Wenzel gewidmet, mit reichsterPracht ausgestattet wurde. Die innern Wände dieser Kapellesind mit böhmischen Jaspissen, Chrpsoprasen, Amethysten u. s. f.ausgelegt, die Fugen mit Gold überzogen. Einige Freskoge-mälde an den Wänden verrathen ein sehr hohes Alter und sindhöchst wahrscheinlich dem Maler Niklas Wurmser von Straß-burg zuzuschreiben. Unter den Reliquien, mit denen Karl dieKapelle reich beschenkt hatte, sind der Leichnam, das Panzer-hemd, der Helm des Heilgen Herzogs die vorzüglichsten; undunter ihren Privilegien befand sich auch das,daß ein desTodtschlags Beschuldigter, wenn er zum Grabe des HeilgenWenzel sich flüchtete, nicht genommen werden durfte, sonderndes Friedens genießen sollte." In früheren Zeiten wurdenin dieser Kapelle bisweilen die Wahlen der böhmischen Königegehalten z. B. jene Ferdinands I. im Jahre 1526, und nochjetzt ist die Kapelle bei Krönungsfeierlichkeiten von Wichtigkeit,weil darin ein Theil der böhmischen Krönungsinsignien aufbe-wahrt wird, und weil hier der König nach der Krönung mitdem Schwerte des Heilgen Wenzel einige Vornehme des Landeszu St. Wenzelsrittern schlägt.

Von den übrigen Seitenkapellen verdient nach derReihe, in der sie sich einander anschließen die Kapelle desheiligen Johann von Nepomuk mit dem marmornen Mausoleumdes zweiten Prager Erzbischofs Johann Oczko von Wlaschimzuerst Erwähnung. In dem Seitenschiffe neben dieser Kapellesteht nahe beim Hochaltar unter einem rothen Baldachine dasgroße, silberne Denkmal des heiligen Johann von Ne-pomuk, in welchem die irdischen Ucberreste dieses Heiligen auf-bewahrt sind. Der Altar ist ganz von Silber, 39 Centnerschwer, und rings von schwebenden Engeln, Lampen und an-deren Verzierungen von getriebener Arbeit umgeben. DreiKapellen hinter dem Hochaltare enthalten die Gräber derPrzempsliden und zwar befinden sich in der Sternbcrg'schenKapelle die Gebeine und Denkmäler der beiden Otakare, inder Berka'schen jene Brzetislaws I. und Spitihnews II., undin der Kapelle St. Johann des Täufers die Brzetislaws II.und Borziwogs II. In der Kapelle Simon und Judä ruhtder 1397 im Lager bei Horazdiowitz verstorbene böhmische Kö-nig Rudolf 1. Auf der Rückseite des Hochaltars befindet sichder Altar des heiligen Veit, dessen Ucberreste hier ruhen. Zubeiden Seiten desselben sieht man zwei Gemälde von Skreta,deren eines die heilige Ludmila, das andere ihren Enkel, denheiligen Wenzel, vorstellt. Außerdem befinden sich an vorzüg-lichen Gemälden in den Seitenkapcllen die Taufe Christi vonBrandet, der sterbende Joseph von Malino, der heilige Phi-lippus Nerius von Quirin Iahn, und unweit vom Eingängein die Sakristei an einem Pfeiler eine vera ieon, ein herrlichesBild, wahrscheinlich von Thomas von Mutina. In derneben diesem Pfeiler stehenden Sigmundskapelle, (der erstenbeim linken Haupteingang,) zeigt man einen großen Leuchter-fuß, welcher ursprünglich aus dem Salomonischen Tempel zuJerusalem herrühren und von Wladislaw II. nach der Eroberung